Foto: LGheute06.09.2015 - Mit 800.000 Flüchtlingen rechnet allein Deutschland in diesem Jahr, vermutlich dürften es deutlich mehr werden. Noch bewältigen die Kommunen den Ansturm, immer mehr Flüchtlingsheime und Notunterkünfte werden errichtet. In Finnland - das skandinavische Land erwartet in diesem Jahr rund 30.000 Flüchtlinge - will man einen anderen Weg versuchen: Mehr Aufnahmen von Flüchtlingen im eigenen Haus. Finnlands Premierminister Juha Sipilä will dabei mit gutem Beispiel vorangehen, wie der Spiegel berichtet. Da fragt man sich natürlich: Was machen eigentlich unsere Politiker?

Das, was sie immer tun: Sie appellieren und mahnen und stehen ganz vorn, wenn es darum geht, Hilfe einzufordern. "Es ist richtig und unvermeidbar, dass jetzt auch Unterkünfte wie die Polizeikaserne in Lüchow genutzt werden, um den Menschen zunächst ein Dach über dem Kopf zu geben. Es ist gut, dass in Lüneburg und Lüchow so rasch alles vorbereitet wurde. Ich bin gerade nach meinen erschütternden Begegnungen in Budapest froh, dass in auch meiner Heimat so Hilfe geleistet werden kann", schreibt die aus dem Landkreis Uelzen stammende Rebecca Harms, Fraktionsvorsitzende der Grünen/EFA-Fraktion im Europäischen Parlament, in ihrer jüngsten, überflüssigen Rund-Mail mit dem Betreff "Polizeikaserne in Lüchow muss genutzt werden".

Schön, dass Frau Harms uns diese Zeilen geschickt hat, vermutlich wäre sonst niemandem aufgefallen, dass neben den Uniformträgern plötzlich auch Flüchtlinge in der Kaserne untergebracht sind. Zwar ist nicht bekannt, dass sie sich persönlich vor Ort so lange ans Kasernentor gekettet hat, bis man dort das Elend nicht mehr ertragen konnte und bereit war, Flüchtlinge aufzunehmen, aber es hätte so sein können - ziviler Ungehorsam gehört quasi zu den Grundtugenden grüner Politiker.

Dass sie es nicht getan hat, ist jammerschade, schließlich hätte es ihr mit Sicherheit bundesweit Schlagzeilen und damit Pluspunkte für die weitere Politiker-Karriere gebracht. Nun, dafür war sie persönlich in Budapest, kümmerte sich um die dort ausharrenden Flüchtlinge und - so viel darf angenommen werden - versorgte sie einer Florence Nightingale aus Niedersachsen gleich mit Wasser und Brot.

Und ganz sicher hat sie dort auch ihre Visitenkarte an die Darbenden verteilt, damit diese sie einmal besuchen kommen, um zu schauen, wie weit es so eine grüne Politikerin heute bringen kann. Vielleicht gibt es dann ja auch ein Stück selbstgebackenen Kuchen, das kommt immer gut.