Keine Talkschows mehr sondern Masterpläne

Foto: LGheute21.11.2021 - Sie klingt kompliziert, kommt den meisten auch nur holpernd über die Lippen, ist aber längst in aller Munde: die "Epidemische Notlage nationaler Tragweite". Per Bundestagsbeschluss ist sie zwar kürzlich erst beendet worden, doch das Virus greift mit bislang ungeahnter Kraft weiter um sich. Als Bürger dieses Landes stellt man sich die Frage, wie das geschehen konnte. Die Situation offenbart: es gibt nicht nur eine epidemische, sondern erkennbar auch eine "Politische Notlage nationaler Tragweite".

Wer es sich noch antut, die wöchentlichen Talkshows im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk zu verfolgen, erlebt durchweg Politiker, die wie Kaninchen vor der Schlange stehen und schier ohnmächtig vor dem Corona-Virus kapituliert haben. Dort fallen in ermüdender Regelmäßigkeit Sätze wie "Es kann nicht sein, dass..." oder "Man sollte ..." oder "Man muss ...", die sich abwechseln mit kurzfristigen Regelungen, die schon bald nach Bekanntgabe wieder hinfällig sind.

Klar, eine solche Epidemie hat dieses Land in jüngerer  Zeit noch nicht erlebt. Doch es ist der zweite Corona-Winter, vor dem die Menschen jetzt stehen. Und sie erwarten, dass mehr geschieht, als nur auf den jeweils aktuellen Status zu reagieren – ein Problem, das dieses Land offenbar nicht nur mit der Corona-Pandemie hat: Einen Plan, wo dieses Land in den nächsten zehn – von zwanzig Jahren mag man schon gar nicht reden – stehen soll, gibt es nicht, zumindest wird er nicht kommuniziert.

Eine solche Haltung ist bequem: Wer sich nicht festlegt, muss sich auch nicht rechtfertigen, warum etwas nicht erreicht wurde. In erfolgreichen Unternehmen gibt es Masterpläne und für die Mitarbeiter Zielvereinbarungen. Mit beidem soll dafür gesorgt werden, dass die gesteckten Ziele erreicht werden. Das sogt für den Druck, ohne den vieles auf der Strecke bleibt.

Wo also sind die Masterpläne für die Politik? Es ist dringend Zeit, sie einzufordern.