Oberbürgermeisterin Kalisch kritisiert Bahn-Ankündigung heftig – zu recht?
Lüneburg, 17.02.2026 - In Sachen Verkehrs-Chaos sind die Menschen in Stadt und Kreis einiges gewohnt. Ob unprofessionell abgestimmte Großbaustellen, mehrfach verschobene Fertigstellungstermine, verstopfte Umleitungen, ein misslungener "Moin"-Start oder eine Baustelle, die dreimal angekündigt und wieder verschoben wird wie zuletzt an der Lauenburger Elbbrücke – vieles kann die Verkehrsteilnehmer in der Region nicht mehr erschüttern. Da wirkt es ein wenig befremdlich, wenn Lüneburgs Oberbürgermeisterin sich darüber echauffiert, dass die Sanierung der Bahnstrecke Hamburg-Hannover länger dauern wird.
Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch (Grüne) kritisiert die frisch von der Deutschen Bahn angekündigten Verzögerungen bei der anstehenden Grundsanierung der Bahnstrecke Hamburg-Hannover, nachdem das Unternehmen einräumen musste, dass die aktuelle Sanierung der Bahnstrecke Hamburg–Berlin länger als geplant dauern werde.
Für Kalisch eine Steilvorlage, die sie auch nutzt: "Es ist – um es deutlich zu sagen – eine Ohrfeige für alle Pendler:innen, die sich frühzeitig gekümmert und auf den genannten Zeitraum eingestellt haben. Seit einem Jahr kommuniziert die Deutsche Bahn, dass die sogenannte Qualitätsoffensive am 1. Mai beginnen wird. Viele Menschen haben entsprechend ihren Urlaub geplant oder andere Maßnahmen ergriffen, um durch diese Zeit zu kommen."
Das ist sicher richtig. Doch gilt das nicht für jede Baumaßnahme, die die Menschen aus ihrem gewohnten Tagesablauf reißt? Die Menschen benötigten Planungssicherheit, fordert Kalisch und beklagt, dass die Bahn zu wenig Puffer zwischen ihren beiden Großbaustellen eingeplant habe. Das habe eine "sehr hohe Verbindlichkeit der Planungen und die Berücksichtigung einer längeren Winterlage" vorausgesetzt.
Stimmt. Aber wie treffsicher ist die Stadt bei ihren Planungen? Natürlich haben die Folgen von Fehlplanungen bei der Bahn immer größere Auswirkungen als die Verschiebung einer Baumaßnahme an der Artlenburger Landstraße. Aber wer das Größere kritisiert, sollte seine Hausaufgaben im Kleinen zumindest zufriedenstellend erledigt haben. So aber bekommt die Kritik der Oberbürgermeisterin den Beigeschmack des Populismus.

