Die Graffiti an der Kaimauer am Alten Hafen lösen bei der Politik ein unterschiedliches Echo aus

Ein Teil der Kaimauer ist für die aufwändige Reinigung bereits eingerüstet. Foto: LGheute  Lüneburg, 22.11.2021 - Mit hohem Kostenaufwand lässt die Stadtverwaltung in diesen Tagen die historische Kaimauer am Stint säubern. Wie berichtet, waren dort in den vergangenen Monaten immer mehr Graffiti entstanden, die Stadt hatte die Sprayer gewähren lassen, um die benachbarte Gastronomie nicht zu gefährden, wie es hieß. Aber hätte man nicht bereits früher einschreiten müssen, um ein Ausufern und weitere Kosten zu verhindern? Die Meinungen Lüneburger Politikern dazu sind unterschiedlich.

◼︎ Grüne

"Im Entwurf, da zeigt sich das Talent, in der Ausführung die Kunst." Mit den lyrischen Worten der Schriftstellerin Marie von Eber-Eschenbach versucht Fraktionsvorsitzende der Grünen, Ulrich Blanck, dem Graffiti-Problem näherzukommen und vermeidet so galant das Wort Schmiererei. "Die historische Kaimauer ist schlicht nicht die geeignete Leinwand – sondern selbst Zeugnis früherer Handwerkskunst, so gut ausgeführt, dass sie für die allermeisten Betrachter keinerlei 'Verbesserung' bedarf", urteilt Blanck. Er würde es begrüßen, wenn die Künstler der Gegenwart dafür auch Respekt und Wertschätzung entgegenbrächten, "so wie sie sich es mutmaßlich wohl auch für ihre Künste wünschen". Ob eine frühere Entfernung der Graffiti weniger weitere Schäden zur Folge hätte oder, im Gegenteil, sogar Anlass zur weiteren Betätigung böte, ist für Blanck aber "reine Spekulation und lässt sich daher nicht seriös beantworten".

◼︎ CDU

Die Fraktionsvorsitzende der CDU, Monika Scherf, setzt auf Überzeugungsarbeit bei den Graffiti-Sprayern. Zwar halte ihre Fraktion es für "richtig und unerlässlich", Graffiti an dieser historischen Kaimauer und in diesem historischen Viertel zu entfernen. Ob es dafür einen geschickteren, früheren Zeitpunkt gegeben hätte, "ist nun müßig, zu diskutieren", so Scherf. Vielmehr müsse es gelingen, die Sprayer zu überzeugen, dass solche historischen Flächen nicht mit Graffiti überzogen werden, "dann wäre mit der aktuellen Reinigung das Thema auch erledigt". Sollte das nicht gelingen, gebe es ohnehin keinen "richtigen Zeitpunkt", die Graffiti zu entfernen. "Dann wird uns dieses Thema leider – und zum Leidwesen vieler Steuerzahler – über längere Zeit begleiten. Ich hoffe wirklich auf ein Einsehen bei den Graffiti-Sprayern und ein Verständnis für das historische Erbe Lüneburgs!"

◼︎ Die Basis

"Natürlich sind illegale Schmierereien nicht zu dulden", sagt auch Sören Köppen (Die Basis). Dass die Stadtverwaltung sich nun entschlossen hat, "zu warten, bis man einen größeren Auftrag vergibt statt mehrere kleinere und dabei die Belange der angrenzenden Gastronomie berücksichtigt, klingt erstmal einleuchtend". Wer dies kritisiere, müsse eine Alternative aufzeigen, findet Köppen. Auch gelte es, alle Faktoren bei einer Entscheidung, ob vielleicht frühzeitiger hätte eingeschritten werden müssen, zu berücksichtigen. Hier nennt Köppen neben der Kostenabwägung und den Belangen der Gastronomen Passanten und Anwohnern auch die Prüfung, ob der Untergrund eine Schutzbehandlung zulässt. Auch eine Überwachung durch Kameras oder Ordnungskräfte müsse erwogen werden, ebenso die Außenwirkung auf Touristen und Passanten, wenn Graffiti lange bestehen bleiben. 

◼︎ AfD

"Die Graffiti-Schmierereien in der Innenstadt sind nicht nur ein ästhetisches Ärgernis, die Beseitigung ist mit hohen Kosten verbunden, und vor allem bei historischen Gebäuden wird auch die Bausubstanz in Mitleidenschaft gezogen", sagt AfD-Fraktionschef Robin Gaberle und erinnert damit an einen Antrag, den seine Fraktion bereits im Oktober vergangenen Jahres in den Stadtrat eingebracht hatte. Darin heißt es, dass Sachbeschädigungen und Schmierereien an öffentlichen Gebäuden und Denkmälern normalerweise nicht zeitnah behoben werden, "die Stadt kapituliert vor dem Vandalismus". Die AfD hatte damals vorgeschlagen, einen Verein aus Gewerbetreibenden, Immobilienbesitzern und Denkmalpflegern zu etablieren. Dieser soll Graffiti zeitnah beseitigen, um der Entwicklung entgegenzuwirken. In Lüchow habe man mit einem solchen Verein bereits gute Erfahrungen gemacht. 

◼︎ Linke

Nicht beseitigen, sondern die Flächen an der Kaimauer gezielt Jugendlichen zur Verfügung stellen, diesen Weg schlägt Vivienne Widawski vor. Die Fraktionsvorsitzende der Linken sagt: "Teuer muss das die Stadt auch nicht gestalten. Jedenfalls nicht, wenn man begabte Jugendliche und Künstler*innen aus unserer Stadt unterstützt und diesen Platz für legales Graffiti anbietet." Die Situation zeige, dass in Lüneburg Räume und Orte fehlten, wo Jugendliche sich künstlerisch ausleben können. "Vor der Reinigung sollte geprüft werden, ob die Mauer als solch ein Raum geeignet ist." Falls ja, wäre es ein wichtiges Zeichen für zukunftsorientiertes Handeln, welches Jugend und Kunst unterstützt. Wenn nicht, müssten andere Räume geschafft werden, die für legales Graffiti und andere Kunst genutzt werden können.

Von der SPD, der FDP und Der Partei gab es keine Reaktion.