04.02.2018 - Lange war seine persönliche Stellungnahme erwartet worden, dann schließlich kam sie, für viele viel zu spät. Mehrere Minuten sprach Dr. Gerhard Scharf im Rat der Stadt darüber, dass er sich mit seinen Äußerungen in dem Youtube-Video am Gedenkstein für die Gefallenen der 110. Infanterie-Division falsch verhalten habe. Dabei räumte er ein, dass er den "eindeutigen" Andeutungen seines Gegenübers "unmissverständlich und vehement" hätte widersprechen müssen. Das nicht getan zu haben, war einer seiner vielen Fehler, die er hierbei begangen hat. Der jüngste war seine Selbst-Entschuldigung. Denn sie offenbart vor allem eins: ein mangelhaftes Verständnis vom Umgang mit persönlicher Schuld.

"Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich möchte mich abschließend noch einmal ausdrücklich bei Ihnen allen entschuldigen." Diese Worte von Dr. Scharf zeugen von einer Haltung, die nicht nur bei diesem Thema nicht hinnehmbar ist. Eine Haltung, die durch ihre Wortwahl verräterisch deutlich macht, wer Akteur der Entschuldigung und des Vergebens ist: nämlich er, Scharf, selbst. 

"Ich entschuldige mich" – das kann es nicht sein. Auch wenn dies bei vielen zum normalen Sprachgebrauch gehört, es ist dennoch falsch. Schuld lässt sich nicht von demjenigen wieder gutmachen, der sie begangen hat, allenfalls von denen, die Opfer dieser Schuld geworden sind, wenn überhaupt. Um Entschuldigung muss man bitten. Ob die Bitte um Entschuldigung gewährt wird, entscheiden sie allein.

Scharf hat einen anderen Weg gewählt. Er stellt sich hin und entschuldigt sich selbst – und glaubt vermutlich, die Sache sei damit vom Tisch. Welch eine Überheblichkeit, noch dazu von einem Bürgermeister, von dem man ertwarten dürfte, dass er mit Worten umgehen kann.

Man kann über seine Äußerungen und sein Verhalten in dem Video unterschiedlicher Auffassung sein, über die Form der Entschuldigung aber ganz sicher nicht.

Ein Kommentar von Ulf Stüwe
zum Beitrag "Scharf darf Bürgermeister bleiben"