header

Gefährliche Unkenntnis

Niedersachsens Kultusministerin erntet heftige Kritik auf neuen Mathematik-Erlass

Julia Willie Hamburg hält nicht viel von schriftlicher Division. Foto: Staatsklanzlei Hannover Hannover, 12.01.2026 - Es kommt nicht häufig vor, dass ein Ministerium Stellung nimmt zur aktuellen Berichterstattung, schon gar nicht, wenn es selbst betroffen ist. Das von Julia Willie Hamburg (Grüne) geführte Kultusministerium in Hannover macht es dennoch. Anlass ist die Reaktion von Medien auf einen Beschluss ihres Ministeriums, wonach Niedersachsens Grundschüler die schriftliche Division im Mathematik-Unterricht nicht mehr beherrschen müssen. Davon will Willie nun nichts mehr wissen.

"Das schriftliche Dividieren wird nicht abgeschafft. Alle Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen werden es weiter erlernen", teilte das Kultusministerium am Nachmittag mit. Notgedrungen, denn das von der Grünen geführte Ministerium sieht sich massiver Kritik ausgesetzt, nachdem es beschlossen hatte, das schriftliche Dividieren in den Grundschulen nicht mehr zu fordern. 

Die Begründung für diese Maßnahme lässt aufhorchen. So hatte die Ministerin erklärt, die schriftliche Division stelle das "komplexeste aller schriftlichen Rechenverfahren" dar. Es erfordere das sichere Zusammenspiel mehrerer Teilschritte – Teilen, Multiplizieren und Subtrahieren – und sei deshalb besonders anfällig für Fehlerquellen, heißt es aus dem Haus der Ministerin, die Politikwissenschaft, deutsche Philologie und Philosophie in Göttingen studierte – alles ohne Abschluss.

Doch statt die offenkundig vorhandenen Lerndefizite bei den Grundschülern zu beheben, geht die Politik den entgegengesetzten Weg. So auch Ministerin Willie, die sich mit der Preisgabe eben dieser Lernziele begnügt. Sie erwartet von den Schülern nur noch, die Division "in Teilschritten" vollziehen zu können – ein Schritt, der offenkundig nicht nur dem Niveau der Bildungsministerin entspricht, sondern der Niedersachsen weiter von dem bundeseinheitlichen Bildungsdurchschnitt entfernen dürfte.

Und wie immer, wenn Bildungsstandards zugunsten eines vermeintlich erleichterten Lernerfolgs gesenkt werden, heißt es auch dieses Mal in Hannover in gewohnter Vernebelungsrhetorik: "Ziel der überarbeiteten Bildungsstandards ist es, die Qualität des Mathematikunterrichts weiter zu verbessern und stärker auf den nachhaltigen Aufbau grundlegender Kompetenzen auszurichten, um ein besseres Verständnis für Mathematik bei den Schülerinnen und Schülern zu fördern." 

Festzuhalten bleibt, dass Deutschland auf diese Weise den seit Jahrzehnten eingeschlagenen Weg in den Bildungsniedergang nicht so schnell verlassen wird. 

 

 

Kommentar schreiben