Vortrag im Museum im Marstall in Winsen über ein noch wenig beleuchtetes Kultur-Kapitel der Region
Winsen/L., 04.12.2025 - Dass Bardowick zu Beginn des letzten Jahrhunderts einen Namen als Künstlerkolonie hatte, wissen wohl nur Wenige. Vor den Toren Lüneburgs taten sich um 1900 sechs Künstler zusammen, um gemeinsam zu arbeiten, sich auszutauschen und sich gegenseitig zu inspirieren. Zu ihnen gehörten bekannte Künstler wie Hugo Friedrich Hartmann oder der Architekt Wilhelm Matthies. Am 14. Dezember gibt es im Winsener Museum im Marstall einen Vortrag zur Bedeutung und Geschichte dieser Künstlervereinigung.
In der Ankündigung zu dem Vortrag schreibt das Museum:
An vielen Orten entstanden in dieser Zeit Künstlerkolonien, zu den bekanntesten gehören wohl Worpswede sowie die Künstlervereinigungen "Der Blaue Reiter" und "Die Brücke". Welches neue Kunstverständnis hinter diesen Zusammenschlüssen stand, ist unter anderem Teil des Vortrags von Ursula Schwanitz-Roth. Im Zusammenhang mit den Bardowicker Künstlern geht es zudem um die Heimatschutzbewegung und die Künstlervereinigung "Die Heidjer" sowie natürlich um die einzelnen Künstler der Bardowicker Künstlerkolonie.
1968 schrieb der Bardowicker Gemeindedirektor und Künstler Gerhard Jenczyk: "Das war kein Zufall, dass sich gerade in Bardowick zu Anfang unseres Jahrhunderts bedeutungsvolle Ansätze einer Art Künstlerkolonie zeigten. Denn im Ort zwischen weiten Feldern und Weiden, durch die die Ilmenau ihre Schleifen zieht, zwischen Hecken und Gemüsegärten, wo die alten schönen Höfe liegen mit Strohdächern und roten Ziegeln, überhöht und zusammengehalten von den beiden gedrungen-wuchtigen Türmen des Domes, hat die schöne Mitgift des spezifisch Eigenen und Alltäglichen eine Unmittelbarkeit, die zur malerischen Gestaltung reizt."
Zufall war es dennoch, dass sich ausgerechnet in Bardowick eine Künstlerkolonie bildete. Hugo Friedrich Hartmann war es, der das Künstlerleben in Bardowick etablierte. Otto Kaule, Hartmanns Studienkollege, ließ sich ebenfalls in Bardowick nieder – sein Werk ist allerdings größtenteils verloren gegangen. Den Bardowicker Malerkollegen eng verbunden war Frido Witte, der zwar nie in Bardowick wohnte, sich dort aber oft aufhielt. Etwas am Rande stand Hermann Oberdieck, der sein Geld als Lehrer verdiente, als Autodidakt aber sehr hochwertige Bilder schuf und eine enge Freundschaft zu Kaule pflegte.
Doch nicht nur Maler zählten zu den Künstlern, auch der Architekt Wilhelm Matthies war Teil der Künstlergruppe. Er schuf das Künstlerheim St. Lukas als Mittelpunkt und Treffpunkt der Bardowicker Kunstschaffenden. Hier gingen etliche Künstler aus dem norddeutschen Raum ein und aus.
Der Vortrag findet am Sonntag, 14. Dezember, von 14.30 bis 16 Uhr statt. Er wird im Rahmen der aktuellen Sonderausstellung "Mit Pinsel, Stein und Stift – Künstler im Raum Winsen" angeboten. Die Ausstellung kann vor dem Vortrag besucht werden und ist im Eintrittspreis von 3 Euro für Erwachsene inbegriffen. Kinder bis 18 Jahre und Mitglieder des Heimat- und Museumsvereins haben freien Eintritt.
Das Museum im Marstall liegt im Herzen der Stadt Winsen/Luhe. Im herzoglichen Marstall von 1599 informiert das Museum auf vier Ebenen über die Stadtgeschichte sowie über regionale Besonderheiten der Elbmarsch und Persönlichkeiten der Stadt.

