Landkreis reagiert per Allgemeinverfügung auf dramatischen Corona-Antieg

In dem blau eingerahmten Bereich der Lüneburger Innenstadt muss künftig ständig ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Grafik: Landkreis LüneburgLüneburg, 30.10.2020 - Besucher der Lüneburger Innenstadt müssen ab Montag dauerhaft eine Mund-Nasen-Schutzmaske tragen. Das hat der Landkreis Lüneburg per Allgemeinverfügung heute beschlossen. Der Kreis reagiert damit auf den deutlichen Anstieg bei den Corona-Infizierungen in den vergangenen Tagen. Dies hatte dazu geführt, dass der Inzidenzwert auf 40,2 Infizierte pro 100.000 Einwohner im Landkreis gestiegen war und damit die kritische Marke von 35 deutlich überstieg.

"Ich habe die große Bitte, dass sich alle an die neue Regelung halten", richtete Landrat Jens Böther in einer am Nachmittag einberufenen Pressekonferenz einen dringenden Appell an die Bevölkerung. "Nur durch Akzeptanz und Mitmachen der Bevölkerung werden wir es schaffen."

Konkret betroffen von der Regelung ist der Innenstadtbereich von Lüneburg, der durch diese Straßen und Plätze begrenzt wird:

  • Platz Am Sande
  • Am Berge
  • Rosenstraße/An den Brodbänken
  • Marktplatz vor dem Rathaus/Ochsenmarkt
  • Marienplatz
  • Neue Sülze
  • Heiligengeiststraße

Böther betonte, dass diese Regelung ergänzend zu den Verordnungen von Bund und Land getroffen und einvernehmlich mit dem Vertretern der Landkreis-Kommunen getroffen seien. Andere Kommunen als die Stadt Lüneburg seien davon nicht betroffen. Von einer Einbeziehung der Gastronomiezeile Am Stint, wo es kürzlich wiederholt zu Corona-Fällen kam, habe man vor dem Hintergrund des ebenfalls ab Montag in ganz Deutschland geltenden Öffnungsverbots für Gastronomiebetriebe abgesehen. 

◼︎ Kneipen besonders im Fokus

Die Leiterin des Gesundheitsamts, Dr. Marion Wunderlich, erklärte den deutlichen Anstieg mit Infektionen von Einzelpersonen, die aus dem Ausland oder auch aus anderen Bundesländern in den Landkreis zurückgekehrt seien. Einen Hotspot gebe es nicht. Den "größten Kummer" bereiteten ihr die Kneipenszene, in der es wie berichtet mehrfach zu Corona-Infektionen kam. Wunderlich nannte in diesem Zusammenhang die Gastronomiebetriebe "Café Central" in der Schröderstraße, "Irish Pub", "Ente" und "Schallander" am Stint und das "Capitol" an der Bardowicker Straße. Dabei betonte sie, es gehe nicht darum, die Betriebe zu schädigen, sondern deren Besuchern aus den letzten Tagen deutlich zu machen, ihre Gesundheit im Blick zu behalten.

Restaurants seien bislang nicht durch Corona-Fälle aufgefallen, berichtete die Leiterin des Gesundheitsamts. Sie führt dies auf die dortigen größeren Abstände auch aufgrund der Sitzordnung zurück. Aktuell gibt es im Landkreis 384 Infizierte, von denen 285 wieder genesen sind. 99 Personen sind aktuell infiziert. 

◼︎ Maskenpflicht gilt solange, bis Wert wieder sinkt

Jürgen Krumböhmer, Erster Kreisrat des Landkreises, erklärte, dass es sich bei der 35er-Regelung zwar nur um eine "Sollvorschrift" handele, "wir sagen aber, dass ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden muss". Damit müssten bei einem weiteren Anstieg mit Inzidenzwerten über 50 oder 100 keine erneuten Regelungen durch den Landkreis getroffen werden.

Eine zeitliche Befristung für die Allgemeinverfügung nannte Krumböhmer nicht. Sie gelte so lange, bis der Wert wieder unter 35 falle. Maßgeblich hierfür sei der vom Land Niedersachsen ermittelte Inzidenzwert. Die betroffenen Bereiche in der Lüneburger Innenstadt sollen in den kommenden Tagen auch durch entsprechende Plakate und Piktogramme kenntlich gemacht werden.

◼︎ Wieder Diagnoszentrum in Lüneburg geplant

Fachbereichsleiterin Yvonne Hobro berichtete, dass im Gesundheitsamt ein Team von 18 Personen, zu dem auch eine Mitarbeiterin des Robert-Koch-Instituts sowie sechs Soldaten der Bundeswehr gehören, jeden Corona-Kontakt verfolge. "Wir gehen nicht eher nach Hause, bis wir nicht jeden identifiziert haben." Am Montag soll das Team um sechs weitere Soldaten ergänzt werden.

Wegen der ansteigenden Infektionszahlen soll es in Kürze auch wieder ein Corona-Diagnosezentrum beim Klinikum Lüneburg geben, erklärte Hobro. Wie bereits im Frühjahr stehe dies aber nur für anspruchsberechtige Personen zur Verfügung wie etwa Angehörige von Infizierten oder bestimmte Berufsgruppen. Es sei aber "kein Zentrum für Menschen, die sich nicht wohlfühlen", betonte Hobro. Hier sei weiterhin der Hausarzt der erste Ansprechpartner.   

◼︎ Besuchszeiten im Klinikum reduziert

Auch das Lüneburger Klinikum reagiert auf die neue Corona-Lage. Frank Oppenheimer, Leitender Oberarzt und zuständig für den Bereich Krankenhaus-Hygiene, informierte, dass die Besuchszeiten ab Montag um die Hälfte reduziert werden. Besuche sind dann nur noch von 15 bis 17 Uhr möglich. Je nach Situation seien aber auch individuelle Lösungen möglich, hier werde "mit Augenmaß" vorgegangen. 

Insgesamt habe sich das Klinikum auf die Situation vorbereitet, sowohl hinsichtlich der zur Verfügung stehenden Intensivpflegeplätze als auch der normalen Pflegeplätze. Bei Letzteren sei der Bestand von 8 auf 24 Betten erhöht worden, allerdings sei man aktuell "weit davon entfernt", sie in Anspruch nehmen zu müssen. Einen Engpass bei der Schutzausrüstung für Patienten und Personal gebe es derzeit nicht.

Die Allgemeinverfügung des Landkreises Lüneburg kann hier heruntergeladen werden.
Die rechtlich bindenden Inzidenzwerte für den Landkreis Lüneburg werden vom Land Niedersachsen ermittelt und stehen hier zur Verfügung.