header

Tonnes neue Träume

Niedersachsens Wirtschaftsminister will die Wirtschaft beleben – und ordert fünf neue Stellen

Hannover, 16.06.2026 - Bislang haben wir von uns hingedöst, jetzt aber müssen wohl auch wir mal ran. So etwa ist eine Pressemitteilung zu verstehen, die heute von der Staatskanzlei in Hannover verschickt wurde. Thema: Niedersachsen will seine Ansiedlungspolitik in Sachen Wettbewerb um nationale und internationale Investitionen "neu ausrichten". Wer also bislang annahm, die Landesregierung würde angesichts der desolaten Wirtschaftslage im Land schon längst alles tun, um Unternehmen und damit Jobs und Steuergelder ins Land zu holen, reibt sich verwundert die Augen. Doch es kommt noch besser.

"Mit zusätzlichem Personal und einer klaren organisatorischen Aufstellung will das Land künftig schneller und gezielter Unternehmen für Niedersachsen gewinnen." Ohne viel Aufhebens kommt die Staatskanzlei gleich zu Beginn der Mitteilung zu ihrem eigentlichen Anliegen: Mehr Personal.

Urheber dieser Botschaft ist Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne (SPD). Man wolle sich "offensiver, sichtbarer und mit mehr Schlagkraft" aufstellen, so Tonne. Und: "Wir sprechen Investoren aktiv an – und wir sind gleichzeitig in der Lage, sie schnell und professionell zu begleiten." Ach. Was wurde dann eigentlich bislang im Wirtschaftsministerium gemacht?

Doch damit nicht genug. Damit die Arbeit im Ministerium nicht überhand nimmt, soll die "operative Umsetzung – also die konkrete Ansprache von Unternehmen, die Betreuung von Investoren und die Entwicklung von Projekten" künftig bei "Niedersachsen.next" angesiedelt werden, einer zwischengeschalteten Organisation, die sich selbst als "Innovations- und Wirtschaftsagentur des Landes" bezeichnet.

Klar, dass solch' hehre Ziele nicht ohne zusätzliche Manpower erreichbar sind. Deshalb werden gleich fünf neue Stellen fürs Ansiedlungsbemühen geschaffen und damit die "operative Einheit" auf rund sieben Personen ausgebaut. Operativ – das klingt schon mal gut und irgendwie nach was tun. Die Strategie dahinter: Das Wirtschaftsministerium hat sich damit seiner eigentlichen Aufgabe gleich mit entledigt und die Verantwortung für künftige Abwanderungen von Unternehmen aus Niedersachsen auf andere Schultern gelegt. 

Schade nur, dass wieder kluge Köpfe in die Verwaltung gezogen und der freien Wirtschaft entzogen werden, denn hier würden sie sicher dringender gebraucht. Das aber ist nicht das Kalkül der SPD, die ohnehin längst den Anschluss an den produktiven Teil der Gesellschaft verloren zu haben scheint.

Eine "Einschätzung" von LGheute-Herausgeber Ulf Stüwe

 

 

Kommentar schreiben