21.08.2018 - Nun ist es also soweit, Schrock-Opitz geht. Auf eigenen Wunsch wie es heißt. Doch wer die immer lauter gewordene Kritik an der Amtsführung, oder besser Nicht-Führung, in den letzten Monaten verfolgt hat, weiß, dass dem Chef der Lüneburger Marketing GmbH kaum eine andere Wahl blieb, als dem jetzt vereinbarten Aufhebungsvertrag zuzustimmen. Schrock-Opitz hat nicht geliefert, wofür er geholt wurde, wofür er angetreten ist und was er immer wieder auch angekündigt hat: neue Ideen für Lüneburg. Doch die Schuld daran nur bei dem offenkundig überforderten Marketing-Chef zu suchen, greift zu kurz. 

Wer sich in der Marketing GmbH mit neun Gesellschaftern auseinandersetzen muss, die alle ihre ganz eigenen Ziele verfolgen, braucht nicht nur klare Ideen für das, was er umsetzen will, sondern auch jede Menge Überzeugungskraft. Beides hatte Schrock-Opitz allem Anschein nach nicht. Dafür aber Gesellschafter, denen die Auslastung ihrer Bratwurstbuden auf der einen oder ihrer Geschäfte und Kaufhäuser auf der anderen Seite wichtiger waren als ein gemeinsames Konzept, wie Lüneburg sich für die Nach-Rosen-Zeit aufstellen will. Da braucht es nämlich mehr als nur ein jeweils neues Motto für die vier verkaufsoffenen Sonntage im Jahr oder wie das lärmende Stadtfest künftig organisiert werden soll.

Lüneburg hat viel zu bieten. Die Stadt ist attraktiv, lockt mit ihrer historischen Altstadt Jahr für Jahr Hunderttausende. Doch ihr fehlt ein Konzept, das darüber hinausgeht. Hier auf noch mehr Veranstaltungen zu setzen, die es in anderen Städten eh schon und nicht selten sogar besser gibt, ist der falsche Weg. Die Stadt muss sich darauf besinnen, was sie hat und wofür sie stehen will. Großspektakel wie das Stadtfest oder die Sülfmeistertage sind es jedenfalls nicht. Da kommen zwar Tausende, doch die drängeln sich nur an den Bierständen und Bratwurstbuden und sind nach wenigen Stunden wieder weg.

Warum also nicht den Blick auf Zielgruppen setzen, die an mehr interessiert sind und dafür auch gern ein paar Tage länger in der Stadt verweilen. Schon bald wird das Ostpreußische Landesmuseum neu eröffnet, dann sogar mit seiner jetzt nach Lüneburg geholten Kant-Ausstellung. Dass dies ein kulturelles Highlight ist, haben die Marketing-Gesellschafter offenbar noch nicht erkannt. Auch das Deutsche Salzmuseum ist einzigartig. Dies in Verbindung zu setzen mit einem Veranstaltungsmanagement, das gute Referenten mit guten Themen in die Stadt holt, dazu qualitätsvolle Konzerte organisiert, die in der Leuphana oder der künftigen Arena stattfinden und nicht auf dem Sand, wäre mal ein Weg, der Lüneburg abhebt vom üblichen Veranstaltungseinerlei anderer Städte.

Doch dazu braucht es Mut bei den Gesellschaftern und Mumm beim Marketing-Chef. Das Problem ist nur: den Marketing-Chef kann man rauswerfen, die Gesellschafter nicht. Jedenfalls nicht so leicht.

Ein Kommentar von Ulf Stüwe
zum Beitrag "Lüneburgs Marketing-Chef wirft das Handtuch"