Hansestadt, 30.12.2010 - Die Hansestadt Lüneburg ist stolz auf die zahlreichen Ehrengäste, die sich in ihr Goldenes Buch eingetragen haben. Zu Schmuckstücken werden die Seiten jedoch erst durch die kalligrafischen Buchstaben, die Namen und Funktionen der Gäste nennen. Der Künstler, der dahinter steckt, heißt Eckhard Täger.

Er arbeitet in der Botenmeisterei (Poststelle) des Rathauses und meint, über ihn gebe es doch eigentlich gar nichts zu erzählen. Wenn die Rede jedoch auf das Goldene Buch kommt, ist das etwas anderes, davon erzählt er gern.

Aus einer mittelalterlichen Schrift hat Eckhard Täger, der am Silvestertag 57 Jahre alt wird, im Lauf der Jahre seine eigene Kalligrafieschrift entwickelt. Die teils kunstvoll verzierten und doch leicht zu entziffernden Buchstaben passen gut zu Lüneburg, das seine bisher größte Blütezeit als Handelsstadt im Mittelalter erlebte.

Die Kalligrafie ist für Eckhard Täger mehr als ein Hobby: Das Schönschreiben hat er in seiner Ausbildung zum Werbegestalter von der Pike auf gelernt. Viele Reklameschilder hat er noch mit der Hand gemalt – „heute geht das ja schon alles mit Computer“. Lange war Eckhard Täger im Deutschen Salzmuseum beschäftigt, wo er als kreativer Kopf für Ausstellungen und Werbeplakate zuständig war.

Doch die modernen Zeiten hielten auch dort Einzug, und so wechselte Eckhard Täger vor einigen Jahren in die Botenmeisterei. Die Einträge im Goldenen Buch, die er bereits seit 1996 macht, sind für ihn ein kleiner kreativer Ausgleich – etwas, das kein Computer kann.

In der Botenmeisterei liegen stets Feder und Tusche griffbereit, die Eckhard Täger für sein filigranes Handwerk benötigt. Als Arbeitsort dient ihm oft die Große Kommissionsstube im Rathaus. „Zeit und Ruhe sind die wichtigsten Voraussetzungen, damit der Eintrag gut gelingt“, sagt er. Manchmal sitzt Täger mehrere Stunden an einer Seite - je nach Textlänge und Illustration. Manche Seiten werden mit farbigen Wappen geschmückt, die Täger ebenfalls von Hand malt. „Solche Einträge machen besonders viel Spaß“, erzählt er und blättert als Beispiel die Seite auf, auf der das zehnjährige Bestehen der Städtepartnerschaft mit Tartu dokumentiert ist. Als Blickfang stehen dort das Lüneburg-Wappen und das der estnischen Stadt nebeneinander. Die Wappen sehen sich übrigens recht ähnlich – sie zeigen jeweils ein befestigtes Stadttor auf rotem Grund.

Auch privat zeichnet und malt Eckhard Täger gern – in Acryl oder Öl, aber auch mit Stiften und Ölpastellkreiden. Für ein Landschaftsgemälde hat er sich auch schon mit einer Staffelei in die freie Natur gestellt. „Dabei habe ich viele Stilformen ausprobiert, unter anderem auch den Surrealismus“, erzählt er. Neben der Arbeit kommt er momentan nur selten dazu. In wenigen Jahren beginnt jedoch die Freistellungsphase seiner Altersteilzeit. „Dann wartet schon mein kleines Atelier auf dem Dachboden auf mich.“ Aber bis dahin wird die Hansestadt wohl noch einige Ehrengäste willkommen heißen – und Eckhard Täger noch viel kreative Arbeit am Goldenen Buch zu erledigen haben.