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Pferdesteuer erregt weiterhin die Gemüter

Hansestadt, 22.08.2012 - In der laufenden Diskussion um eine mögliche Pferdesteuer hat sich nun auch die Lüneburger FDP zu Wort gemeldet. Der FDP-Stadtverbandsvorsitzende Frank Soldan zeigt sich verwundert über die Aussagen des niedersächsischen Städtetags und warnt vor den negativen Auswirkungen auf die Arbeitsplätze in der Region.

"Hier wird der Eindruck erweckt, Reiter und Pferdehalter könnten ohne Probleme 750 Euro Pferdesteuer zahlen. Das ist weltfremd und hat mit der Realität bei uns nichts zu tun", sagt Frank Soldan mit Bezug auf Äußerungen des Geschäftsführers des Niedersächsischen Städtetags, Christian Geiger. Dieser hatte auf eine dpa-Anfrage hin erklärt, dass eine Pferdesteuer rechtlich möglich sei und die Kosten von einigen Hundert Euro im Jahr für den Einzelnen "im Rahmen" seien.

Die Nachricht einer möglichen Pferdesteuer stieß bei Pferdehaltern in der Region auf Unverständnis und Empörung. "Dann machen wir morgen dicht, sofort", erklärte Jochen Studtmann, der zusammen mit seiner Frau Karin den Glockenhof in Amelinghausen führt. "Wir haben 60 Pferde und müssten 40.000 Euro zusätzlich erwirtschaften, das ist völlig undenkbar", sagte Studtmann.

Folgen hätte die Einführung der Steuer auch für seine sechs festangestellten Mitarbeitern - zwei Meister, ein Geselle und drei Auszubildende. "Auch für sie wäre dann Schluss", sagte der Amelinghausener. Für wahrscheinlich hält er die Einführung der Pferdesteuer indes nicht. "Wir haben hier vor Ort einen denkenden Bürgermeister, der weiß, welche Bedeutung der Reitsport für die Region hat", so Studtmann.

Auch Elke Schenzel vom Kronshof in Ellringen bei Dahlenburg ist sich sicher, dass eine solche Steuer nicht kommen wird. "Das ist gar nicht vorstellbar", sagte sie gegenüber LGheute. Sie betreibt zusammen mit ihrem Mann Lothar eine international anerkannte Islandpferde-Zucht. Für ihre insgesamt 150 Pferde müssten Schenzels bei Einführung der Steuer rund 112.000 Euro pro Jahr zahlen.

Ohnehin sei Reiten kein Luxussport, wie es bisweilen immer noch gesehen wird. "Es sind ganz normale Familien, die zu uns kommen und Freude an den Tieren haben", so Elke Schenzel.

|| Über Steuer entscheidet die Gemeinde ||

Zwar hatte Christian Geiger vom Niedersächsischen Städtetag erklärt, dass derzeit nicht über die Einführung einer Pferdesteuer diskutiert werde, mit seinem Hinweis, dass dies in der Entscheidung der jeweiligen Kommune liege, aber für erhebliche Unruhe gesorgt. Erst vor zwei Tagen machte er gegenüber der in Oldenburg erscheinenden "Nordwest Zeitung" erneut deutlich, dass der Städtetag sich in dieser Frage nicht festgelegt habe: "Wir sind weder für noch gegen eine solche Steuer. Entscheiden kann nur die einzelne Gemeinde", so Geiger.

Ob die Gemeinden im Landkreis Lüneburg eine solche Steuer einführen, scheint unwahrscheinlich. Beim Landkreis wurde bereits abgewunken, eine Pferdesteuer sei gegenwärtig nicht geplant, ließ Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer über seine Pressestelle mitteilen. Auch in der Hansestadt gibt es solche Überlegungen nicht, teilte Pressesprecher Daniel Steinmeier mit, "aber hier in der Stadt gibt es ja auch nicht so viele Pferde."

Frank Soldan vermutet hinter der ganzen Diskussion daher auch nicht mehr als einen Versuchsballon. "Vielleicht sollte vor Ort einmal die Stimmung für eine solche nur Wenige betreffende zusätzliche Steuer ausgetestet werden", rätselt der FDP-Mann, für den eine Pferdesteuer ebenso unsinnig sei wie die bereits bestehende Hundesteuer.