In der Samtgemeinde Amelinghausen sollen neue Solarparks entstehen. Doch Vieles spricht dagegen

Photovoltaikanlagen wie hier bei Oerzen wirken als "Hotspots" und können zur Austrocknung der Umgebung führen. Foto: LGheuteAmelinghausen, 18.11.2021 - Die Samtgemeinde Amelinghausen will die Energiewende vorantreiben. Drei neue Solarparks sollen entstehen, wo bislang Landwirtschaft betrieben wird. Geplant sind Anlagen bei Oldendorf/Luhe und bei Dehnsen mit zusammen 30 Megawatt Leistung, eine dritte soll bei Drögennindorf entstehen. Nicht gerade viel im Vergleich zu den 300 bis 450 Gigawatt, die bis 2040 bundesweit entstehen müssen, um Kern- und Kohlekraft ersetzen zu können. Doch das ist noch nicht alles. 

13 bis 21 Gigawatt (GW) – also 13.000 bis 21.000 Megawatt (MW) – installierter Photovoltaikleistung müssten Jahr für Jahr entstehen, um die Ziele für den Energieausstieg aus Kohle und Kernkraft bis 2040 erreichen zu können. Das haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) errechnet. Dabei sind die benötigten Windkraftanlagen, deren Zahl bis dahin um das Zwanzigfache steigen müsste, noch gar nicht eingerechnet.

Dass die Samtgemeinde Amelinghausen hier nur einen bescheidenen Beitrag leisten kann, ist klar. Das Problem aber ist: Von dem erforderlichen Zubau von 13 bis 21 GW jährlich ist Deutschland meilenweit entfernt, wie der Blick zurück deutlich macht. So wurden in den Jahren 2013 bis 2018 im Mittel lediglich 1,9 GW pro Jahr installiert. Lediglich 2020 waren es 4,9 GW, wie es in dem Papier des Fraunhofer-Instituts heißt.

Die Dimensionen dieses Vorhabens verdeutlicht dieser Vergleich: Der erforderliche jährliche Zubau von 13 bis 21 GW entspricht der Fläche von 18.000 bis 33.000 Fußballfeldern. Bis 2040 kämen dies je nach gewünschtem Photovoltaik-Anteil an den Erneuerbaren 428.000 bis 643.000 Fußballfelder zusammen.

◼︎ Solaranlagen trocknen die umgebende Landschaft aus

Neben diesem gigantischen Flächenverbrauch verstärken Photovoltaikanlagen zudem noch die Probleme, die sie eigentlich lösen sollen. So wird das einfallende Sonnenlicht nur zu weniger als 20 Prozent in Strom umgewandelt, wie der Energie-Experte Frank Hennig beschreibt. Der Rest der Energie – über 80 Prozent – wird zum Teil im infraroten Bereich reflektiert oder heizt die Anlagen und damit die Umgebung auf. Die Folge: Mit der Rückstrahlung wird der Treibhausgaseffekt verstärkt.

Doch damit nicht genug. Laut Hennig verstärken insbesondere Freiflächenanlagen – also Anlagen, wie sie in der Samtgemeinde Amelinghausen errichtet werden sollen – den ungewünschten Treibhausgaseffekt. Denn anders als die Solaranlagen streut naturbelassener Boden das einfallende Licht diffus und reflektiert dieses nur gering. Die erwärmten Anlagen hingegen wirken als echte "Hotspots". Die Temperatur der Zellen liege um mindestens 20 Grad über der Umgebungstemperatur (bei klarem Himmel) und heizt so konvektiv die Umgebungsluft auf. Die erwärmte, leichtere Luft steigt nach oben und bewirkt eine Zirkulation, die kühlere und feuchtere Luft aus der Umgebung ansaugt. Im Hochsommer erreichen Hennig zufolge die weitflächigen und häufig über mehrere Quadratkilometer installierten Anlagen Temperaturen bis zu 60 Grad, sodass große Mengen warmer Luft aufsteigen und die umgebende Landschaft austrocknen lassen. 

Noch ist der Bau der geplanten Anlagen in der Samtgemeinde Amelinghausen nicht beschlossen. Die Ratsmitglieder wären daher gut beraten, über die Folgen ihrer Pläne nachzudenken.