Ein Buch wirft einen kritischen Blick auf die gängige Behauptung, der Klimawandel sei von uns gemacht 

Werfen einen kritischen Blick auf die Arbeit des Weltklimarats: die Atoren des Buchs "Unerwünschte Wahrheiten". Foto: LGheute 23.01.2021 - Um fast 20 Cent ist der Liter Benzin seit Jahresbeginn gestiegen, so will es der Gesetzgeber. Auch Heizen wird teurer, sofern dabei CO2 entsteht. Fürs Busfahren und die Fahrt mit dem Taxi muss über kurz oder lang ebenfalls mehr bezahlt werden, wenn die Anbieter nicht auf den steigenden Kosten sitzenbleiben wollen. Kommunen werden mehr Geld benötigen, weil die Energiekosten in Verwaltungseinrichtungen, Schulen und Krankenhäusern steigen. Da kurzfristig aber auch die Kosten für die Herstellung von Gütern wachsen, werden die Verbraucher auch dafür tiefer in die Tasche greifen müssen. Weitere Steigerungen sind für die kommenden Jahre per Gesetz bereits fest eingeplant. Grund ist die Einführung der CO2-Bepreisung zur Eindämmung des angeblich menschengemachten Klimawandels. Doch wie stichhaltig ist diese Begründung? Ein jüngst erschienenes Buch lässt daran erhebliche Zweifel aufkommen.

"Die Erwärmung unserer Erde ist real, während der vergangenen 150 Jahre nahm die globale Durchschnittstemperatur um etwa 1,0 Grad zu." So heißt es auf den ersten Seiten des Buchs "Unerwünschte Wahrheiten – Was Sie über den Klimawandel wissen sollten". Dass die beiden Autoren Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning mit diesem Satz beginnnen, hat seinen Grund. Denn nicht die Klima-Erwärmung stellen sie infrage, sondern die weit verbreitete Auffassung, der Klimawandel sei menschengemacht.

Warum aber hat sich diese Auffassung so fest verankert, dass vor allem die westliche Welt, und hier besonders Deutschland, wie paralysiert meint, alles unternehmen zu müssen, um einem vermeintlich unmittelbar drohenden Klimakollaps noch entkommen zu können? Die Antwort der Autoren: Es ist wohl der offenbar unerschütterliche Glaube von Politik und Medien, dass die Empfehlungen des Weltklimarates, nur die Halbierung der CO2-Emissionen bis 2035 könne das Schlimmste verhindern, wissenschaftlich fundiert seien.

◼︎ Zu enger Blick des Weltklimarats

Dass es angebracht scheint, daran begründet zu zweifeln, machen Vahrenholt und Lüning auf 345 Seiten deutlich. Argument für Argument – immerhin 50 an der Zahl, behandelt in ebenso vielen Kapiteln – nehmen sie sich vor, beleuchten deren Plausibilität, vor allem aber die Faktenlage und die Auswertung auch wissenschaftlicher Studien, die vom Weltklimarat absichtlich oder versehentlich unter den Tisch fallen. Und da dringen überraschende Ergebnisse ans Licht.

Besonders nachdenklich stimmt die Autoren, warum der Weltklimarat seinen Blick bei der Untersuchung der Gründe für die Erderwärmung lediglich auf die letzten 150 Jahre verengt. Denn dessen Argument, zu der Zeit habe das industrielle Zeitalter und damit der menschengemachte Klimawandel begonnen, zieht aus Sicht der Autoren nicht: "Auch das vorindustrielle Temperaturniveau schwankte stark." Dabei nehmen sie einen weitaus größeren Zeitraum in den Blick, der bis 8500 vor unserer Zeitrechnung beginnt und ebenso Erstaunliches wie Plausibles offenbart: Klimaschwankungen habe es nicht schon immer gegeben, es gab sie auch in bestimmten, wiederkehrenden Rhythmen.

◼︎ Kalt-Warm-Zyklen gab es schon in der vorindustriellen Zeit

"Verfolgen wir die Erderwärmung zurück, so erfahren wir die stärkste Erwärmung seit der letzten großen Eiszeit im 'Holozänen Thermischen Maximum' (HTM) vor etwa 8500 bis 5500 Jahren. In dieser Zeit, auch 'Atlantikum' genannt, wurde das moderne Wärmeniveau um bis zu 3 Grad C übertroffen", schreiben die Autoren. Erst 3500 v. Chr. habe sich das Klima wieder abgekühlt, weltweit seien die Gletscher wieder gewachsen.

