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Aufgelesen: Politische Folklore

Warum die "Lüneburger Wochen gegen Rassismus" für eine kritische Auseinandersetzung nicht taugen

Foto: LGheute24.03.2026 - Wie in jedem Frühjahr, gibt es auch in diesem Jahr wieder die "Lüneburger Wochen gegen Rassismus" – eine Veranstaltungsreihe, bei der jeder, der sich nicht einer rechten Gesinnung verdächtig machen will, mal begeistert oder mal pflichtschuldig dabei ist. Denn darum geht es in Lüneburg: den Rassismus dort verorten, wo er den zumeist linken Gruppierungen, die bei den Rassismus-Wochen das Sagen haben, am meisten nutzt – rechts. Es verwundert daher nicht, dass bei der Demo am vergangenen Sonnabend vom linken Rassismus nichts zu hören war.

Pflichtgemäß berichtete die "Landeszeitung" gestern über die Demo gegen Rassismus, an der rund 400 Personen teilgenommen haben. Langjährige LZ-Leser konnten dabei lesen, was sie schon seit Jahren lesen, denn der Tenor der Berichterstattung ist stets derselbe: Ein deutliches Signal gegen Ausgrenzung von Minderheiten und Randgruppen.

Unterfüttert wird die Relevanz der "Lüneburger Wochen gegen Rassismus" in der LZ mit Beispielen. So klagt ein Teilnehmer etwa über Einschüchterungsversuche durch einen Mann, dem eine an dem Haus des Teilnehmers angebrachte Regenbogenflagge nicht passt. Eine 15-jährige Schülerin wiederum berichtet über Diskriminierung von Gleichaltrigen und Kindern, die sie wegen ihrer schwarzen Hautfarbe erfahren habe. Und es wird die Initiatorin der Veranstaltungsreihe zitiert, die einen Angriff auf die Demokratie feststellt, wenn Flüchtlinge und Migranten "entmenschlicht und zu Sündenböcken" gemacht werden. Beispiele für Rassismus von rechts.

Von einem Kampf gegen linken Rassismus ist in dem Beitrag allerdings nichts zu lesen. Das verwundert insofern, als die Links-Partei sich einem solchen Vorwurf aktuell massiv ausgesetzt sieht. Denn der niedersächsische Linkspartei-Landesverband, dessen Vorsitzende bis 2023 Heidi Reichinnek war und den jetzt der Lüneburger Thorben Peters anführt, hatte am vorletzten Wochenende mit einer Zweidrittel-Mehrheit für einen Parteitagsantrag gestimmt, der ursprünglich den Titel "Ablehnung des Zionismus" trug – mit anderen Worten: Schafft Israel ab –, kurz vor der Abstimmung dann aber geringfügig geändert wurde. 

Dass die Initiatoren und Teilnehmer der "Lüneburger Wochen gegen Rassismus" keine Stimme gegen linken Antisemitismus finden, überrascht nicht. Dass aber nicht wenigstens die LZ das Thema in ihrer Berichterstattung aufgreift, verwundert schon. Zumal die Lokalzeitung wenige Tage zuvor genau zu dem hoch umtrittenen Linken-Beschluss ein Interview mit Thorben Peters geführt hat – der von einem Rassismus- oder Antisemitismus-Vorwurf gegen seine Partei naturgemäß nichts wissen will und lediglich von einer "missglückten Formulierung" spricht.

Dass Lüneburg kritisch auf rassistische Tendenzen in der Stadt und der Region schaut und diese anprangert, ist zu begrüßen. Wenn dieser Blick aber politisch einseitig motiviert ist, geraten Veranstaltungen wie die "Lüneburger Wochen gegen Rassismus" zu politischer Folklore ohne inhaltliche Substanz. Die Öffentlichkeit hat dafür ein feines Gespür und wird sich von solchen Darbietungen über kurz oder lang immer mehr abwenden.

 

 

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