Amelinghausener Kirchengemeinde beging Buß- und Bettag mit plattdeutscher Andacht und vielen Kerzen

Amelinghausen, 23.11.2014 - Während am Volkstrauertag und Ewigkeitssonntag die Gedanken vornehmlich bei Verstorbenen weilen, gilt der Buß- und Bettag vielen Christen der eigenen Besinnung und kritischen Selbstbetrachtung, der "Gewissensprüfung“, theologisch der Reue und Umkehr zu Gott. Eine besondere Note erfährt dies durch die Verwendung der niederdeutschen Sprache. Bereits vor einigen Jahren hatte die Niederdeutsche Bühne "Sülfmeister“ mit einem Gorch-Fock-Stück die Kirchenbesucher in Amelinghausen bewegt. Und so haben sich die "Plattdeutschen“ im Kirchenvorstand erneut für eine plattdeutsche Andacht bei Kerzenschein ausgesprochen.

Für die Andacht konnte der junge Pastor Wilko Burgwal aus Soltau, ein gebürtiger Ostfriese, gewonnen werden. Er wurde von Beate Meyer aus Amelinghausen unterstützt, die in ihrer Freizeit bereits in vielen Hauptrollen auf der Bühne zu sehen war, sowie vom Plattdeutschbeauftragten Günther Wagener aus Adendorf, der selbst über umfangreiche Gottesdiensterfahrung verfügt. 

Es kamen Gemeindeglieder aus Rehlingen und Oldendorf in die Hippolit-Kirche in Amelinghausen sowie aus Kirchgellersen, Lüneburg und sogar aus Persien.

Am Abend des Buß- und Bettages zauberten die drei Akteure beim Licht hunderter von Kerzen, die fast an das Ambiente der Freitag-Nacht-Konzerte erinnerten, eine ganz besondere Stimmung in der schmucken, dicht besetzten Kirche. Nach Paulus Worten aus dem zweiten Römerbrief "Du kannst Di nich ruutreden, Minsch!“ und plattdeutschen Geschichten um das Eintreten für Obdachlose ("dei  Minsch mit dei Plastikbütel“) wurden die Gottesdienstbesucher in der Stille zu einer aktiven, kritischen Bestimmung des eigenen Standortes und des Umganges mit anderen Menschen, ihren „Nächsten“, geführt. Ein nachdenklicher Abend, der durch die Musik von Kai-Markus Tegtmeyer an der Orgel abgerundet wurde.

Der Kirchenvorstand Hippolit und dem Vorsitz von Pastor Frank Jürgens zeigte sich überzeugt, dass bestimmte Botschaften mit einer besonderen, klaren und berührenden Sprache besser vermittelt werden. Die Gemeinde werde daher, neben dem legendären Heideblütenfestgottesdienst, möglicherweise schon bald zu weiteren plattdeutschen Gottesdiensten und Andachten einladen.