14.01.2018 - Es war eine zufällige Begegnung am Gedenkstein für die Gefallenen der 110. Infanterie-Division, eine, die Dr. Gerhard Scharf vielleicht das Bürgermeister-Amt kosten wird. Und das zu Recht. Nicht, weil er dort etwa Nazi-Parolen verbreitete oder Fremdenhass schürte. Und auch nicht, weil er die bevormundende Art und Weise der Lüneburger Linken über den Umgang mit der deutschen Vergangenheit nicht ertragen kann und dabei seinem Herzen mit deutlichen Worten Luft machte. Sondern weil Scharf ganz offensichtlich nicht den Mumm hat, seine Haltung – die man nicht teilen muss, die inhaltlich aber keinen Anlass für einen Rücktritt bietet – auch zu vertreten.

Mit keinen Worten leugnet Scharf in dem Video, das von dem in Berlin lebenden Nikolai N. in dessen Youtube-Kanal "Der Volkslehrer" ins Internet gestellt wurde, die Verbrechen, die von Teilen der Angehörigen der 1940 in Lüneburg aufgestellten 110. Infanterie-Division an der Bevölkerung des Ortes Osaritschi begangen wurden. Er will auch nichts beschönigen, wie er sagt, aber ihm gehe es um Versöhnung, nicht um Abrechnung. Und er stellt sich gegen die Haltung, alle deutschen Soldaten als Faschisten und Verbrecher zu bezeichnen, wie sie pauschalierend immer wieder von linker Seite zu hören ist.

Scharf spricht von "Dummheit", weil die Lüneburger Links-Partei im Rat der Stadt immer wieder fordert, Denkmäler oder Gedenksteine aus dieser Zeit zu beseitigen oder auch Straßen umzubenennen. Er beklagt deren Bevormundung und "Geschichtsklitterung", und beim Demokratie-Verständnis der Linken gehe ihm bisweilen "das Messer in der Tasche auf". Deutliche Worte, die aber eine Rücktrittsforderung, wie sie jetzt von den Linken kommt, wohl kaum gerechtfertigt sein dürfte. 

"Ich nehme kein Blatt vor den Mund, historische Fakten muss man als solche benennen", sagt Scharf in dem Video des "Volkslehrers". Und: "Was ich gesagt habe, können Sie verwerten, dazu stehe ich".

Doch nun soll es ein "Blackout" gewesen sein. Das ist schon deshalb kaum nachvollziehbar, weil Scharf sich nicht nur freimütig und ohne Not in das Gespräch begeben hat, sondern er selbst noch einmal nachlegte, als der "Volkslehrer" das Gespräch eigentlich schon beenden wollte. 

Scharf hat eine große Chance vertan. Statt klar zu seiner Haltung und seiner Meinung zu stehen, kippt er um wie ein Pappkamerad, sobald Wind von vorn kommt. Erst versteckt er sich kleinmütig hinter dem Oberbürgermeister der Stadt und lässt diesen in einer Pressemitteilung verlauten, was er besser selbst gesagt hätte. Dann versucht er es mit einem "Blackout", von dem er plötzlich befallen gewesen sein soll. Was auch immer davon stimmt: Ein Bürgermeister, der nicht zu dem steht, was er sagt, sollte ein solches Amt nicht bekleiden.

Ein Kommentar von Ulf Stüwe
zum Beitrag "Linke fordern Scharfs Rücktritt"