Aber auch im Jahrtausend-Takt haben die Autoren Kalt-Warm-Zyklen ausgemacht, etwa mit der Römischen Warmzeit (250 v. Chr. bis 400 n. Chr.), der Mittelalterlichen Wärmeperiode (800 bis 1300 n. Chr.) und mit der Kleinen Eiszeit (1300 bis 1850 n. Chr.). Dabei habe es sogar Wärmeniveaus gegeben, die das heutige zum Teil überschritten hätten.  

◼︎ Weltklimarat nimmt Fakten nicht zur Kenntnis

Das Problem: Der Weltklimarat – auch Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) genannt – scheint davon keine Notiz nehmen zu wollen. Zum Leidwesen der Autoren: "Das notorische Desinteresse des Weltkimarates an diesem Thema, an dem aktuell eine Vielzahl von Klimawissenschaftlern aktiv forscht, macht ratlos." Aus ihrer Sicht sei es "von großer Wichtigkeit, diesen langrhythmischen Herzschlag des Klimasystems gründlich zu untersuchen" – und ihn nach genauer Prüfung gegebenenfalls auch zu verwerfen, wie es wissenschaftliches Arbeiten gebietet. Das aber finde nicht statt, beklagen die Autoren. Denn sie sind überzeugt, "dass die natürliche Milleniums-Klimazyklik die monokausale IPCC-Sichtweise in Frage stellen würde".

◼︎ Klima-Simulationen versagen

Doch es gibt noch mehr Auffälligkeiten. So weisen die Autoren darauf hin, dass die Klimaprognosen bis zum Jahr 2100 auf theoretischen Klimasimulationen basieren, die durchaus die Erwärmung der letzten 150 Jahre ohne größere Probleme darstellen könnten. Probleme bekämen diese Modelle aber bei der Darstellung der Mittelalterlichen Wärmeperiode. Für Vahrenholt und Lüning ist das nicht verwunderlich, da in den Simulationen der Einfluss natürlicher Klimafaktoren "gegen null "gehe. Mit anderen Worten: Modelle, die darauf aufbauen, dass die heutige Erwärmung ausschließlich menschengemacht ist, müssen notwendigerweise scheitern. Für die Autoren ist aber klar: Als Auslöser für die Mittelalterliche Wärmeperiode und die Kleine Eiszeit können nur natürliche Faktoren in Frage kommen, "weil die Menschen vor der Industuralisierung keinen nennenswerten Einfluss auf das globale Klima ausübten". 

◼︎ Auch Sonnenaktivität muss berücksichtigt werden 

Unverständlich ist den Autoren auch, warum der Weltklimarat nicht auch die Sonneneinwirkung auf die Erde und damit auf die Erderwärmung berücksichtigt. Schließlich sei die Sonnenaktivität nicht immer gleich stark. So sei sie während der Mittelalterlichen Wärmeperiode stark und während der Kleinen Eiszeit schwach gewesen und sei während der modernen Erwärmung wieder stark. "Vielleicht wird sich irgendwann einmal auch die Klimaforschung an die Sonne erinnern", hoffen die Autoren mit kritischem Unterton.  

Erstaunlich aber auch: Während der letzten 2000 Jahre habe die mittlere vorindustrielle Temperatur etwa auf dem Niveau von 1940 bis 1970 gelegen und den Autoren zufolge damit "deutlich höher als im Basisjahr 1870 des IPCC". Dieses Jahr als Basisjahr für die Klimaziele zu nehmen, sei aber wenig sinnvoll, "weil diese Zeit eine der kältesten Epochen der letzten 10.000 Jahre repräsentiert" und von bitterer Kälte und Hunger gekennzeichnet gewesen sei – kein erstrebenswertes Ziel, das klimapolitisch "erst recht wenig Sinn" mache.

◼︎ Phänomen der "Ozeanzyklen" wird irgnoriert

Doch es gibt noch eine Vielzahl an weiteren Ungereimtheiten, die Vahrenholt und Lüning in ihrem Buch offenlegen. Etwa, warum in den Modellen des Weltklimarats dem kühlenden Effekt des Wasserdampfs, der bei zunehmendem CO2-Ausstoß verstärkt produziert wird, nicht Rechnung getragen wird. Oder warum den sogenannten "Ozeanzyklen" nicht mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Dabei handelt es sich um Wärmeschwankungen im Pazifik und im Atlantik, die eine "überragende Rolle für die Entwicklung der globalen Durchschnittstemperatur" haben.

