Wie der "Spiegel" aus einer Jugend-Sünde einer Grünen-Politikerin eine Kampagne von Rechts macht

Foto: LGheute12.10.2021 - Kann man aus einem unglücklichen, lange Zeit zurückliegenden, aber nicht besonders bedeutsamen Agieren einer heute 20-jährigen Politikerin der Grünen eine Anklage gegen Rechte und Rechtsextreme machen? Für den "Spiegel" kein Problem. In einem nicht enden wollenden Artikel hat Kolumnen-Schreiberin Margarete Stokowski es geschafft, einem Null-Thema nicht nur die Aufmerksamkeit einer verfassungsrechtlichen Bedrohung zu geben. Sie zeigt auch, wie Sinnfälliges ins Wahnsinnige gesteigert werden kann.  

"Heil" hatte Sarah-Lee Heinrich unter einen Tweet geschrieben, der mit einem Hakenkreuz geschmückt gewesen sein soll. Auch die Worte "schwul" und "behindert" soll sie für ihre Kommentare genutzt haben. Das war 2015, die frisch gewählte Bundessprecherin der Grünen Jugend muss da 13 oder 14 Jahre alt gewesen sein. Seit ihr Tweet vor wenigen Tagen bekannt wurde, hagelt es in den "sozialen Medien" Vorwürfe, man unterstellt ihr unter anderem rechtsnationale Gesinnung. Dass das Blödsinn ist, versteht sich eigentlich von selbst. Heinrich entschuldigte sich dennoch dafür und nannte ihre Äußerungen von damals "maximal dumm und unangebracht". 

Soweit, so gut, sollte man meinen. Wenn da nicht der "Spiegel" wäre. Der scheint von den Vorwürfen gegen Heinrich so angefasst zu sein, dass er das tut, was er immer tut, wenn er Gefahr für seine Schutzbefohlenen wittert: Er bläst zur Attacke gegen Rechts.

Und so schwadroniert Margarete Stokowski in ihrer Kolumne über "Hetzjagden von Rechten und Rechtsextremen", denen die Bundessprecherin der Grünen ausgesetzt sei. Ein "Nazi-Spiel" sei im Gange, gegen eine "Grünen-Politikerin, eine Schwarze, die gegen Rassismus ist". Und: Es finde eine Kampagne statt, so viel sei "klar". Einen Beweis dafür bleibt die 35-jährige freie Autorin des "Spiegel" allerdings schuldig, ihr reicht es, drei Kommentare von AfD-Politikern zu den verjährten Heinrich-Tweets aufzulisten. 

Ein unwohliges Grummeln scheint Margarete Stokowski beim Drauflosschreiben dann aber wohl doch befallen zu haben. Und das gilt dem vermeintlich fehlenden Selbstschutz der Grünen-Politikerin. So schreibt Stokowski: "Ohne Frage ist es ziemlich dumm, als Sprecherin der Grünen Jugend mit 20 noch denselben Twitteraccount zu benutzen, den man mit 13 schon benutzt hat, wenn man weiß, dass man mit diesem Account damals problematische Dinge getan hat." Mit anderen Worten: Steh' nicht zu dem, was Du gesagt oder geschrieben hast, sondern suche Dir Schutz unter einem neuen Account.   

Dass man mit dem Thema auch anders umgehen kann, beweist die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". In ihrem Kommentar zu den Diskussionen um Sarah-Lee Heinrich schreibt Andrea Diener über Jugendsünden, die uns allen unterlaufen sind und die für unser Erwachsenwerden wichtig sind. Lesenswert, inzwischen aber leider hinter der Bezahlschranke.