Mit Wohlwollen reagiert der "Spiegel" auf erneute Korrekturen im Lebenslauf von Annalena Baerbock

Foto: LGheute06.06.2021 - Auf den "Spiegel" ist Verlass. Was dem Wochenmagazin nicht ins politische Kalkül passt, wird medial verwurstet – meist derb, gelegentlich aber auch wohlwollend sanft. So wie jetzt bei Annlena Baerbock. Mit gewohnter Parteilichkeit umschifft das Wochenmagazin jede sich andeutende Klippe, die einem Einzug der grünen Kanzlerkandidatin ins Bundeskanzleramt im Wege stehen könnte. Doch nach den neuesten Korrekturen, die von der grünen Kanzlerkandidatin in ihrem Lebenslauf vorgenommen werden mussten, sahen sich selbst die Wegbereiter der Claas-Relotius-Erfindungen genötigt, dies irgendwie zu erwähnen. 

Annalena Barbock habe erneut Angaben über ihre Person "präzisiert", schreibt der Spiegel in seinem Online-Beitrag "Baerbock präzisiert Angaben zu Mitgliedschaft in Organisationen". Das ist charmant formuliert. Richtiger wäre gewesen: korrigiert erneut ihren Lebenslauf. Denn Baerbock musste, nachdem sie in den vergangenen Wochen bereits Angaben in ihrem Lebenslauf nachträglich ändern musste, nun auch ihre angebliche Mitgliedschaft im Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR wegen Nichtzutreffenheit korrigieren. Leider hatten kritischere Journalisten als die des "Spiegel" herausgefunden, dass es für dieses Gremium gar keine Mitgliedschaften gibt. Nun soll es nur noch eine "Förder-Mitgliedschaft" sein oder sogar nur irgendeine weniger bestimmte Form der "Unterstützung", wie der "Spiegel" erwähnt. 

Doch das war noch nicht alles. Bei einem ebenfalls bereits von Baerbock zuvor aufgelisteten Europa/Transatlantik-Beirat der Heinrich-Böll-Stiftung ist nun vermerkt, dass sie dort inzwischen ausgeschieden ist, wie der "Spiegel" weiter schreibt. Und er notiert dazu, dass dies erstmals von Kollegen der "FAZ" öffentlich gemacht worden sei. 

Und es geht noch weiter. So heißt es in dem "Spiegel"-Artikel: "In den Angaben zu ihrer Ausbildung verweist Baerbock inzwischen ausdrücklich darauf, dass sie ihr Studium der Politischen Wissenschaften an der Universität Hamburg lediglich mit dem Vordiplom beendet hat. Zuvor hatte sie nur die Studienzeit von 2000 bis 2004 genannt, ohne auf den Abschluss einzugehen." Für den unbekümmerten Leser ihres Lebenslaufs hätte es sich dadurch so darstellen können, dass dieses Studium mit einem Abschluss verbunden war. Bewusste Irreführung? 

Eine Bewertung dieses irritierenden Gebarens der grünen Möchtegern-Kanzlerin nimmt der "Spiegel, sonst nicht träge beim politischen Abrechnen, nicht vor. Ganz im Gegenteil: Seine schlichte Darstellung der "Präzisierung" des Baerbockschen Lebenslaufs findet man auf der Online-Seite des Magazins erst, wenn man eine geraume Zeit nach unten scrollt und dann fast zufällig auf den Beitrag stößt. 

Etwas genauer haben die Kollegen von "Tichys Einblick" recherchiert. Die fanden in ihrem Beitrag mit dem passenderen Titel "Weitere Aufräumarbeiten in Annalena Baerbocks Lebenslauf" zum Beispiel auch heraus, dass sie nicht wie angegeben von 2005 bis 2008 Büroleiterin der grünen EU-Abgeordneten Elisabeth Schroedter gewesen sein kann, sondern nur für einen kürzeren Zeitraum. In der übrigen Zeit sei sie lediglich für die Betreuung der Webseite der Abgeordneten zuständig gewesen. Ein Versehen?

"Quod licet Iovi non licet bovi" lautet eine lateinische Sentenz. Frei übersetzt heißt dies etwa: "Was der Bauer darf, darf der Ochs noch lange nicht." Dies scheint, wenn es um die Grünen geht, der Wahlspruch des "Spiegel" zu sein, der sich früher mal damit brüstete, kritisch hinter die Fassade zu schauen. Jetzt begnügt er sich offenbar tatsächlich nur noch mit einem Blick in denselben.

Die Grünen selbst fordern inzwischen Frauenschutz für ihre Kanzlerkandidatin. Katrin Göring-Eckardt empörte sich am Abend in der "Berliner Runde" im ARD-Fernsehen nach der – für die Grünen wenig schmeichelhaften – Sachsen-Anhalt-Wahl darüber, dass nun alle über Baerbock "als Frau" herfielen. Die grüne Logik: Wenn eine Frau ihren Lebenslauf türkt, ist es etwas anderes, als wenn ein Mann es macht.