Kommentar

02.12.2013 - Es ist nur ein Haus und es gibt zum Glück keine Opfer oder Verletzten zu beklagen. Dennoch: Der Verlust des alten Lösecke-Hauses am Stintmarkt schmerzt sehr. Nicht, weil dieses historische Gebäude wie so viele in der Stadt von großem Wert für die touristische Wahrnehmung der Hansestadt ist, sondern weil es wie nur wenige Häuser in der Stadt eine so große Bedeutung für das kollektive Erinnern und Empfinden vieler Lüneburger hat. Denn der Blick, den man diesem Haus immer gern schenkte, wenn man über die Brausebrücke ging, wurde belohnt mit dem Widerschein einer Kulisse, die das Haus Georg von Löseckes maßgeblich bestimmt hat. Seine wuchtige und zufriedene Selbstbestimmtheit, die es stets ausstrahlte, wirkte auf besondere Weise beruhigend und verlässlich.


21.10.2013 - "Ich esse meine Suppe nicht! Nein, meine Suppe ess' ich nicht!" Man muss nicht den Struwwelpeter gelesen haben, um zu wissen, dass Kinder - auch die süßen kleinen - mitunter ganz eigene Vorstellungen von dem haben, was gut oder nicht so gut für sie ist. Ob es gut ist, dass der Landkreis Lüneburg jetzt das Thema Partizipation in die Kinderkrippen trägt, ist zumindest fraglich. Denn dort sollen nun die Jüngsten selbst entscheiden, wann sie essen und schlafen möchten und auch, ob sie gewickelt und angezogen werden wollen oder nicht. Partizipation beginne mit der Geburt, so der Grundgedanke, der hinter dieser abenteuerlich anmutenden Idee steht.


07.09.2013 - Wenn morgen in Lüneburg mehrere Hundert Sportfreunde zusammenkommen, um sich beim diesjährigen Volkslauf von MTV und Eon im Wettstreit um die besten Laufzeiten zu messen, steht bereits ein Gewinner fest: das schlechte Gewissen. Dieses plagt die Veranstalter anscheinend derart, dass sie im vorauseilenden Gehorsam vor umwelthysterischen Gruppierungen bereits für Kompensation gesorgt haben: Weil die Teilnehmer durch Anfahrt und Übernachtungen CO2-Emissionen verursachen, soll die dadurch entstehende Klima-Mehrbelastung durch den Einsatz effizienter Kocher in Ghana ausgeglichen werden. Kein Scherz!


02.09.2013 - Lüneburg kann sich glücklich schätzen. Die Hansestadt wurde wie nur wenige deutsche Städte von den Angriffen alliierter Bomber im Zweiten Weltkrieg weitestgehend verschont und hat sich ihr historisches Stadtbild - trotz zahlreicher späterer Zumutungen vorwärtsstrebender Lokalpolitiker - bis heute in weiten Teilen erhalten können. Wie groß die Sehnsucht vieler Menschen nach halbwegs intakten mittelalterlichen Stadtstrukturen ist, haben die Stadtväter aber erst spät begriffen. Den - vorerst letzten - Impuls dazu geben die täglich ausgetrahlten "Roten Rosen", die Dauerwerbesendung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten für die Hansestadt Lüneburg. Sie treibt alljährlich viele Hunderttausend Touristen in die Stadt, die sich über so viel Zuspruch bei ihren Gästen jetzt mit einer gesonderten Bettensteuer bedankt.


25.08.2013 - Gleich mit zwei Beamten war die Hansestadt am vergangenen Dienstag ins Glockenhaus gekommen. Oberbürgermeister Ulrich Mädge, sonst gern jederzeit bereit, in die Bütt zu steigen, um klarzustellen, wo der Hammer hängt, hatte lieber den Ordnungsamtsleiter und einen Stadtdezernenten geschickt. Schließlich ist Wahlkampf, und da will man nur ungern mit unliebsamen Themen konfrontiert werden. Statt seiner sollten doch besser die beiden Adlaten den rund einhundert Anwesenden klar machen, dass die Stadt nicht anders kann, als den Plänen des Pferdekutschenbetreibers Andreas Gensch zuzustimmen. 


