header

Aufgelesen: 1932

Foto: LGheute02.09.2026 - "Der Reichstag vom Juli 1932 war der erste, in dem es keine regierungsfähige Mehrheit einer noch so großen Koalition bürgerlicher und sozialdemokratischer Parteien mehr gab. Jetzt bildeten die beiden revolutionären, staatsverneinenden Parteien, die Nationalsozialisten auf der Rechten und die Kommunisten auf der Linken, zusammen eine Mehrheit, von der sie natürlich nicht gemeinsam Gebrauch machen konnten." Zitiert aus: Sebastian Haffner, Von Bismarck zu Hitler, Kindler Verlag 1987.

Kommentare  
Anmekungen zu Haffner:

Sebastian Haffner (1907–1999) ist ein Pseudonym. Als er es für sein erstes Buch mit dem Titel "Germany: Jekyll & Hyde" auswählte, 1940 im englischen Exil, hoffte er, damit seine Verwandten in Deutschland zu schützen. Kaum jemand kennt seinen richtigen Namen: Raimund Pretzel.

Seiner damaligen Auffassung nach erledigte jeder Mensch, der in Deutschland lebte, die Arbeit des verbrecherischen Regimes, selbst wenn er einer unpolitischen Beschäftigung (als Anwalt) nachging. So begründete Haffner seinen Entschluss, im Sommer 1938 nach England zu emigrieren und fortan als Journalist zu arbeiten.

Hitler war am 30. Januar 1933 von Reichspräsident Hindenburg zum Reichskanzler ernannt worden. Innerhalb weniger Monate beseitigten er und seine Gesinnungsgenosen mit Terror, Notverordnungen, dem Ermächtigungsgesetz, Gleichschaltungsgesetzen, Organisations- und Parteiverboten die Gewaltenteilung, die pluralistische Demokratie, den Föderalismus, den unabhängigen Beamtenapparat und den Rechtsstaat. Politische Gegner wurden in Konzentrationslagern inhaftiert, gefoltert und ermordet. 1934 ließ Hitler anlässlich des sogenannten „Röhm-Putsches“ 90 Kritiker und potenzielle Rivalen in den eigenen Reihen abschlachten.

Rudolf Augstein hat Sebastian Haffner „genial“ gennannt, aber seinem Buch „Von Bismarck zu Hitler.“ (München, 1987, 330 S.) in einer Rezension mit dem Titel „Ja, wenn Hitler nicht Hitler gewesen wäre“ im SPIEGEL vom 04.04.1988 (S. 206–210) die Leviten gelesen.

Doch sogar Augstein musste der Fehlschlag von Haffners Epilog entgehen, dessen Schlusssatz (S. 298) – zwei Jahre vor dem Mauerfall – lautet:

„Eine Wiedervereinigung, in der die beiden deutschen Staaten, so wie sie nun einmal sind und geworden sind, zu einem funktionierenden Staat verschmolzen würden, ist nicht vorstellbar, nicht einmal theoretisch.“
Kommentar schreiben