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19.01.2021 - Nun sind es also vier. Dass Claudia Kalisch für die Grünen beim OB-Wahlkampf antreten wird, war erwartet worden, nachdem sie bereits vor geraumer Zeit angekündigt hatte, nicht erneut als Samtgemeindebürgermeisterin von Amelinghausen kandidieren zu wollen. Auf Lüneburg wird damit aller Voraussicht nach – und zum ersten Mal in der Geschichte dieser Stadt – eine Oberbürgermeisterin zukommen, sollte sich Heiko Meyer nicht doch gegen seine Konkurrentinnen durchsetzen. Der Wahlkampf dürfte dennoch spannend bleiben, zumal erste Sticheleien bereits um sich greifen. 

CDU, SPD und Grüne setzen also auf Frauen. Das ist zumindest bei zwei von ihnen neu. Und weil es offenbar so schön ist, Neues zu präsentieren, das in diesem Fall auch noch dem Risiko entgeht, als frauenfeindliche Partei geshitstormt zu werden, wähnt man sich dem Sieg beim Kampf ums Rathaus schon um einiges näher. 

Wer es in diesen Zeiten hingegen wagt, mit einem vielleicht aussichtsreichen, aber leider männlichen Kandidaten in die Bütt zu steigen, dem bläst postwendend der feministische Zeitgeist eiskalt entgegen. Wer das Image der auf Wahlerfolg hoffenden Parteien aufpolieren und die unliebsamen Spiegelbilder eitler Männerriegen vertreiben will, muss in den nicht immer Glück verheißenden Apfel beißen, den Kandidatinnen verlockend in den Händen halten. Letztere zumindest scheinen verstanden zu haben, dass Männer immer noch dafür taugen, Frauen in Führungspositionen zu bringen. 

Dumm nur, dass gleich drei von ihnen antreten. Bei Dreien sind mindestens zwei zu viel, das gilt bekanntlich nicht nur für OB-Kandidatinnen. Doch sie werden wissen, wie sie ihre unliebsamen Mitbewerberinnen mit weiblicher Raffinesse und überbordender Freundlichkeit ins Abseits stellen können – zumindest es aber versuchen.

Erste Anzeichen dafür gibt es bereits. Schon kursieren Gerüchte, wonach die eine gar nicht wirklich ins Amt strebe und nur kandidiere, um hernach in Hannover zu reüssieren. Den anderen wird nachgesagt, bissig oder auch amtsunfähig zu sein. Andere wiederum streuen Botschaften, wonach die andere auch die Kandidatin der anderen hätte werden können, wenn sie es denn gewollt hätte. Kurzum: Die immerwährenden Intrigen, die Frauenkenner Shakespeare trefflichst in seinem "Viel Lärm um Nichts" für die Ewigkeit festhielt, werden auch Lüneburg in den kommenden Monaten ausreichend Unterhaltung bieten.

Dass Heiko Meyer lachender Vierter in der Runde wird, ist kaum anzunehmen. Ihm fehlen nicht nur die Heerscharen an willigen Helfern und Botschaftern, um sich in diesem Reigen erfolgreich behaupten zu können, er ist eben auch ein Mann. Im politischen Lüneburg gilt das inzwischen schon als persönliche Disqualifizierung.

Ein Kommentar von Ulf Stüwe
zum Beitrag "Auch Claudia Kalisch will ins Rathaus"