In Lüneburg war Richtfest für ein viergeschossiges Holzhaus

Die Bauherren-Gruppe beim Richtfest vor ihrem Holzhaus. Foto: Sabrina BodenburgLüneburg, 21.06.2022 - Wer ein Haus baut, braucht Holz, in der Regel für den Dachstuhl, für den Rest darunter gibt's Ziegel oder Beton. Eine Lüneburger Baugruppe, die sich in dem Wohnprojekt "querbeet" zusammengefunden haben, ist einen anderen Weg gegangen. Sie haben ein Haus komplett aus Holz gebaut, ergänzt durch Lehm und Stroh. Das Besondere daran: Es ist vier Stockwerke hoch.

Noch ist das Vorhaben nicht beendet, doch am vergangenen Freitag war bereits Richtfest. Im Hanseviertel Ost, dort, wo früher die backsteinernen Unterkünfte der Schlieffen-Kaserne standen, steht das erste von zwei Mehrfamilienhäusern, das die Wohngruppe bauen will. Geplant sind 38 Wohnparteien. Aktuell gehören 49 Bauherren der Baugemeinschaft an, die mit ihren derzeit 15 Kindern in den beiden Häusern wohnen werden. Start war im Januar 2019.

Stellvertretend für die Baugruppe dankte Eva Kern als eine der Bauherrinnen "all denjenigen, die das Projekt begleitet und die den Weg 'Wohnprojekt' in Lüneburg schon vor querbeet gegangen sind." Einfach war der Weg dennoch nicht: Die steigenden Kosten für das Baumaterial und die angespannte Situation in der Baubranche machten der Gruppe zu schaffen. Vor allem aber die Dimension des Gebäudes war eine Herausforderung, wie Eva Kern betonte: "Höher als das Wohnprojekt Speicherbogen und damit viele offene Fragen im Brandschutz."

Auch die Finanzierung des Wohnprojekts über eine regionale Bank musste bewältigt werden, hinzu kamen die Hindernisse durch Corona: Kennenlernen unter Kontaktbeschränkungen und mit Abstandsregeln. "Wir sind froh, auf Erfahrungen anderer Wohnprojekte und eine gute Nachbarschaft wie mit der Paul-Gerhardt-Gemeinde bauen zu können." 

Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch war eigens für ein Grußwort zum Richtfest in die Lübecker Straße gekommen und zeigte sich beeindruckt von dem Projekt. "Hier sehen wir das erste viergeschössige Holzgebäude im ganzen Landkreis Lüneburg. Ein Mehrfamilienhaus aus Holz, Stroh und Lehm zu errichten, setzt neue Maßstäbe in Punkto Nachhaltigkeit. Es ist ein Vorzeigeprojekt für die ganze Bundesrepublik." 

Die Fertigstellung ist für Sommer 2023 geplant. Im Projekt gibt es noch vier freie Wohnungen. Zudem hat die Gruppe ein Crowdfunding gestartet, um einen "Open Space" für alle zu schaffen. Dieser Raum soll als Arbeitsort, Kreativraum, Atelier, für Beratung und Coaching sowie Workshops und Vorträge genutzt werden.