Biogasanlage Kirchgellersen erfährt weiter Kritik von Umweltschützern - BUND lehnt Anlage komplett ab

Kirchgellersen, 18.04.2012 - Der geplanten 1,5 Megawatt starken Biogasanlage bei Kirchgellersen bläst der Wind weiter ins Gesicht. Nachdem sich bereits mit der Bürgerinitiative "pro Gellersen" Widerstand formiert hat, kommt nun auch Kritik vom Umweltverein Gellersen, der Maßnahmen gegen die "Vermaisung" der Landschaft fordert. Komplett lehnt dagegen der BUND die Anlage ab.

"Aus unserer Sicht muss hier an diversen Punkten gründlich nachgebessert werden. Dann könnte sich auch der Umweltverein für eine entsprechende Anlage aussprechen", macht Hans-Christian Friedrichs, erster Vorsitzender des Umweltvereins, deutlich. Nachbesserungsbedarf sieht er vor allem bei der zu verwendenden Pflanzenmischung, die einen deutlich geringeren Maisanteil haben sollte. 400 Hektar zusätzlichen Maisanbaus im Raum Kirchgellersen werde nicht spurlos an der Region vorüber gehen, ist sich Friedrichs sicher und fordert: "Hier sollte eine andere zukunftsträchtige Pflanzenmischung verwendet werden, deren Umweltbilanz insgesamt positiver ist als die von Mais."

Aber auch den geplanten Standort in Kirchgellersen im Trinkwasserschutzgebiet lehnt der Umweltverein "wegen unkalkulierbarer Risiken und der zu erwarteten verkehrlichen Belastung ab".

|| BUND lehnt Anlage komplett ab ||

Unterstützung bekommt der Umweltverein vom BUND Regionalverband Elbe-Heide in Lüneburg, der die Errichtung einer weiteren Biogasanlage im Landkreis Lüneburg aber gleich komplett ablehnt. "Die Entwicklung bei den erneuerbaren Energien aus nachwachsenden Rohstoffen hat ein naturverträgliches Maß längst weit überschritten", erklärt der BUND in seiner Stellungnahme zum Flächennutzungs-Plan.

Nach seinen Angaben würden in Deutschland bereits auf über einer Million Hektar Fläche Energiepflanzen allein für die Verwertung in Biogasanlagen angebaut, "nachdem ursprünglich nur Grünabfälle aus der Landwirtschaft für die "Bio"-Energieerzeugung genutzt werden sollten", so der BUND. Dieser Trend müsse dringend gestoppt werden, heißt es in der Stellungnahme.

Gefahr sieht der BUND auch durch die Errichtung der Anlage in einem Trinkwasserschutzgebiet. Der Anbau von Mais erfordere einen hohen Aufwand an Düngemitteln, von denen die Überschüsse ins Grundwasser absickern würden. Auch von einer CO2-armen Energiegewinnung könne keine Rede sein, da in die Ökobilanz auch die Fahrten des Schwerlastverkehrs eingerechnet werden müssten. "Dadurch kommt es auch zu weiteren Lärm- und vor allem zu Feinstaubbelastungen", zählt der BUND auf, der sich alternativ für die Errichtung einer Windkraftanlage ausspricht.

|| Besichtigung der Biogasanlage Drögennindorf ||

Der Umweltverein Gellersen will so weit nicht gehen und lädt im Sinne eines "transparenten Meinungsbildungsprozesses für Politik und Bürger", so Friedrichs, zu öffentlicher Besichtigung der Biogasanlage Drögennindorf am 28. April um 13 Uhr ein. Im Anschluss findet um 15 Uhr die Jahreshauptversammlung des Vereins im Lokal "Zum Alten Perkeo" in Südergellersen statt.