Bardowick, 20.08.2011 - Sie sind Schiffer mit ganzem Herzen: Claus Meyer und Gerhard Stöber vom Verein Museumsschiff Ilmenau e.V.. Viele Jahre haben sie die Binnenschiffahrt aktiv betrieben, nun widmen sie sich dem Erhalt der "Ilmenau", einem inzwischen musealen Binnenschiff, das an der Schleuse Bardowick seinen Liegeplatz gefunden hat. Dort liegt die "Ilmenau" friedlich und einladend am Uferschilf und wartet darauf, seine Geschichte erzählen zu können. Der Platz ist gut gewählt, denn hier kommen vor allem an den Wochenenden auf dem Fahrradweg zwischen Lüneburg und Bardowick viele Ausflügler vorbei und halten gern mal an, um sich den Frachter aus der Nähe zu betrachten.

Claus Meyer, der Vorsitzende des Museumsvereins, hat hierfür eigens Schautafeln am Ufer aufgestellt, denn der 14-köpfige Verein ist noch nicht groß genug, dieses Museumsschiff täglich betreuen und für Gäste offen halten zu können. "Da steht aber alles über die Ilmenau drin", erklärt der gebürtige Bardowicker. Doch so ganz stimmt das nicht, denn im Gespräch werden schnell Erinnerungen und Anekdoten wach, die auf einer Schautafel natürlich keinen Platz finden.

Das 27 Meter lange Schiff wurde 1899 auf der Röger-Werft in Hamburg-Wilhelmsburg gebaut. Zunächst als Kahn ohne Antrieb, wurde das Schiff 1924 dann mit einem 50-PS-Dieselmotor aufgerüstet. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die "Ilmenau", die damals noch "Erich" hieß, vor allem für Kiestransporte zwischen Güster am Elbe-Lübeck-Kanal und Hamburg im Einsatz. Ab 1994 hatte sie dann nur noch Funktion als Lager- und Werkstattschiff. Die Bardowicker haben die Bedeutung des Schiffes für die Geschichte der Binnenschiffahrt erkannt und das Schiff 2006 erworben. Ein Jahr später war die "Ilmenau" in Bardowick.

Dass die "Ilmenau" an Bardowicker Ufern ihren Platz gefunden hat, verwundert indes nicht. Die Bardowicker sind seit Jahrhunderten mit der Hansestadt Lüneburg verbunden und haben mit ihren Schiffen Lüneburger Salz nach Lübeck und später dann Gemüse der Bauern aus der Lüneburger Heide zu den Großmärkten nach Hamburg transportiert.

Gerhard Stöber, Kapitän der "Ilmenau" und Gründungsmitglied des Museumsvereins, blickt selbst auf eine lange Familientradition als Binnenschiffer zurück. "Fünf Generationen sind es mindestens," erinnert er sich. Er selbst hat 1962 als Kapitän das letzte Mal eine Ladung Holz von Hamburg über die Ilmenau nach Lüneburg gefahren. Sein Sohn ist zwar auch wieder Binnenschiffer geworden, allerdings weitab der Ilmenaustrecken, die ohnehin aufgrund des geringen Tiefgangs heute kaum noch schiffbar ist. "Hier könnten doch noch Sportboote fahren, das ist doch ein wunderschönes Revier bis hoch nach Lüneburg. Die Stadt lebt doch vom Tourismus. Aber offenbar besteht da nur wenig Interesse seitens der Politik, denn warum sonst lässt man diesen Fluss allmählich verlanden?"

Die "Ilmenau" kümmert dies indes wenig. Sie wird morgen mit Gästen an Bord die Fahrt flussabwärts bis zur Schleuse Fahrenholz antreten. Proviant ist bereits an Bord, und das Wetter scheint an diesem Wochenende auch mal mitzuspielen. Das Schiff, für solche Fahrten umrüstbar, bietet Gruppen und Vereinen abseits der üblichen Wege eine erlebnisreiche Fahrt durch eine traumhaft naturbelassene Flusslandschaft.

Für Auskünfte und Fahrten mit der "Ilmenau" stehen Claus Meyer (Tel. 04131-12498) und Gerhard Stöber (04131-12240) zur Verfügung.