16.09.2020 - "Was ist denn in den gefahren?" Das mag man sich angesichts der Äußerungen von Ulrich Mädge fragen, nachdem dieser erklärte, die von der Bundesregierung erklärte Aufnahme von 1.500 Flüchtlingen aus Moria sei nicht genug. Mal ganz abgesehen davon, dass ein Oberbürgermeister einer Stadt wie Lüneburg nur begrenzte bundesrepublikanische Durchschlagskraft hat, bleibt auch die Frage offen, wie er seine Forderung vor Ort logistisch stemmen will. Dass Mädge dies letztlich dann aber doch nicht zu seinem Problem machen will, zeigt vor allem eins: Auch ihm dient Moria nur zur politischen Profilierung.

Waren es gestern noch die Linken im Rat der Stadt, die erklärten, wegen Moria Lüneburg zum "Sicheren Hafen" machen zu müssen, ist es heute Lüneburgs sozialdemokratischer OB, der sich dem Sog der medienstarken Wirkungskraft einer brennenden Flüchtlingsunterkunft nicht entziehen kann. Nahezu instinktiv scheint Mädge von dem Bedürfnis beseelt, am liebsten wohl gleich ganz Moria in die Lüneburger Obhut zu nehmen.

Scheint. Denn während Lüneburgs Linke sich noch im politischen Einmaleins abarbeitet und vergebens einen Antrag nach dem anderen in den Rat der Stadt einbringt, versucht sich Mädge in politischer Finesse: Das eine tun, ohne das andere zu müssen, könnte man seine Strategie bezeichnen, mit der er scheinheilig "mehr Humanität" in der Flüchtlingsfrage einfordert, sich zugleich aber zurücklehnt und erklärt, das alles sei letztlich Sache der Länder und des Bundes. Das ist übler Populismus. In diesem Fall mal einer der SPD. 

Ein Kommentar von Ulf Stüwe
zum Beitrag "1500 sind zu wenig"