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06.09.2020 - Nicht jedes Geschehen ist berichtenswert. Und selbst Meldungen, die ein öffentliches Interesse begründen und daher einen Bericht in den Gazetten dieser Republik rechtfertigen würden, fallen mitunter unter den Tisch – vor allem bei Medien, die ihre Informationen nach wie vor auf Papier drucken. Hier ist der Platz bekanntlich begrenzt. Begrenzt scheint dabei aber bisweilen auch die Bereitschaft zu sein, die eigene "Echokammer" zu verlassen, wie die Tendenz zur einseitigen Wahrnehmung und bewussten Ausblendung missleidiger Informationen heute gern genannt wird. Aktuelles Beispiel: Die Razzia gegen mutmaßliche Linksextremisten.

So berichtet der WDR über eine Aktion, bei der die Polizei am 1. September eine länderübergreifende Razzia gegen Linksextremisten mit Schwerpunkt in Hamburg durchführte. In dem Beitrag auf der Webseite des WDR heißt es: "Der Einsatz richtete sich den Angaben zufolge gegen 22 Mitglieder einer linksextremen Gruppe, gegen die bereits seit vergangenem Jahr wegen des Verdachts auf Bildung einer terroristischen Vereinigung ermittelt werde. Die Gruppe 'roter Aufbau' wird mit einem Brandanschlag auf das Haus eines Polizisten in Hamburg in Verbindung gebracht."

Weil im Zusammenhang mit dieser Aktion auch in Siegen eine Razzia durchgeführt wurde, berichtete der WDR darüber. In den hiesigen regionalen Medien allerdings fand die Aktion kaum Niederschlag, obwohl neben Hamburg auch in Stelle eine Razzia durchgeführt wurde. 

Warum dieses Ereignis hier dennoch nahezu unberücksichtigt blieb, zeigt, woran viele Redaktionen heute vor allem kranken: der Fähigkeit, sich nicht selbst zum Maßstab der Bewertung zu machen. Ein zugegeben kein einfaches Unterfangen. War es doch über viele Jahrzehnte selbstverständlich, dass Redaktionen als alleinige Informationsquellen nach eigenem Gutdünken und politischen Vorlieben aus- und abwählen konnten, was ihnen und ihrer politischen Ausrichtung genehm war.

Die Zeiten haben sich geändert. Nun poppen für den Papierkorb bestimmte Nachrichten trotzdem auf. Das Problem: Die Echos aus den kleiner werdenden Echokammern der Redaktionsstuben werden kontinuierlich dünner. Wer dies nicht wahrnimmt und nicht ändert, wird irgendwann gar kein Gehör mehr finden.