02.06.2013 - Ulrich Mädge wird häufig nachgesagt, dass Entscheidungen, wenn schon nicht von ihm allein, so doch zumindest nicht ohne ihn getroffen werden. Das hat gelegentlich sogar seine Berechtigung, schließlich ist Lüneburgs OB nicht nur schon sehr lange im Amt, er versteht es auch wie kaum ein Zweiter, Verwaltung und Politik so miteinander zu verzahnen, dass man den Eindruck erhält, nur er allein sei noch in der Lage, den Überblick über das Geschehen im Rathaus zu behalten. Dass er nun ausgerechnet bei einem Vorgang, bei dem es um Millionenforderungen des Bundes gegen die Stadt geht, vorgibt, nicht so recht im Bilde zu sein, ist daher nur schwer nachvollziehbar.


28.05.2013 - Genialer Wetterschachzug: Die Stadt, die bereits - so darf man wohl zu Recht vermuten, nachdem im vergangenen Jahr im Hauruckverfahren das stadtverwaltungsungeliebte Reiterdenkmal beiseite geschafft wurde - konkrete Pläne für die "Neugestaltung" der alten Hafen-Bastion in der Schublade hat, lud nun heute zu einer "Bürgerversammlung" am kommenden Donnerstag ein. Man möchte gern mit den Menschen - besser: mit Vereinen, Kirchen und Umweltschutzorganisationen - über die ideologische Neuausrichtung dieses historischen Platzes sprechen, und zwar im Freien. Da es am Nachmittag kräftig schütten soll, wie ein Blick ins Internet auch den Terminmachern sicher verraten hat, dürfte das Wegbleiben der ebenfalls eingeladenen "Nachbarn" gewollt sein. Diese hätten ohnehin am Nachmittag kaum Zeit gehabt.


29.04.2013 - Montagabend, Lüneburg, 22 Uhr. Ein Knall, dann noch einer. Erstes Stutzen. Wieder ein Rummsen. Beim vierten Knall wird klar: Da ist nicht etwa das E-Werk oder gar das Rathaus in die Luft geflogen, nein, die wichtigtuerische Beknallung läutet lediglich das Dienstende der Schausteller auf den Lüneburger Sülzwiesen ein. Doch die schlechte Laune von F. & Co war bis in die Redaktion zu spüren: Nur neun Minuten lang dauerte das Blitzgewitter, dann versank es beleidigt ohne ohrenbetäubenden Schlussakkord. Was war geschehen?


18.04.2013 - Warum ist eigentlich niemand schon früher darauf gekommen? Landauf, landab wird von Bildungspolitikern aller Couleur seit Jahren gemahnt, dass die Zukunft Deutschlands in den Köpfen seiner Kinder stecke und uns - mangels natürlicher und sonstiger Ressourcen - nichts anderes übrig bleibe, als auf die Bildung kommender Generationen zu setzen. Spätestens seit "Pisa" wurde doch allen vor Augen geführt, dass es so nicht weiter gehen kann und wir den Anschluss an den Rest der Welt nicht verlieren dürfen. Aber wie? Wie wollen wir unseren Bedarf an Akademikern - pardon: Studiumsbeendeten - auf Dauer sichern?


03.04.2013 - Der Druck der Gesellschafter auf die Lüneburg Marketing GmbH muss enorm sein. Nicht anders ist es zu erklären, dass nun ausgerechnet Wohnmobilfahrer für einen weiteren Umsatzschub in der heimischen Wirtschaft sorgen sollen. Offenbar aber sind die Marketing-Leute an der Grenze ihrer Möglichkeiten angekommen, denn die jetzt ins Visier genommene Zielgruppe - zumeist Rentner, die ihr Geld gern beisammen halten und deshalb Hotels und Restaurants hartnäckig meiden - wird eines ganz sicher nicht: Lüneburg auch nur ansatzweise weiterbringen.