"Endlich kommt die Brücke"

Ausstellung "20 Jahre Versprechungen" zum Bau der Elbbrücke

Bleckede, 13.01.2013 - "Endlich kommt die Brücke" - so lautet eine der zahlreichen Überschriften von Zeitungsartikeln, die sich seit 1990 und der Rückgliederung des Amtes Neuhaus in den Landkreis Lüneburg mit der geplanten Elbbrücke auseinandersetzen. Gesammelt hat sie der in Stapel im Amt Neuhaus lebende Diedrich Kramer. Er hat die prägnantesten Beiträge zusammengestellt, die jetzt in der Ausstellung "20 Jahre Versprechungen" im Rathaus der Samtgemeinde Scharnebeck zu sehen sind.

"Wenn man das hier sieht, verliert man den Glauben an die Demokratie. Sie scheint immer weniger in der Lage zu sein, größere Projekte umzusetzen", sagte Diedrich Kramer anlässlich der  Eröffnung der Ausstellung in der dieser Woche. Sehr plakativ wird deutlich, wie lange schon um dieses Bauwerk gerungen wird und wie oft Hoffnungen sowohl geschürt als auch enttäuscht werden.

So schreibt die "Landeszeitung" am 22. Mai 1992 , dass Landrat Wolfgang Schurreit (SPD) eine Elbquerung für unverzichtbar halte, "sonst können wir uns eine Rückgliederung schenken." Und zwei Jahre später, am 18. Februar 1994, titelt die Schweriner Volkszeitung zuversichtlich: "Darchauer Brücke bis zur Jahrtausendwende" und zitiert Landrat Schurreit mit den Worten: "Wenn wir Niedersachsen wirklich zusammenwachsen wollen, ist der Bau einer weiteren Brücke mit dem Standort Neuhaus notwendig. Ich setze mich dafür ein, dass dieses Projekt noch in diesem Jahrzehnt gebaut wird."

Für jedes Jahr - von 1992 bis 2012 - hat Kramer einen markanten Artikel aus der regionalen Presse ausgewählt, darunter auch einen Zeitungsausschnitt, der schlagartig viele Hoffnungen auf die Brücke und den bereits geplanten Ersten Spatenstich im Mai 2006 zunichte machte. Damals hatte das Oberverwaltungsgericht Lüneburg festgestellt, dass der Landkreis Lüneburg als zuständige Planfeststellungsbehörde gar keine Straßen im Landkreis Lüchow-Dannenberg planen dürfe. Die bisherige Arbeit war umsonst, es musste wieder von vorn begonnen werden.

Erst am 3. Oktober 2008 durfte wieder gehofft werden: Damals schrieb die Bleckeder Zeitung "Endlich kommt die Brücke" - Grund war die Finanzierungszusage des damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff. Ob die Brücke tatsächlich kommt, hängt auch von der Bürgerbefragung ab, die am kommenden Sonntag durchgeführt wird. Dann sollen die Bürger des Landkreises sagen, ob sie den Bau wollen oder nicht oder nur dann, wenn er den Landkreis nicht mehr als 10 Millionen Euro kostet.

Bindend ist der Ausgang der Bürgerbefragung indes nicht, denn anders als bei einem Bürgerentscheid hat das Ergebnis keine rechtliche Relevanz. Die Politiker von SPD und Grünen, die im Kreistag die Bürgerbefragung durchgesetzt hatten und damit die Entscheidung auf den Bürger abwälzen wollten, werden also vielleicht am Sonntag erneut vor der Frage stehen, was geschehen soll, wenn viele für den Bau der Brücke gestimmt haben. Denn die rot-grüne Mehrheitsgruppe ist sich in dieser Frage alles andere als einig.

So wird es also auch nach der Ausstellung noch zahlreiche Berichterstattungen mit plakativen Überschriften zur Elbbrücke geben.

Die Ausstellung wird noch bis Freitag, 18. Januar, im Rathaus der Samtgemeinde Scharnebeck gezeigt. Die Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr, Donnerstag außerdem von 14 bis 18 Uhr.

 

Kommentare  

+7 # Meyer, Ernst 2013-01-14 08:56
Ich muss Herrn Kramer voll zustimmen. Mir geht ebenfalls der Glaube an die Demokratie verloren, wenn ich sehr wie Interessengruppen unmittelbar vor einer Wahl so großzügig in Rathäusern werben dürfen, wie das jetzt in Scharnebeck möglich ist. Immerhin steht hinter dieser Interesengruppe neben einigen wirklich betroffenen Bürgern eine riesige Asphalt- und Betonlobby mit viel Geld.

In unserer Demokratie galt bisher immer, dass Wahlwerbung am Ort der Wahlurne verboten ist.
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+7 # Oliver J. Glodzei 2013-01-14 08:47
Die doofen Politiker machen doch sowieso, was sie wollen. Aber schon komisch: Wenn sie mal nachfragen, dann "wälzen sie die Entscheidung ab". Und schlimmer: Nicht mal auf die Sitzverteilung im Landtag können die sich einigen und überlassen sogar das den Wählerinnen und Wählern. Böse, böse Politiker!
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