Neues Gütesiegel soll für preiswerteren Wohnraum sorgen

Zettel wie diese sind auch in Lüneburg häufig zu sehen. Foto: MeinfairmieterLüneburg, 27.01.2021 - Die Miet- und Immobilienpreise steigen in Lüneburg und Umland immer weiter. Dies betrifft auch den Wohnraum für Menschen mit geringen Einkommen und Hartz-IV-Empfänger. So sind nach Angaben des Pestel-Instituts in Hannover die vom Job-Center Lüneburg übernommenen Mieten für Single-Haushalte innerhalb von gut sechs Jahren – März 2014 bis August 2020 – um 31,2 Prozent gestiegen, während die Verbraucherpreise in diesem Zeitraum nur um 6,5 Prozent zulegten. Ein neues Qualitätssiegel für Vermieter soll nun für mehr Transparenz und preiswerteren Wohnraum sorgen.

"Bei den Mieten wird oft rausgeholt, was rauszuholen ist. Dabei bauen Vermieter auf die Job-Center als 'zuverlässige Zahlstelle'", sagt der Leiter des Pestel-Instituts Matthias Günther. Zwar würden die Job-Center nur die Kosten für Wohnungen einfachen Standards übernehmen, doch seien auf genau diese Wohnungen Hartz-IV-Empfänger und viele andere Haushalte mit niedrigen Einkommen angewiesen. "Das Angebot an günstigen Wohnungen ist rar. Gerade Neuvermietungen nutzen viele Vermieter, um Maximalmieten zu erzielen", sagt Günther.

Um eine bessere Orientierung bei Wohnungsangeboten zu bekommen, wurde jetzt das Mieter-Gütesiegel "Meinfairmieter" ins Leben gerufen, mit dem als Wohnungsmarkt-Label insbesondere die soziale Verantwortung von Vermietern geprüft werden soll.

Für Matthias Günther, der die Gründung des Gütesiegels mit initiiert hat, ist das Siegel ein "Sozial-Kompass für den Wohnungsmarkt", das für weite Teile der Bevölkerung relevant sei. So arbeiten nach Angaben des Pestel-Instituts fast ein Viertel der Beschäftigten bundesweit im Niedriglohnsektor: Vom Mindestlohnbezieher über Alleinerziehende bis hin zu Rentnern, die ihre kleine Rente mit einem Minijob aufbesserten. "Der Staat agiert inzwischen mangels eigener Wohnungen als Mietentreiber, weil er Mieten akzeptierten muss, bei denen viele Vermieter offensichtlich die Schmerzgrenze ausreizen", beklagt Günther.

◼︎ Nicht alle sind "gierige Vermieter"

Aber auch unter den Vermietern mache sich zunehmend Unmut breit. Vor allem die vielen noch vorhandenen Wohnungsgesellschaften in öffentlichem Eigentum und die Genossenschaften fühlten sich zu Unrecht in der Schublade der "gierigen Vermieter" wieder. Günther: "Wie alle anderen Unternehmen müssen auch Wohnungsunternehmen Gewinne erzielen, um langfristig bestehen zu können." Die Umsetzung jedes Mieterhöhungsspielraums sei dabei aber nicht nötig. Gerade beim Grundbedürfnis Wohnen könne der Grundsatz, dass der Gebrauch von Eigentum zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen soll, "nicht stark genug betont werden". 

Faire Vermieter, ob öffentlich, genossenschaftlich oder privat, müssten für die Wohnungssuchenden erkennbar sein, fordert Günther. In der Schaffung von Markttransparenz sieht er einen Schwerpunkt der Arbeit des Gütesiegels. "Aber natürlich werden wir auch wohnungspolitische Forderungen wie etwa die dringend notwendige Stärkung des Sozialwohnungsbestandes und die Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau insgesamt im Fokus haben", betonen die Gründer des Gütesiegels. Denn letztlich habe eine unzureichende Wohnungspolitik dazu geführt, dass Ende 2019 im Landkreis Lüneburg fast 2.800 Wohnungen oder 3,1 Prozent des Wohnungsbestands fehlten.

Weitere Informationen zu neuen Gütesiegel unter www.meinfairmieter.de.