SPD nominiert die 48-jährige Parteilose zu ihrer Oberbürgermeister-Kandidatin

In schmeichelndem SPD-Rot präsentierte sich Pia Steinrücke bei ihrer Wahl zur Oberbürgermeister-Kandidatin. Die SPD-Mitglieder dankten es der Parteilosen mit einem beeindruckenden Ergebnis. Foto: LGheuteLüneburg, 20.02.2021 - Einen beeindruckenden Achtungserfolg bei ihrer Kandidatur um das Oberbürgermeisteramt der Stadt Lüneburg legte heute Pia Steinrücke hin. Auf der Mitgliederversammlung des SPD-Ortsvereins Lüneburg votierten 92,7 Prozent der anwesenden Mitglieder für die 48-jährige Parteilose, die damit für die Sozialdemokraten bei der Oberbürgermeisterwahl im September antritt. Steinrücke betonte in ihrer Vorstellungsrede, "Oberbürgermeisterin für alle Menschen" sein zu wollen.

Die "Dinge vom Menschen her denken" und dabei die Schwächsten nicht zurücklassen, das war wohl die Kernbotschaft, mit der Steinrücke die übergroße Mehrheit der 69 anwesenden SPD-Mitglieder überzeugen konnte. Die waren am Vormittag bei strahlendem Sonnenschein eigens zur Kandidaten-Wahl in den Lüneburger Kurpark gekommen, wo die Mitgliederversammlung coronabedingt im Freien auf dem Platz vor der Konzertmuschel stattfand. 

"Ich traue mich, mit dem manchmal wackeligen Boden zurechtzukommen", sagte Steinrücke in Anspielung an den glitschigen Matschboden im Kurpark-Rondell, der manch Schritt zur Schlitterpartie werden lassen konnte. Dass sie damit aber auch das politische Parkett meinte, auf dem gefährliche Ausrutscher immer möglich sind, war nicht nur den Anwesenden bewusst. 

Dennoch: Die Politik und der Wahlkampf reize sie. Als Oberbürgermeisterin aber wolle sie parteiübergreifend aktiv werden. Dass sie dafür die notwendigen Eigenschaften mitbringe, stellte Steinrücke selbstbewusst heraus: "Offen für Neues, willensstark und respektvoll anderen gegenüber" antwortete Steinrücke auf die Frage, welche drei wesentlichen Charaktereigenschaften sie sich selbst zuschreiben würde.

Als Sozialdezernentin habe sie die Lüneburger Stadtgesellschaft zudem in all ihren Facetten kennengelernt und dabei stets die Nöte der Schwächeren im Blick. Parteiübergreifende Anerkennung hatte Steinrücke sich in der Bewältigung der Probleme während der Flüchtlingskrise 2015/2016 erworben, damals war sie gerade erst aus ihrer Heimat im Münsterland nach Lüneburg gekommen, hier sei sie dann "ziemlich schnell mittendrin gewesen".

Ihr sei deshalb auch wichtig, "Dinge integriert zu denken und sie nicht gegeneinander auszuspielen", beschrieb Steinrücke ihr politisches Credo. Sie stehe und setze sich für ein "Klima des Miteinanders" ein. Das soll auch ihr Wahl-Slogan "Pia und Du" zum Ausdruck bringen: "Mit den Menschen auf Augenhöhe sein, bei ihren Sorgen und bei ihrer Kritik." 

Als erste konkrete Schritte, sollte sie den Sprung in die Chefetage des Lüneburger Rathauses geschafft haben, nannte Steinrücke die Umwandlung von Kitas zu Familienzentren – "wir müssen handeln, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist" – und die Abschaffung von Oberschulen zugunsten weiterer Integrierter Gesamtschulen neben den Gymnasien. Als Verdi-Mitglied wolle sie sich für einen erleichterten Quereinstieg in den Erzieher-Beruf einsetzen, "denn wir brauchen nicht nur mehr Räume, wir brauchen auch mehr Personal". 

"Und warum sollten die Lüneburger Dich wählen?", wollte Friedrich von Mansberg wissen, der die Kandidatin in einer Fragerunde vorstellte. "Weil ich kompetent und durchsetzungsstark bin und unterschiedliche Positionen zusammenführen kann", sagte Steinrücke, die heute ohne Gegenkandidat angetreten war. Dem konnten sich am Ende 64 der 69 stimmberechtigten Mitglieder anschließen, ein Mitglied stimmte mit Nein, vier enthielten sich der Stimme.