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Fragebogen der Uni Lüneburg soll Schwachstellen in Pflegeheimen aufdecken 

Lüneburg, 10.07.2013 - Nicht selten stehen Pflegeheime in der Kritik. Verpflegung, Hygiene, Betreuung, Ausstattung - die Liste der Punkte, die Anlass zu Kritik geben können, ist lang. Künftig sollen Pflegeheime genauer und verlässlicher feststellen können, ob sich ihre Bewohner tatsächlich wohlfühlen. Psychologie-Professor Peter Paulus und sein Team von der Leuphana Universität Lüneburg haben einen Fragebogen entwickelt, mit dem die Pflegebedürftigen selbst bewerten können, wie gut es ihnen in ihrem Heim geht. Die Befragten geben dazu den Grad ihrer Zustimmung zu Aussagen wie "Ich schlafe eher gut", "Hier kann ich das Essen genießen" oder "Hier habe ich mich mit anderen angefreundet" an. 

"Wenn die Bewohner ihr Wohlbefinden systematisch selbst beschreiben, bekommen wir eine Bilanz, die differenzierter und zuverlässiger ist als die, die unsere Pflegeteams im Alltagsgeschäft herstellen können", sagt Ursula Stein, Pflegedienstleiterin im Alten- und Pflegeheim Haus Wietze bei Celle. Zwar gebe es einen geringen zeitlichen Aufwand, doch der Nutzen der damit gewonnenen Einsichten überwiege deutlich. In einer ersten Studie des Zentrums für Angewandte Gesundheitswissenschaften der Leuphana hatte das Haus Wietze bereits sehr gute Bewertungen von seinen Bewohnern erhalten. Künftig soll die Befragung einmal jährlich wiederholt werden.

"Pflegeeinrichtungen können mit unserem Diagnoseverfahren besser prüfen, wo sie gut sind und wo sie für das Wohlbefinden ihrer Bewohner noch mehr tun können", ist Projektleiter Paulus überzeugt. "Von diesem Wissen können die Pflegeeinrichtungen, vor allem aber auch die Pflegebedürftigen profitieren." Paulus sieht das neue Verfahren als Ergänzung zum sogenannten Pflege-TÜV, mit dem der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) seit 2009 allen Heimen in Deutschland Noten gibt. Dieser war zuletzt umstritten, weil er sich weitestgehend auf die Dokumentation der Pflegeleistung stützt und weniger auf die Aussagen der Gepflegten. Außerdem durchleuchtet der Pflege-TÜV vor allem die Pflegequalität, also medizinische Versorgung oder altersgerecht gut lesbare Speisepläne, während der Lüneburger Test das psychische Wohlbefinden wissenschaftlich bewertet. "Die Menschen sollen ja nicht nur möglichst satt und sauber und damit zufrieden sein, sondern möglichst gesund. Und da spielt auch die Psyche eine wichtige Rolle", erklärt Paulus.

Rund 160 Pflegebedürftige und 130 Pflegekräfte in den Landkreisen Celle, Heidekreis, Lüneburg, Harburg und Osterholz hat das dreiköpfige Forscherteam des Projekts "Einfach gute Pflege finden" im Innovations-Inkubator der Leuphana Universität Lüneburg während der Entwicklungszeit befragt. 

Nach Angaben der Forscher leben derzeit rund 52.000 Menschen im ehemaligen Regierungsbezirk Lüneburg in einem Pflegeheim oder in betreutem Wohnen. Das entspricht drei Prozent der Bevölkerung. Deutschlandweit gibt es rund 2,3 Millionen Pflegebedürftige. Im Jahr 2030 wird es laut der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder rund 3,4 Millionen Pflegebedürftige geben. "Unser Diagnoseverfahren hilft der Region also auch dabei, sich für die Zukunft zu rüsten, so dass es den Menschen hier auch im Alter möglichst gut geht", so Paulus.