21.06.2019 - Es ist 19.45 Uhr. Wie gewohnt schalte ich Phoenix ein in der Hoffnung, vom Sender Interessantes aus Deutschland zu erfahren. Schließlich ist es Ende der Arbeitswoche und es hat sich viel getan. Was ich zu sehen bekomme, sind schneebedeckte Berge von Spitzbergen und ein roter, Helium-gefüllter Wetter-Ballon, der ins strahlende Blau des Himmels emporsteigt. Ich erfahre, dass ein Team von Forschern den Klimawandel und die CO2-Konzentration untersucht. Ich schalte um.

Eine sympathische Brünette berichtet auf 3sat auf Englisch, man müsse endlich etwas tun, die Welt stehe am Abgrund. Die Klima-Belastung sei enorm und es drohe der Untergang der Demokratie, sagt die sympathische Brünette namens Anab Jaim. Was das eine mit dem anderen zu tun hat, verrät sie nicht, doch sie wirkt entschlossen, das Schmelzen der Arktis mit allen Mitteln stoppen zu wollen. Das wird bei der Befragung der Klima-Aktivistin – unter dem geht es bei den Öffentlich-Rechtlichen an dem Abend nicht mehr – durch eine durchgestylte Reporterin kurz vor Beginn einer extrem wichtigen Konferenz in Weimar deutlich. Ich schalte um.

Es ist 19.49 Uhr. Auf ARD-alpha kreischt eine Kreissäge, ein mächtiger Tropenbaum kommt langsam, dann aber mit mächtigem Beben krachend zu Boden. Die Arbeiter schauen zufrieden, ihr Tagwerk scheint geschafft, nur die Stimme im Off klärt auf, dass es so nicht weitergehen kann. Der Raubbau an den Urwäldern müsse gestoppt werden, wenn der Untergang denn überhaupt noch aufzuhalten sei. Ich schalte um.

19.52 Uhr. Ich sehe zwei Menschen in einem Gespräch, der eine mit einer leeren Plastikflasche in der Hand. Ich ahne, was kommt. Es kommt. Der Planet drohe im Plastikmüll zu versinken, teilt der Hessische Rundfunk in seinem Regionalfernsehen mit. Doch es gebe Hoffnung: das "Plastik der Zukunft". Ohne abzuwarten, was es damit auf sich hat, schalte ich um.

Mit einem roten Helm bestückt kurvt ein erwachsener Mensch auf einem Roller durch Ostfriesland. Fröhlich winkt er den Umstehenden zu, manch einer erwidert den Gruß, andere schauen beschämt beiseite. Der NDR hat sich im Vorabendprogramm die E-Scooter vorgenommen. Wie immer beim NDR ist es der Versuch einer Reportage, landet aber stets bei Belehrung und endet im Klamauk. Ich schalte um.

20 Uhr, endlich Nachrichten. Im Ersten wird zunächst Donald Trump abgekanzelt, doch schon bald ist die Nachricht des Tages als ausführlicher Bericht online: die FFF-Demo in Aachen. Zehntausende glücklicher Menschen sind dort bei super Sommer-Wetter versammelt, ein Happening der Jugend, in deren Reihen auch ein paar grauhaarige Frauen auftauchen, deren Glücksgefühle ob der verbindenden Emotionen ihnen für wenige Minuten noch etwas Glanz einzuhauchen scheint. Ich schalte aus.

Meine letzte Hoffnung, noch etwas Wichtiges aus Deutschland und der Welt zu erfahren, verknüpfe ich mit einem Klick auf die Internetseite von FAZ online. "Burn capitalism not coal" lese ich dort in einem Beitrag, der sich an prominentester Stelle, also ganz oben, der FFF-Party in Aachen widmet. Die Journalistin, eine Volontärin, scheint von den Ereignissen vor Ort so gefangen zu sein, dass ihr der klare Blick abhanden gekommen zu sein scheint, so detailliert stürzt sie sich auf Details des fröhlichen Klima-Nachmittags. Immerhin erfahre ich, dass zwei Sechsjährige sich mit einem Banner von einer Brücke abgeseilt haben. Vermutlich wollten deren Eltern Greta mal zeigen, wo die Harke hängt. 

Beim Lesen kommen mir entrückte Bilder in den Sinn. Bilder aus Zeiten, die ich längst hinter uns glaubte. Es sind Bilder einer Massen-Euphorie, die sich später in einen Massenwahn steigerte, angefeuert durch eine Ideologie, die nur sich und nichts anderes gelten lassen kann. Es scheint, dass viele dieser Versuchung auch heute noch nicht widerstehen können. Wirklich befremdlich nehme ich an diesem Abend aber einmal mehr die Medien wahr, die dieser Entwicklung nicht als kritischer Begleiter, sondern als Wegbereiter den Hof machen.