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Doch nur eine Schein-Lösung?

15.02.2026 - Es ist wie es ist. Drogis, Alkis und andere Kaputte und solche, die es noch werden wollen, gibt es überall und zuhauf. Auch in Lüneburg. Die Frage aber ist, wie eine Stadt mit ihren Problemfällen umgeht. Lässt man es laufen oder sucht oder versucht man wenigstens Lösungen, auch wenn diese noch nicht erkennbar oder womöglich aussichtslos erscheinen. Kein einfacher Weg. Lüneburg hat sich nun für die Schießgrabenstraße entschieden. Dafür spricht einiges. Ob es die erhoffte Lösung des "Stadtbild"-Problems wird, ist allerdings offen.

Warum unbedingt die Schießgrabenstraße? Warum ausgerechnet die Straße, die mit ihren herrschaftlichen Stadtvillen aus dem vorletzten Jahrhundertwechsel doch eigentlich für ein ganz anderes Lüneburg steht? Warum diese Straße, die mit der immer noch beeindruckenden Front ihrer Gebäude für Bürgerlichkeit, Wohlstand und gesittete Verhältnisse steht – also für das genaue Gegenteil von persönlichem und gesellschaftlichem Abstieg?

Für die Schießgrabenstraße spricht dennoch einiges. Denn längst ist das wohlsortierte Bürgertum dort weggezogen, statt seiner haben sich dort Arzt- und Anwaltspraxen, Behörden und Ämter und Kircheneinrichtungen angesiedelt – wie es häufig so ist, wenn die Rendite aus der Vermietung mehr Wohlstand verspricht als dort selber zu wohnen, von dem vorbeifließenden Straßenverkehr ganz abzusehen.

Schon deshalb bietet sich die Schießgrabenstraße für die Unterbringung der Lüneburger Problemszene an. Denn besorgte oder genervte Nachbarn und Anwohner, die um ihre Sicherheit und Ruhe fürchten, sind hier kaum zu befürchten. Das weiß auch die Stadtverwaltung, die sich vergebens schon an anderen Stellen der Stadt um Unterkünfte für ihre Sozialfälle bemüht hat.

Eine andere Frage ist, ob das Konzept der Stadt auch aufgeht. Denn allein die Einrichtung eines "Kontaktcafés" ist noch kein Garant dafür, dass der Sande bei den nächsten wärmenden Sonnenstrahlen nicht auch gleich wieder von denen aufgesucht wird, die man dort eigentlich nicht mehr sehen möchte. Genau darin aber zeigt sich das Dilemma dieses Konzepts: Auch ein noch so schönes Kontaktcafé kann niemanden davon abhalten, sich in der Lüneburger Innenstadt aufzuhalten. Und dann wird ganz schnell die Frage aufkommen, warum die Stadt sich dieses teure Etablissement an der Schießgrabenstraße noch leistet.

Ein Kommentar von Ulf Stüwe
zum Beitrag "Ein Ort für die Abgehängten"

 

 

  

 

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