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Aufgelesen: Ohne Relevanz

Wo bleibt der Blick der öffentlich-rechtlichen Medien für die wirklichen Probleme?

Foto: LGheute20.04.2026 - "Alles von Relevanz". Mit diesem Motto wirbt der Deutschlandfunk (DLF) seit langem schon selbstbewusst für sein bundesweites Radioprogramm. In Sachen Nachrichten sieht sich der öffentlich-rechtliche Sender ohnehin gern an vorderster Front: Drei Mal am Tag, morgens, mittags und am Abend wird über alles berichtet, was der Sender für "relevant" hält. Offenbar nicht so relevant ist dem DLF ein Thema, das aktuell aber viele besorgt: ein immer wahrscheinlich werdender Kerosinmangel, der ausgerechnet zu Beginn der bevorstehenden Urlaubsreisewelle zu massenhaften Flugausfällen führen könnte.

Der anhaltende Konflikt an der Straße von Hormus wird, so die Einschätzung von Beobachtern, über kurz oder lang auch den internationalen Flugverkehr massiv beeinträchtigen. Grund sind sowohl fehlende Öllieferungen für den benötigten Sprit, vor allem aber fehlende Kapazitäten bei den Raffinerien, die aus Erdöl Kerosin als Sprit für die Flugzeuge benötigen. 

Im Nachrichtensender "Welt-TV" wird darüber heute bereits den ganten Tag über berichtet. Auch, dass Deutschland mit seinen elf Raffinerien zwar über vergleichsweise viele Anlagen dieser Art zur Kerosin-Produktion verfügt, diese aber dennoch nur 50 Prozent des einheimischen Bedarfs decken können. Aber eben nur 50 Prozent. Eine Mangellage scheint bei anhaltendem Konflikt daher unvermeidbar.

Die Angst um die anstehenden Urlaubsflüge kurz vor Beginn der Ferienzeite ist daher bei den reisebegeisterten Deutschen drastisch gestiegen. Wie aber reagiert die Bundesregierung darauf? "Welt-TV" wollte das wissen und hatte die Parlamentarische Staatssekretärin aus dem Bundeswirtschaftsministerium Britta Connemann ins Studio geladen. Die konnte zwar auch nur beschwichtigen, stellte sich aber den Fragen der "Welt"-Moderatoren.

Und der Deutschlandfunk? In seiner Nachrichtensendung "Informationen am Abend", in der vorgeblich über "alles von Relevanz" berichtet wird, ist davon zunächst nichts zu hören. Stattdessen macht der Sender wie üblich in den letzten Wochen mit der aktuellen Lage beim Iran-Krieg auf, gute fünf Minuten lang. Danach geht es vier Minuten lang – im Nachrichtenradio eine lange Zeit – um den bulgarischen Wahlsieger Rumen Radew. Im dritten Beitrag schließlich geht es dann um eine Deutsche, die in Russland angeblich mit einer selbstgebauten Sprengbombe dingfest gemacht wurde. Dauer dieses Beitrags: drei Minuten.

Und das Kerosinproblem? Die Informationen, auf die viele Menschen hierzulande dringend warten, weil sie selbst davon betroffen sind und wissen wollen, was jetzt oder in Kürze auf sie zukommt, ihnen räumt der DLF eine nachrangige Position ein. Erst an vierter Stelle kommt bei dem Sender das Kerosin-Problem zur Sprache, obwohl Bundeskanzler Friedrich Merz dem Thema "höchste politische Priorität" eingeräumt habe, wie der DLF in der Abendsendung berichtet – von politischer Seite also offenbar ein relevanteres Thema als vonseiten der öffentlich-rechtlichen Nachrichtenredakteure verortet. Dauer des Beitrags: Dreieinhalb Minuten.

 

 

 

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