08.08.2026 - Lüneburg hat wie jede mittelgroße Stadt eine Vielzahl von Kinderspielplätzen. Das ist gut so, Kinder brauchen schließlich einen Ort, an dem sie mit Gleichaltrigen zusammenkommen, mit ihnen spielen, klettern und toben, sich mit ihnen messen können. Vor allem brauchen sie ihn, um im Spiel eigene Fähigkeiten und Grenzen zu erfahren, lernen, Niederlagen auch mal wegzustecken, wieder aufzustehen und weiterzuspielen, kurzum: soziale Kompetenz erwerben. Viel braucht ein solcher Spielplatz dafür nicht. Dass die Stadtverwaltung nun um Vorschläge bittet, wie der vorhandene Spielplatz am Liebesgrund noch attraktiver werden kann, zielt daher in die falsche Richtung. Auch aus einem weiteren Grund.
Klar, man sollte den Vergleich nicht zu früher machen, als vermeintlich alles besser war. Aber es gab auch in Lüneburg Zeiten, da reichte selbst in Wohnsiedlungen mit vielen Dutzend Kindern eine Sandkiste, um Spaß haben zu können. Notgedrungen, werden da sicher einige sagen, denn für mehr war damals einfach kein Geld da. Wer klettern wollte, musste sich deshalb einen Baum suchen, wer in Wasser und Schlamm matschen wollte, wartete, bis die Sandkiste nach einem Regenguß ausreichend gefüllt war.
Kinder sind erfindungsreich, wenn es darum geht, Neues zu entdecken und auszuprobieren. Manchmal reicht ein Ast und ein altes Badetuch, um daraus ein kleines Zelt entstehen zu lassen, in das man kriechen und sich vor ungebetener elterlicher Gängelung verstecken kann. Solche kleinen Abenteuer sind spannend, schweißen zusammen und lassen erste Freundschaften entstehen. Viel braucht es dafür an Ausstattung jedenfalls nicht.
Dass im Laufe der Zeit Klettergerüste und Schaukeln dazukamen und auch mal ein kleines Karussell, war großartig, vor allem aber dem wachsenden Wohlstand zu verdanken. Mit zunehmendem Geld in der Stadtkasse wurden auch die Spielplätze üppiger. Heute sieht man mitunter ganze Piratenschiffe, nachgebaute Klippen und riesige Wasserspielaggregate auf den Plätzen. Nicht selten lassen sie die Vermutung zu, dass hier ungestillte Kindheitsträume einiger Erwachsener im Vordergrund standen.
Kinder, das zeigt die Erfahrung, kommen ohne Weiteres mit deutlich weniger aus, siehe "Lego": Reichte anfangs ein großer Haufen dieser grandiosen Steine, um eigene Welten entstehen zu lassen, sind heute fertige Bausätze für Motive aus Star Wars Motiven oder anderen Kino-Serien der Renner. Nur: Einmal zusammengebaut, ist die Phantasie schnell raus und die Kartons landen auf Dauer in der Ecke. Schade um die vertane Phantasie, schade ums Geld.
Apropos Geld: Die Zeiten, da ausreichend Geld in der Stadtkasse ist, sind längst vorbei, vorerst jedenfalls. Da verwundert es schon, wenn nun ausgerechnet die Verwaltung dazu aufruft, Vorschläge zu machen, wie der vielleicht etwas in die Jahre gekommene Spielplatz im Liebesgrund aufgepeppt werden kann. Ihr Hinweis, das Geld stamme ja nicht aus dem Spielplatz-Etat der Stadt, sondern aus dem Förderprogramm "Gründband Innenstadt", ist zwar formal richtig, aber nicht die ganze Wahrheit. Denn die Stadt ist ebenso wie der Bund und das Land mit je einem Drittel an den Kosten beteiligt.
Den Eltern, die ihre Kinder dort weiter spielen lassen wollen, mag das egal sein. Der gewöhnliche Steuerzahler hingegen dürfte sich erneut wundern, nachdem schon einmal sehr viel Geld in den Bau eines Abenteuer-Spielplatzes am Kreidebergsee floss und nun unweit davon nun auch noch eine Verweil-Plattform im See dümpelt.
Und die Kinder? Klar, die haben immer Wünsche und freuen sich, wenn diese umgehend erfüllt werden. Aber ist das auch richtig? Wirklich notwendig ist es jedenfalls nicht. Wie sagte Alt-OB Ulrich Mädge doch immer: Erst kommt das Notwendige, dann das Wünschenswerte. Eigentlich logisch.
Ein Kommentar von Ulf Stüwe
zum Beitrag "Er soll attraktiver werden"

