Die Grünen-Politikerin Julia Verlinden fordert stärkere Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels

Julia Verlinden sitzt seit 2013 für die Grünen im Bundestag. Foto: VerlindenLüneburg/Berlin, 15.08.2021 - Ist der Klimawandel noch zu stoppen? Laut neuestem Bericht des Weltklimarats ist eine Begrenzung des Temperaturanstiegs auf das erklärte 1,5-Grad-Ziel kaum noch zu erreichen. Politiker der Grünen fordern jetzt noch strengere Maßnahmen, obwohl Deutschland bereits den Ausstieg aus Kernenergie und Kohle beschlossen hat. Zu ihnen gehört auch Julia Verlinden, Bundestagsabgeordnete und energiepolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Eine Gefahr für Wirtschaft und Wohlstand in diesem Land sieht die Lüneburgerin bei nochmals drastischeren Maßnahmen gegen den Klimawandel nicht.

Düster zeichnet Verlinden das Szenario, das aus ihrer Sicht droht, wenn nicht weitere Schritte zur Einhaltung des Pariser Klimaabkommens getroffen werden. Im Extremfall bedeute viel oder wenig Klimaschutz einen Unterschied von 4,6 Grad Celsius bei der Durchschnittstemperatur bis Ende des Jahrhunderts, erklärt Verlinden gegenüber LGheute, "auch hier bei uns in der Region". 

Die promovierte Umweltwissenschaftlerin bezieht sich dabei auf Modellrechnungen des Climate Service Center Germany. "Das zeigt: Wie stark das Leben in Lüneburg und Lüchow-Dannenberg in den nächsten Jahrzehnten von extremen Wetterbedingungen beeinträchtigt werden wird, hängt von unserem Handeln heute ab."

Dass Deutschland auch bislang nicht untätig im Reduzieren seines CO2-Ausstoßes war, belegen Daten der Europäischen Kommission. Danach war Deutschland 2019 für 702 Millionen Tonnen CO2-Emissionen verantwortlich, 1990 war es noch 1.018 Millionen Tonnen. Und: Von den weltweit 37,31 Milliarden Tonnen fossiler CO2-Emissionen im Jahr 2019 entfielen lediglich 1,85 Prozent auf Deutschland. Mit dem beschlossenen Ausstieg aus Kernenergie und Kohle bis 2038 soll dieser Prozentsatz nochmals sinken.

Für Verlinden reicht das aber nicht aus. "Wir müssen jetzt umsteuern und Klimaschutz in allen Bereichen umsetzen", fordert die Grüne. Dazu nennt sie einen schnellen Ausbau von Wind- und Solarenergie, massive Energieeinsparungen, die Transformation der Industrie, klimaschonende Landwirtschaft und eine andere Mobilität.

Dass diese zusätzlichen, weitreichenden Forderungen zu einer Destabilisierung der deutschen Wirtschaft führen und somit Wohlstand und Prosperität des Landes gefährden könnten, sieht Verlinden nicht: "Wirtschaftliche Destabilisierung droht nicht durch kluge Maßnahmen zum Umbau unserer Wirtschaft, sondern wenn wir es nicht schaffen, die rasante Klimaveränderung zu stoppen." Ziel ihrer Politik sei es, die Wirtschaft auf ein dauerhaftes Fundament zu stellen. "Dazu wollen wir Grüne unter anderem eine Investitionsoffensive starten, um den Investitionsstau in unserem Land aufzulösen und Klimaschutz, Digitalisierung und Bildung zu stärken."

Doch rechtfertigen die dafür zusätzlich aufzubringenden erheblichen Finanzmittel, Deutschlands vergleichsweise geringen Anteil an den weltweiten CO2-Emissionen lediglich um ein paar Stellen hinterm Komma zu senken? Wäre es nicht sinnvoller, die Mittel besser dort einzusetzen, wo ihr Nutzen deutlich höher wäre?

Dazu Verlinden: "Deutschland gehört zu den Industrieländern, die bezogen auf ihre Einwohnerzahl am meisten Treibhausgase in die Atmosphäre geblasen haben und auch weiterhin verursachen. Insofern ist es vorrangig, dass Länder wie Deutschland ihre Emissionen schnell und dauerhaft senken." Allerdings sei es Ziel der Grünen, auch in der Außen- und Handelspolitik Umwelt- und Klimaschutz sowie die Einhaltung der Menschenrechte zur Leitlinie zu machen.