Rat stoppt Pläne der Stadt für Umwidmung der Ilmenaustraße
Lüneburg, 17.11.2025 - Die bislang stramm auf Grün ausgerichtete Verkehrspolitik in Lüneburg hat einen empfindlichen Dämpfer bekommen. Eine Mehrheit aus CDU, SPD und FDP war in der jüngsten Ratssitzung nicht mehr gewillt, den weiteren Fahrradstraßen-Zielen des Grün-geführten Rathauses zu folgen. Das hatte vor, die Ilmenaustraße zur Fahrradstraße auszubauen und damit den Fahrradring zu erweitern.
Im vorangegangenen Mobilitätsausschuss war eigentlich alles noch klar, zumindest im Sinne der Stadtverwaltung. Der Fachausschuss, in dem die Ratsbeschlüsse vorbereitet werden, hatte seinen Segen für die geplante Einbeziehung der Ilmenaustraße in den bestehenden Fahrradring gegeben.
Doch dann kam alles ganz anders: In seiner jüngsten Sitzung sprach sich eine Mehrheit im Rat gegen den vom Mobilitätsausschuss empfohlenen Vorschlag aus, obwohl die Verwaltung noch eine Kompromisslösung entworfen hatte. Die sah vor, einen Teil der bestehenden Parkplätze zu erhalten und nur einige der Querparkplätze in Längsparkplätze umzuwandeln.
Dem wollten CDU, SPD und FDP aber nicht folgen. Und sie schafften es, sich mit ihrem Änderungsantrag gegen die Rathaus-Pläne durchzusetzen. So stimmten sie zwar zu, die Ilmenaustraße als "unechte Fahrradstraße" umzugestalten, doch nur, wenn Parkplätze dafür nicht wegfallen.
◼︎ Fördermittel-Verlust droht
Die Ablehnung war zugleich aber auch an eine Bedingung geknüpft: So soll der geplante Umbau weiterhin förderfähig bleiben. Denn für ihre Planungen hatte die Verwaltung für den gesamten Fahrradradring kürzlich 2,6 Millionen Euro eingeworben, die gefährdet sein könnten, wenn nun anders als beantragt vorgegangen wird.
"Ob diese Fördermittel durch die beschlossene Variante gefährdet sind, müssen wir prüfen", machte Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch nach dem Beschluss deutlich. Was sie nicht sagte: Wenn die Fördermittel nicht fließen, dürfte sich das Vorhaben auch erledigt haben. Denn die hoch verschuldete Stadt dürfte kaum in der Lage sein, dieses Projekt mit eigenen Mitteln zu stemmen. Die Verwaltung kündigte jedenfalls an, in der jetzt anstehenden Entwurfsplanung zu prüfen, ob die Vorgaben aus dem Ratsbeschluss zu realisieren sind.
◼︎ Der Fahrradring
Die Erweiterung des Fahrradrings ist für die Haushaltsjahre 2027/2028 vorgesehen. Die Maßnahme ist Teil des Gesamtprojekts "Fahrradring Lüneburg". Bereits umgesetzt ist der Fahrradring in der Wallstraße und in der Haagestraße. Kommendes Jahr soll der Abschnitt zwischen Salzstraße und Neue Sülze folgen. Auf der Fahrradstraße ist der motorisierte Verkehr zugelassen, der Radverkehr hat aber Vorrang. Die Radroute verbindet laut Stadtverwaltung Ziele wie Theater, VHS, Stintmarkt, Marktplatz, Rathaus und die Geschäfte und Lokale in Lüneburgs Innenstadt – ein Vorzug, allerdings nur für Radfahrer.

