Veranstaltung im Ostpreußischen Landesmuseum
Lüneburg, 26.03.2026 - Passen die "Kritik der praktisch Vernuft" und das "Kommunistische Manifest" zusammen? Anders gefragt: Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Kant und Marx? Wenn es nach dem 2024 verstorbenen Soziologen Oskar Negt geht, durchaus. In einer seiner Schriften stellte er eine Verbindung dieser beiden Gedankensysteme her. Was es damit auf sich hat, will der in Lüneburg geborene Prof. Dr. Michael Krätke in einem Vortrag im Ostpreußischen Landesmuseum erklären.
Oskar Negt, so Krätke, habe aufgezeigt, dass es im Marxschen Denken tatsächlich zahlreiche Anknüpfungspunkte an Kants praktische Philosophie gebe. Friedrich Engels beanspruche Kant als Teil des geistigen Erbes, dessen sich die europäische sozialistische Bewegung würdig erweisen solle. Krätke verweist aber auch auf weitere Bezüge: So habe Max Adler, der Philosoph des Austromarxismus, versucht, Kants Sozialphilosophie und seine Erkenntniskritik in den Marxismus einzubauen. Eduard Bernstein und Karl Vorländer hätten mit Kants Hilfe dem Sozialismus gar ein ethisches Fundament verpassen wollen.
"Ein fruchtbarer Dialog zwischen Kantianern und Marxisten scheint möglich. Denn beide kommen in einem zentralen Punkt zusammen: als Anhänger und Vorkämpfer einer demokratischen Republik", heißt es in der Ankündigung der Friedrich-Ebert-Stiftung, die zu der Veranstaltung ins Ostpreußische Landesmuseum einlädt.
Michael R. Krätke studierte Soziologie, Wirtschaftswissenschaften und Politikwissenschaft in Berlin und Paris, lehrte unter anderem Soziologie in Berlin und Bielefeld und Politikwissenschaft in Kassel. Von 2009–2011 war er Direktor des Institute of Advanced Studies in Lancaster. Gegenwärtig ist er Emeritus und Professor für Politische Theorie an der Universität von Wuhan, VRChina. Er arbeitet seit vielen Jahren auch als Wirtschaftsjournalist für deutsche, schweizerische und französische Zeitungen und lebt in Amsterdam.
Die Veranstaltung findet statt am Mittwoch, 29. April, um 18.30 Uhr. Moderatorin ist die "Zeit"-Journalistin Cosima Schmitt.

