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"Zaubersprüche helfen nicht"

Der SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil stellte sich in Lüneburg kritischen Fragen

Lars Klingbeil und Andrea Schröder-Ehlers bei der Veranstaltung in Lüneburg. Foto: LGheuteLüneburg, 12.09.2026 - Eine gigantische Staatsverschuldung, ein womöglich verfassungswidriger Haushaltsentwurf, eine Steuerreform, die nicht die versprochene Entlastung bringt, eine ausstehende Pflegereform, eine wieder wackelnde Verständigung auf eine Rentenreform und Abstürze bei den Wahlen in den Ländern – dies war der Hintergrund, vor dem der SPD-Vorsitzende, Finanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil gestern nach Lüneburg kam. Hier sollte er seinen Parteigenossen im zu Ende gehenden Kommunalwahlkampf den Rücken stärken. Kritischen Fragen der Teilnehmer wich er dabei nicht aus. Auch für den Koalitionspartner in Berlin hatte er eine Botschaft parat.

"Ich will, dass wir das mit der Union zusammen hinkriegen, egal wie",  sagte Klingbeil vor den rund zweihundert Teilnehmern, die in den rot ausgeleuchteten Veranstaltungssaal des Bergström-Hotels gekommen waren. Es war eine Botschaft, die wohl viele im Saal aufhorchen und manch' einen vermutlich auch verzweifeln ließ. Denn die Forderung, das wurde an den Fragen aus dem Publikum an dem Abend deutlich, war bei vielen eher anders: mehr SPD-Politik statt noch mehr Kompromiss-Politik in Berlin.

Nur: Zu dem jetzt eingeschlagenen Weg gebe es keine Alternative, zumindest nicht aus Sicht von Klingbeil, wie er mit Blick auf die Mehrheitsverhältnisse im Bundestag deutlich machte: Dort gebe es derzeit "nur zwei Mehrheiten: eine, die wir jetzt haben mit CDU/CSU und SPD haben, und eine mit CDU/CSU und der AfD. Und ich habe kein Interesse, dass die andere Mehrheit das Land regiert".

◼︎ "Rückenwind fühlt sich anders an"

Wie sehr die Koalition den Wahlkampf in Lüneburg erschwert, machte André Schuler gleich zu Beginn klar: "Rückenwind fühlt sich anders an", sagte der SPD-Landratskandidat und forderte mehr Selbstkritik ein bei der Frage: "Wie können wir verlorengegangenes Vertrauen wieder zurückgewinnen?"

Wie schwierig das wird, zeigte sich an dem Abend immer wieder. Ob bei Publikums-Fragen zur Pflegereform, zur Kürzung von Zahlungen im Gesundheitswesen oder der Streichung von Mitteln für NGOs und Projekte wie "Demokratie leben!" – Klingbeil versprach: "Wir ducken uns nicht weg!" 

Doch hilft das auch? Darauf wies eine Teilnehmerin hin. Sie kritisierte die "alte Logik", wonach in einer Koalition gestritten wird "und jede Partei meint, davon auch noch zu profitieren". Das will zwar auch Klingbeil nicht – "Mir wär's am liebsten, wir streiten hinter verschlossenen Türen und präsentieren dann das gemeinsame Ergebnis" –, doch die Realität sieht anders aus, wie sich aktuell allein bei der Auseinandersetzung um den richtigen Weg bei der Rentenreform zeigt, die jetzt sogar zu Rücktrittsforderungen eines CDU-Politikers an Bärbel Bas als SPD-Sozialministerin führte.

◼︎ Kein Schwarz-Weiß-Denken

Klingbeil, dem kritische Fragen und Gespräche wie an diesem Abend "wichtig" sind und wohl auch mehr liegen als kämpferische Auftritte und Parolen auf Marktplätzen, blieb sich zumindest treu. "Schwarz-Weiß-Denken macht uns kaputt", zeigte sich der SPD-Vorsitzende überzeugt und bekam dafür starken Applaus, ebenso für seinen Hinweis auf die Klimapolitik von Robert Habeck zu Zeiten der Ampel-Regierung: "Du darfst keine Politik mit erhobenem, moralischem Zeigefinger machen." 

Die aktuelle Schwäche der SPD, die sich in den Wahlergebnissen und der Abwanderung vieler früherer SPD-Wähler zur AfD zeige, aber brachte ein Teilnehmer auf den Punkt. Er wollte wissen: "Was ist die Vision?" Ihn, so Klingbeil, treibe an, das Deutschland, das zu Wohlstand vieler geführt habe, zu erhalten. "Und ich will nicht, dass ein Kind hier jemals wieder Krieg erlebt." Letztlich, so Klingbeil, brauche das Land Wachstum und sichere Arbeitsplätze und auch das Bekenntnis von Unternehmens-Chefs zum Standort Deutschland, wenn diese nach Unterstützung durch die Politik rufen. Und auf die Programme von Parteien an den politischen Rändern gemünzt sagte er: "Zaubersprüche helfen nicht".

Für die Lüneburger hatte Klingbeil auch eine Botschaft mitgebracht: "Geht am Sonntag wählen!" Andrea Schröder-Ehlers, die für das Oberbürgermeister-Amt kandidiert, und André Schuler seien die richtigen Kandidaten. Und mit dem riesigen Sondervermögen von 500 Milliarden Euro werde Berlin dafür sorgen, dass auch in Lüneburg investiert werde.

 

 

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