H.B. Fuller will 2027 sein Werk in Lüneburg schließen – Stimmen aus der Politik
Lüneburg, 08.05.2026 - Nur noch ein Jahr soll in Lüneburg produziert werden, dann ist Schluss. Mit dieser Ankündigung hat der US-amerikanische Klebstoffhersteller H.B. Fuller Belegschaft, Gewerkschaften und Politik in Lüneburg überrascht. Etwa 80 Arbeitsplätze werden damit am Standort Lüneburg verlorengehen. Die angekündigte Betriebsschließung reiht sich ein in die letzten Hiobsbotschaften vom Lüneburger Eisenwerk, Jungheinrich und Yanfeng. Aus dem Rathaus und den Parteien kommen erste Reaktionen.
◼︎ Kalisch: "Nur begrenzter Einfluss"
Als einen weiteren "schweren Verlust für den Industriestandort Lüneburg" bezeichnet Lüneburgs Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch das angekündigte Aus für den Lüneburger Produktionsstandort des US-Unternehmens. "Die angekündigte Schließung ist für die Beschäftigten, ihre Familien und für unsere Stadt ein schwerer Schlag. Jeder einzelne Arbeitsplatzverlust ist nicht nur eine Zahl in einer Firmenbilanz, sondern ein Einzelschicksal mit Sorgen, Unsicherheit und dem Verlust eines beruflichen Zuhauses", sagt Kalisch.
Wie zu lesen ist, will das Unternehmen seine Produktion auf Standorte in Portugal, Frankreich, Großbritannien und Ägypten verlagern – in der Regel dorthin, wo kostengünstiger produziert werden kann. Kalisch sieht daher auch wenig Handlungsspielraum der Stadt und spricht von einer "bundesweit tiefgreifenden wirtschaftlichen Transformation". Stadt und Wirtschaftsförderung hätten daher "leider" nur sehr begrenzten Einfluss auf die Entscheidungen, die in Konzernzentralen getroffen werden. "Umso wichtiger ist es, den heimischen Mittelstand zu stärken, der mit der Region eng verwurzelt ist und das Rückgrat unserer Wirtschaft bildet." Lüneburg sei eine Stadt mit hoher Lebensqualität und einem attraktiven Umfeld – "damit können unsere Unternehmen im Wettbewerb um dringend benötigte Fachkräfte punkten".
◼︎ SPD: Nicht weitermachen wie bisher
Anders die SPD. Sie sieht die Stadt durchaus in der Verantwortung. "Es reicht nicht, bei jeder Schließung zu bedauern und weiterzumachen wie bisher", kritisiert Oliver Wozniok das Agieren des Rathauses. "Wer Lüneburg als Wirtschaftsstandort ernst nimmt, muss jetzt handeln – nicht reagieren", so der Oberbürgermeister-Kandidat der SPD.
Die Schließung des Fuller-Werks komme "nicht aus dem Nichts", so Wozniok. In den vergangenen zwei Jahren habe die Region rund 1.000 Industriearbeitsplätze verloren. Der Landkreis Lüneburg liege beim Ranking erschlossener Gewerbeflächen in der Metropolregion Hamburg auf dem vorletzten Platz. "Das ist das Bild, das Fuller hinterlässt – nicht als Ausnahme, sondern als Teil eines Musters."
Konkret sagt Wozniok: "Gewerbeflächen wie der Bilmer Berg existieren auf dem Papier und liegen brach." Eine Wirtschaftsförderung, die aktiv auf Unternehmen zugeht und Ansiedlungen begleitet, fehle in der nötigen Stärke. Außerdem müsse die Region die Chancen der Energiewende strategisch nutzen: Lüneburg werde in wenigen Jahren zu den energiereichsten Standorten in Niedersachsen gehören. Unternehmen, die grünen Strom brauchen, suchten genau solche Orte. Das aber sei "kein Selbstläufer, das ist Arbeit".
◼︎ CDU vermisst Standortstrategie
Auch die CDU fordert deutlich mehr Engagement seitens der Stadtverwaltung. Patrick Pietruck, Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsunion Lüneburg (MIT) und OB-Kandidat seiner Partei, fordert eine "klare wirtschaftspolitische Standortstrategie", mit der bestehende Betriebe gehalten, neue Unternehmen angesiedelt, Gewerbeflächen entwickelt, Verkehrsinfrastruktur gestärkt und Genehmigungen für betriebliche Investitionen beschleunigt werden.
Lüneburg, so Pietruck, dürfe nicht zum reinen Wohn-, Verwaltungs- und Tourismusstandort werden, die Stadt brauche eine starke Wirtschaft. "Wer über Kitas, Schulen, Verkehr, Mobilität und soziale Angebote spricht, muss auch sagen, wie Lüneburg dauerhaft die Einnahmen dafür sichern will." Es reiche nicht, die aktuelle Entwicklung nur zur Kenntnis zu nehmen. Jeder verlorene Arbeitsplatz bedeute "weniger Kaufkraft, weniger Perspektive und am Ende auch weniger Einnahmen für unsere Stadt".
◼︎ "Faire Lösung finden"
Wie aber geht es jetzt weiter? Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch sagt: "Für die Beschäftigten von H.B. Fuller geht es jetzt darum, gemeinsam mit Betriebsrat, Gewerkschaft und Unternehmen faire Lösungen zu finden. Die Hansestadt wird sie dabei so gut wie möglich unterstützen."

