Generelles Fracking-Verbot nicht zu rechtfertigen

Ergebnisse des Informationsabends der SPD-Ostheide

Barendorf/Wendhausen, 17.12.2012 - Am vergangenen Donnerstag hatte der SPD-Ortsverein Ostheide den Göttinger Geologen Prof. Dr. Martin Sauter von der Universität Göttingen zu Gast. Sauter sprach im Rahmen einer Informationsveranstaltung über Auswirkungen beim Einsatz der Fracking-Technologie. Ein Bericht von Siegfried Kubiak.

"Fracken ist mit einer neuen Dimension von Risiken verbunden," sagte Professor Dr. Martin Sauter in der Informationsveranstaltung des SPD-Ortsvereins Ostheide in Meyers Gasthaus in Wendhausen. Wesentliche Gründe dafür seien die größere Anzahl der Bohrungen - alle 2 bis 3 Kilometer ein Bohrloch - und die damit verbundenen Vorgänge wie Wasserverbrauch, Chemikalieneinsatz, Raumbedarf und Transport. Dennoch kam er zu dem Schluss, dass es keine sachliche Grundlage für ein generelles Verbot von Fracking gäbe.

Professor Sauter war einer der Wissenschaftlicher, die sich im sogenannten "Dialog-Fracking" ein Jahr lang mit den denkbaren Gefahren dieser Technologie zur Gewinnung von Schiefergas oder Schieferöl befasst hatten. In seinem Referat bot er einen Überblick über die Vorgehensweise der Wissenschaftler.

Detaillierter stellte er die Ergebnisse des Gutachtens über die Abschätzung der Auswirkungen von Fracking-Maßnahmen auf das oberflächennahe Grundwasser dar. An diesem Gutachten war er maßgeblich beteiligt. Er plädierte für realistische Demonstrationsvorhaben, bevor flächendeckende Aktivitäten erlaubt werden. Dabei betonte er die Notwendigkeit zur Weiterentwicklung von rechtlichen Regelungen. Einen gesellschaftlichen Dialog hielt er für absolut notwendig und trat für eine stärkere Beteiligung der Gemeinden ein. Im "Dialog-Fracking" waren rund 500 Fragen intensiv bearbeitet worden.

In seinem Vortrag wurde deutlich, dass wahrscheinlich die größten Risiken gar nicht in der Tiefe, sondern an der Oberfläche entstehen könnten. Um die Bohrtürme herum werde viel Raum für Tanks, Lager und Transport benötigt. Abwässer müssten an der Oberfläche gelagert, transportiert und letztlich entsorgt werden. Mit diesen und anderen Hinweisen bot Professor Sauter seinen Zuhörern zahlreiche Anregungen, sich über sein Spezialgebiet hinaus weiter zu informieren.

Im Anschluss an Sauters Referat gab es eine lebhafte Diskussion unter den rund 40 Anwesenden, die von Franz-Josef Kamp, Sprecher der Gruppe SPD/Grüne im Kreistag des Landkreises Lüneburg, geleitet wurde. Das Thema "Fracking" wurde dabei bis hin zu ethischen Fragestellungen ausgeweitet.

Beklagt wurde, dass es keine empirischen Erkenntnisse aus Langzeitstudien gebe. Eine Teilnehmerin bezweifelte die Unabhängigkeit der Wissenschaftler, weil der "Dialog-Fracking" mittelbar durch ExxonMobil Central Europe Holding GmbH bezahlt wurde. Dem widersprach Professor Sauter nachdrücklich. Sämtliche Gutachten, die von den am Dialogprozess beteiligten Wissenschaftlern erstellt wurden, sind im Internet veröffentlicht, jedermann zugänglich und können unter www.dialog-erdgasundfrac.de heruntergeladen werden.

 

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