Ärger und Tränen in der Dahlenburger Fürstenwall-Schule: Eine Klasse wurde am ersten Tag gleich wieder aufgelöst
Dahlenburg, 19.08.2026 - Es war ein harmonischer und fröhlicher Start in den neuen Lebensabschnitt, so berichten Eltern von der Einschulung der Erstklässler an der Fürstenwall-Grundschule in Dahlenburg am vergangenen Samstag. Doch schon am Montag, dem ersten regulären Schultag, verdüsterte sich die Stimmung. Grund: Den überraschten Eltern und Schülern einer der vier ersten Klassen wurde mitgeteilt, dass ihre Klasse mangels ausreichender Schülerzahl aufgelöst wird. Seitdem fragen sich viele, warum dies nicht schon vorher bekannt war und so eine unnötige Umgruppierung hätte vermieden werden können. Die Verantwortlichen halten sich auffallend bedeckt und weichen Nachfragen aus.
Mit vier ersten Klassen wollte die Fürstenwall-Schule ins neue Schuljahr starten, Namen waren für sie auch schon vergeben: Bärenklasse, Schildkrötenklasse, Erdmännchenklasse und Eulenklasse. Doch für Letztere reichte plötzlich die erforderliche Schülerzahl nicht mehr, angeblich, weil allein in der Woche der Einschulung fünf Kinder "weggefallen" seien, eines davon sogar noch am Tag der Einschulung, wie es in einer Whatsapp-Nachricht heißt, mit der Schulleiterin Marion Borderieux am Montagmorgen die Eltern der Eulenklasse überraschte.
"Aufgrund dieser veränderten Schülerzahl habe ich heute Morgen die weitere Klassenbildung mit dem Regionalen Landesamt für Schule und Bildung abgestimmt. Das RLSB hat uns angewiesen, den ersten Jahrgang mit drei statt vier Klassen zu führen", heißt es in der Whatsapp-Nachricht, die LGheute vorliegt. Deshalb habe eine der vier Klassen aufgelöst und deren Schüler auf die verbleibenden Klassen verteilt werden müssen. Aus "schulorganisatorischen Gründen" betreffe dies die Eulenklasse.
Doch warum wurde erst am Montag reagiert, als die Erstklässler bereits auf die vier Klassen verteilt und dort ihre Sitznachbarn gefunden hatten? "Das RLSB war am Freitagnachmittag nicht mehr erreichbar, erst wieder am Montagmorgen. Um 7.45 Uhr habe ich dort dann auch gleich angerufen", erklärt Schulleiterin Borderieux auf Nachfrage von LGheute. Sie könne die Enttäuschung der Eltern und Schüler verstehen, "aber in der ganzen Sache war so viel Dynamik, dass ich erst am Montag reagieren konnte – das kann man mir vorwerfen, aber ich habe mein Bestes getan".
Die Frage aber bleibt: War die Entwicklung nicht schon vorher absehbar? Hätte die Schulleitung nicht bereits früher reagieren und das RLSB einschalten können? Und waren die vier Klassen allesamt so dünn besetzt, dass ein paar Abmeldungen gleich zu einer Auflösung einer ganzen Klasse führen musste? Auf die Klassengrößen wollte Schulleiterin Borderieux jedoch keine Auskunft geben und verwies dazu auf das zuständige RLSB in Lüneburg.
◼︎ Das RLSB hält sich auffallend bedeckt
Doch auch dort hält man sich auffallend bedeckt. Auf die Frage, seit wann die Schulbehörde von der abnehmenden Schülerzahl wusste, ging das RLSB nicht ein, stattdessen teilte sie lediglich mit: "Die Zahl der Klassen des ersten Jahrgangs wurde nach erneuter Prüfung der aktuellen Schülerzahlen an die geltenden Vorgaben angepasst." Und weiter: "Die Unterrichtsversorgung der Schülerinnen und Schüler ist sichergestellt. Personalmaßnahmen wurden entsprechend angepasst. Die Eltern wurden durch die Schule zeitnah über die Veränderungen informiert. Der Schulbetrieb kann geordnet und regelkonform stattfinden."
Befremdlich auch, warum die Schulbehörde nicht angeben mag, wieviele der einzuschulenden Kinder vor dem Einschulungstag abgemeldet worden waren. Stattdessen wird auf die Internet-Plattform "Nibis" des Niedersächsischen Landesinstituts für schulische Qualitätsentwicklung verwiesen, dem aber eine Antwort erwartungsgemäß nicht zu entlocken war. Auch auf die Frage, wieviele Schüler von der Umverteilung betroffen waren, gab es keine Antwort: "Zu der Anzahl der Schülerinnen und Schüler können wir Ihnen leider keine Angaben machen." Gleichlautend wurde auf die Frage geantwortet, welche Klassenstärke die drei ersten Klassen nach der erfolgten Umverteilung haben.
◼︎ Verhalten des RLSB gibt Raum für Vermutungen
Eine Schulbehörde kann nicht angeben, wie viele Schüler eingeschult wurden und wie groß die betreffenden Schulklassen sind? Das scheint kaum realistisch, zumal ja angeblich am Montagmorgen auf der Grundlage dieser Zahlen die Entscheidung für die Dreizügigkeit getroffen wurde. Oder wurde diese Entscheidung tatsächlich nur zu spät getroffen, obwohl die Schulbehörde es schon deutlich früher hätte entscheiden können?
Diese Vermutung jedenfalls liegt nahe beim Blick auf ursprünglichen Klassengrößen. Danach soll eine der vier Klassen vor der Umverteilung zwölf Schüler gehabt haben, etwa gleich groß dürften demzufolge auch die anderen drei Klassen gewesen sein – erstaunlich wenig und für eine Vierzügigkeit sicher nicht ausreichend. Schließlich liegt die Schülerhöchstzahl für eine reguläre Grundschulklasse nach Vorgaben des niedersächsischen Kultusministeriums in der Regel bei 26 Schülern.
Das RLSB in Lüneburg hätte also allein anhand der längst vor dem Einschulungstermin bekannten Klassengrößen reagieren und auf Dreizügigkeit umstellen können. So hätte man zusätzlichen Ärger bei den Eltern und Tränen bei einigen Schülern vermeiden können. Einen Ausdruck des Bedauerns gab es vom RLSB übrigens nicht.

