Aufgelesen

06.01.2015 - Dass Kardinal Woelki gestern Abend das Licht am Kölner Dom ausgeknipst hat, ist im Prinzip eine gute Sache, denn es gibt nicht wirklich einen hinreichenden Grund, eine Kirche des Nachts dauerhaft bestrahlen zu lassen - zumindest nicht mit künstlichem Licht. Dass dies aber sowohl von ihm als auch von den großen überregionalen Medien wie FAZ oder Spiegel als mannhaftes Zeichen des Widerstands gegen die Pegida-Bewegung hochgedeutet wird, offenbart vor allem eins: ihre Hilflosigkeit im Umgang mit Menschen, die in diesem Land auf die Straße gehen und ihren Unmut über die - aus ihrer Sicht nicht hinnehmbaren - Zustände in diesem Land äußern.


26.11.2014 - Eine Sendung, zwei Kommentare: FAZ und Spiegel haben sich auch zu Beginn dieser Woche wieder die Mühe gemacht, die Talk-Runde "Günther Jauch" zu kommentieren. Lesenswert ist allerdings nur der FAZ-Kommentar, der Spiegel erreicht lediglich noch das Niveau des Ankündigungstextes einer Programmzeitschrift. Schon erstaunlich, wie flach die Wasser geworden sind, in denen das ehemals kritische Nachrichtenmagazin heute segelt. Vielleicht liegt es aber auch einfach nur daran, dass die Spiegel-Leute es nicht gewohnt sind, von heute auf morgen einen lesbaren Text zu produzieren.


22.06.2014 - Mehr als 40 Prozent eines Bildungsjahrgangs machen heute Abitur, vor zwanzig Jahren waren es gerade einmal 27 Prozent. Doch nicht nur die Anzahl an Abiturienten pro Jahrgang nimmt zu, auch die Qualität hat - zumindest auf dem Papier - erheblich zugelegt: Der Notendurchschnitt bei den Abitur-Abschlussnoten hat sich in nahezu allen Bundesländern im gleichen Zeitraum erkennbar verbessert. Merkwürdig ist nur, dass die Universitäten diesen Bildungszuwachs so gar nicht erkennen können. Sie klagen über zum Teil katastrophale Wissensdefizite bei den Studienbewerbern. Ein Widerspruch? Nein.


09.06.2014 - Überforderte Lehrer, genervte Schüler, chaotischer Unterricht, undifferenzierte Förderung, verunsicherte Eltern, hilflose Politiker, untaugliche Konzepte, fehlende Finanzmittel, schlecht ausgestattete Schulen - die "Mängelliste Inklusion" ließe sich beliebig fortsetzen. Nachdem die UN per Menschenrechtskonvention vor fünf Jahren die Zusammenunterrichtung von lernbehinderten und normalen Schülern angeordnet hatte, stürzten sich hierzulande ganze Heerscharen von Sozial- und Bildungspolitikern wie Lemminge auf das Thema, als gelte es, eine Inklusions-Weltmeisterschaft zu gewinnen. Doch die Kritik an der vermeintlich seligmachenden und angeblich alle Schüler fördernden Unterrichtsidee wird zunehmend lauter.


02.03.2014 - Auf den Rekordwert von knapp 22 Milliarden Euro summierten sich die Kosten, die deutsche Stromkunden - Haushalte und Betriebe - im vergangenen Jahr für Ökostrom bezahlen mussten. Wer mit Zahlen dieser Größenordnung nichts anzufangen weiß, dem mag vielleicht diese helfen: 2013 kostete jeden Deutschen die regenerativ erzeugte Energie 240 Euro, so viel wie nie zuvor. Das Fatale daran: An der Strombörse war der Ökostrom nur 2 Milliarden Euro wert, die Differenz musste per Förderumlage aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ausgeglichen werden, die bekanntlich auf den Strompreis umgelegt wird. Darauf hat die FAZ kürzlich in einem Online-Beitrag hingewiesen. Nun gibt es für alle, die immer schon vermutet haben, dass so ein System nicht funktionieren kann, Schützenhilfe von ganz oben.


10.08.2013 - Wie die "Landeszeitung" in ihrer heutigen Ausgabe berichtet, werden die Telekom und mit ihr auch der Internetprovider United Internet den E-Mail-Austausch ihrer Kunden sicherer machen. Hintergrund seien die Ausspähaktivitäten des US-amerikanischen Geheimdienstes NSA. Die Landeszeitung spricht von einem "Vorstoß", da die Mails künftig per SSL-Verschlüsselung durchs Netz transportiert werden sollen. Wirklich neu an der Meldung ist allerdings nur, dass jetzt auch die Telekom und United Internet mit seinen Diensten "web.de" und "gmx.de" diese Technik nutzt, die bei anderen Anbietern bereits gängiger Standard ist.


18.06.2013 - Wie die "Landeszeitung" heute berichtet, dürfen sich die Lüneburger seit Neuestem über eine neue Skulptur am Alten Hafen freuen. Kein Geringerer als Henning Claassen, der sich Stück für Stück als Neu-Lüneburger, Unternehmer und Hotelier das historische Hafenviertel um den Alten Kran zu eigen gemacht und dort sein Bergström-Imperium errichtet hat, beglückte die Hansestädter und vor allem sich selbst jetzt mit einer lebensgroßen Bronze-Figur des amerikanischen Schriftstellers Mark Twain. Dieser sitzt seit ein paar Tagen bereits völlig deplatziert auf einer Bank an der Brausebrücke und muss den Anblick eines anderen Claassen-Geschenks an die Stadt ertragen: Unweit von ihm lassen sich in ähnlicher Pose drei Bronze-Kinder tagein, tagaus von einem Springbrunnen vollplätschern.


Neue Rubrik auf LGheute greift Themen und Beiträge anderer Redaktionen auf

16.06.2013 - Mal ist es ein Satz, der hängen geblieben ist, mal ein Bild, das Assoziationen weckte, mal ein ganzer Beitrag, der die LGheute-Redaktion beim Lesen anderer Zeitungen oder Internetportale aufhorchen ließ. Zumeist aber sind es die mal mehr, mal weniger versteckten Botschaften zwischen den Zeilen eines Artikels oder einer Nachricht, die zum Nachdenken anregen. In der neuen Rubrik "Aufgelesen" werden von nun an ausgewählte Beiträge oder Auszüge aus Artikeln anderer Redaktionen vorgestellt, die es lohnen, die Aufmerksamkeit der LGheute-Leser zu finden.