Landkreis will mehr Partizipation von Kindern und Jugendlichen - Auftaktveranstaltung am 2. Juni

Landkreis, 06.05.2012 - Junge Menschen sind es gewohnt, mitzureden und ihre Positionen und Standpunkte darzulegen. Sie lernen es frühzeitig in der Schule, und auch in den Familien ist der Austausch von Argumenten und das Mitwirken an Entscheidungen der Kinder längst eine Selbstverständlichkeit. Nur in der Politik findet die Beteiligung Jugendlicher offenbar noch nicht ausreichend statt. Das will der Landkreis Lüneburg jetzt ändern. Eine Auftaktveranstaltung soll zeigen, wie das gehen kann.

"60 Prozent der Jugendlichen fühlen sich in die Entscheidungsprozesse innerhalb ihrer Familie gut eingebunden, aber nur für 15 Prozent gilt dies auch bei Entscheidungen in den Kommunen", weiß Prof. Dr. Waldemar Stange vom Institut für Sozialpädagogik der Leuphana Universität Lüneburg. Er entwickelte für den Landkreis Lüneburg ein Konzept, wie Kinder und Jugendliche stärker als bisher beteiligt werden können, vor allem, wenn es um Angelegenheiten geht, die sie selbst betreffen.

Das Thema ist nicht ganz neu, immerhin ist eine angemessene Beteiligung von Kindern und Jugendlichen bereits im Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetz festgeschrieben. Dort heißt es in § 36:  "Gemeinden und Samtgemeinden sollen Kinder und Jugendliche bei Planungen und Vorhaben, die deren Interessen berühren, in angemessener Weise beteiligen."  Doch die Umsetzung, so Professor Stange, scheitere oft an mangelnder professioneller Betreuung vor Ort. "Wir brauchen Menschen, die geschult sind, Entscheidungsprozesse mit Kinden voranzubringen."

|| Moderatoren-Ausbildung noch in diesem Jahr ||

Hier will der Landkreis jetzt ansetzen. Noch in diesem Jahr sollen mit seiner Unterstützung mindestens 15 Personen zu Moderatoren ausgebildet werden, die ab 2013 erste Projektvorhaben vor Ort planen, durchführen und begutachten sollen. "Wir brauchen Leute, die wissen, wie es geht", sagt Landrat Manfred Nahrstedt, der sich als Impulsgeber in Sachen Partizipation versteht. "Wir wollen einen Stein ins Wasser werfen und tragen das Thema freiwillig an die Kommunen heran", so der Landrat.

Ziel sei es, die Entscheidungsträger in den Kommunen dafür zu sensibilisieren, dass Kinder nicht selten "Experten in eigener Sache" seien, so Professor Stange. Sie seien durchaus in der Lage, Vorschläge kompetent und manchmal sogar preisgünstiger umzusetzen als Erwachsene. Wenn diese bereit seien, ihre "Machtvollkommenheit und ihr Expertenwissen" mit interessierten und engagierten Kindern und Jugendlichen zu teilen, sei schon viel gewonnen, so Stange.

|| "Jugendliche ticken heute anders" ||

Allerdings gehe es nicht um "Wünsch-Dir-was-Veranstaltungen", sondern darum, Kindern und Jugendlichen Möglichkeiten und Grenzen verantwortungsvollen Handelns aufzuzeigen und sie auch in die Pflicht zu nehmen. "Wir müssen die ausgetretenen Wege verlassen", ist sich Landrat Nahrstedt sicher, der aus eigenen Erfahrungen weiß, dass Jugendliche heute anders "ticken" als noch vor einigen Jahren. Ihnen gehe es weniger um Positionen innerhalb festgefügter politischer Strukturen, sondern vielmehr darum, sich je nach Interesse und persönlicher Betroffenheit zu engagieren - und das oft nur projektweise und zeitlich begrenzt.

Wenn Partizipation gelingen soll, "müssen wir lernen, die Arbeit in den Kommunen mit anderen Augen zu sehen", sagt Klaus Metzdorf, Kreisjugendpfleger und Projektkoordinator beim Landkreis Lüneburg. Mit einem bloßen "Draufsetzen" auf bestehende Strukturen sei es nicht getan. Und Karsten Zenker-Bruns, Jugendamtsleiter des Landkreises Lüneburg, ergänzt: "Das braucht Zeit, Mut und Beharrlichkeit". Doch er ist überzeugt, dass die Anstrengungen lohnen. "Wir gewinnen mehr, wenn wir unsere Kinder und Jugendlichen an Entscheidungsprozessen beteiligen, als wenn wir darauf verzichten".

|| Auftaktveranstaltung für Entscheidungsträger ||

Der Landkreis will sich nun "an die Spitze der Bewegung setzen" und hat dazu 16.000 Euro bereitgestellt, die für Informationsveranstaltungen und Moderatoren-Ausbildung eingesetzt werden sollen. Zum Auftakt findet am 2. Juni 2012 eine Fachtagung an der Leuphana Universität statt, auf der Strategien, Methoden und Praxis-Beispiele für Partizipation ebenso aufgezeigt werden sollen wie mögliche Probleme bei der Umsetzung. Eingeladen sind Entscheidungsträger aus Kitas, Schulen, Jugendzentren, Vereinen, Politik und Verwaltung. Und vielleicht werden ja auch noch ein paar Kinder und Jugendliche eingeladen.

Interessierte können sich noch bis zum 21. Mai 2012 zur Fachtagung "Mitreden - Mitplanen - Mitmachen" bei Klaus Metzdorf unter der Telefonnummer 04131-261318 oder per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! anmelden.