So habe ein Vergleich der letzten 120 Jahre gezeigt, dass die globale Temperatur bei positiven Phasen dieser Zyklen anstieg, bei negativen ins Stocken geriet oder sogar abkühlte. In dieser Zeit habe es im Pazifik drei sogenannte Erwärmungsepisoden gegeben, und zwar in den Jahren 1860 bis 1880, 1910 bis 1940 und 1975 bis 1998. Ähnlich, allerdings mit 20-jähriger Verzögerung, verhalte sich das entsprechende Pendant im Atlantik. So habe es eine negative Phase gegeben, in der sich das Sommerklima in Europa spürbar abgekühlt habe, während die danach einsetzende und noch immer andauernde positive Phase zu wärmeren und längeren Sommern auf dem Kontinent geführt habe.     

Wissenschaftler, so die Autoren, hätten 2013 herausgefunden, dass die letzte positive Phase im Pazifik und Atlantik im Zeitraum 1975 bis 1998 gemeinschaftlich einen letzten großen Erwärmungsschub von 30 bis 50 Prozent verursacht habe. Daraus schlussfolgern die Autoren, dass die Erwärmung durch CO2 entsprechend geringer zu veranschlagen sei. Für den Weltklimarat aber ist das kein Thema 

Dass der von der Politik, zahlreichen Wissenschaftlern und den Medien nahezu als sakrosankt geltende Weltklimarat aber nicht nur Studien ignoriert, sondern mitunter sogar Studien in seinen Klimabericht aufnimmt, obwohl wissenschaftliche Standards verletzt worden seien, wie die Autoren ausführen, wirft vor allem die Frage auf: Welcher Zweck wird damit verfolgt? Eine Antwort darauf geben die Autoren in ihrem Buch nicht, sie belassen es bei wissenschaftlichen Argumenten.

◼︎ Gegen eine "Infantilisierung der Politik"

Insgesamt kommen die Autoren zu dem Ergebnis, dass der Langzeiterwärmungstrend im 21. Jahrhundert "deutlich geringer ausfallen wird, als es der Weltklimarat bis heute verbreitet". Sie sagen aber auch: "Es besteht keine Frage, dass die CO2-Emissionen weltweit zu reduzieren sind." Zugleich aber wenden sie sich gegen das Ziel, den CO2-Ausstoß innerhalb der kommenden zwölf Jahre massiv zu senken: "Das Ergebnis wären ein Absturz der Ökonomie und massive Wohlstandsverluste." Vielmehr brauche es Zeit – sie sprechen von drei Generationen –, um diese Ziele ohne die jetzt drohenden Probleme zu erreichen. Was sie aber vermeiden wollen, beschreiben sie mit diesem Szenario: "Die Welt stellt sich bis 2100 langsam um, und Deutschland könnte in zehn Jahren abstürzen, wenn die Infantilisierung der Politik auf dem Niveau von 'Fridays for Future' weiter um sich greift."

Dass sie mit ihrem Buch offenbar einen Nerv getroffen haben, zeigt die Resonanz, die sie damit im Internet hervorgerufen haben. Der Hauptvorwurf, der ihnen von wissenschaftlicher Seite dabei gemacht wird, lautet "Rosinenpickerei". Auch wird ihnen vorgehalten, Fakten aus dem Zusammenhang gerissen zu haben. Ob das wahr oder falsch ist, kann an dieser Stelle nicht beurteilt werden. Eins aber ist mit dem Buch deutlich geworden: Es gibt offenbar allen Grund, die bislang genannten Gründe für den Klimawandel und die breite Bereitschaft von Politik und Medien, diese unhinterfragt zu übernehmen, einer genauen Prüfung zu unterziehen.

Zu den Autoren:
Fritz Vahrenholt, promovierter Chemiker, ist Politiker, Manager, Wissenschaftler und Buchautor. Er war von 1991 bis 1997 Umweltsenator in Hamburg, anschließend ging er in die Wirtschaft, arbeitete bei der Deutschen Shell AG und REpower Systems, war Mitglied des Rats für nachhaltige Entwicklung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder und ab 2005 unter Kanzlerin Angela Merkel. 1978 veröffentlichte er das Buch "Seveso ist überall".

Sebastian Lüning ist Geowissenschaftler, Film- und Buchautor. Von 1997 bis 2006 war Lüning in der Forschung tätig und wechselte 2007 in die konventionelle Energieindustrie. Lüning ist als offizieller Gutachter an den IPCC-Berichten zum 1,5-Grad-Ziel sowie zum 6. Klimazustandsbericht beteiligt gewesen.

Das Buch "Unerwünschte Wahrheiten – Was Sie über den Klimawandel wissen sollten" ist 2020 beim Verlag Langen Müller erschienen, gebunden, 357 Seiten, 25 Euro.