Foto: LGheute20.06.2022 - Die prall gefüllten Brüsseler EU-Kassen haben eine magische Anziehungskraft – zumindest auf die, die mehr rausholen als einzahlen. Wer sich zu dem erlauchten Kreis der EU-Mitglieder zählen darf, kann sich deshalb entspannt zurücklehnen: Wenn's zu Hause brennt, wird geholfen, zur Not über die EZB. Dass nun auch die Ukraine dazugehören will, ist nachvollziehbar. Zuvor aber muss sie zeigen, dass sie es auch wert ist. Anders die, die schon drin sind. Wie Frankreich zum Beispiel.

In Frankreich liegt das Renteneintrittsalter derzeit bei 62 Jahren. Offiziell, denn viele können schon deutlich früher ihren Ruhestand antreten. Weil Präsident Macron das ändern und auf 64 oder 65 Jahre heraufsetzen will, hatte der Gegenwind, der ihm daraufhin von Rechts wie Links entgegenblies, schon fast Orkanstärke. Bei der Parlamentswahl am vergangenen Sonntag hat er dafür auch prompt die Quittung bekommen. Für ihn dürfte es damit nun unmöglich sein, seine Rentenpläne noch durchzusetzen. Schon gar nicht mit den Linken, die wollen das Rentenalter ohnehin wieder auf 60 zurückfahren.

Wie Frankreich das Problem des gigantisch wachsenden Defizits in seinen Rentenkassen in den Griff bekommen will, scheint für viele Franzosen kein Thema zu sein. Sie sind, im Gegensatz zu den Deutschen, die schon jetzt bis 67 arbeiten müssen und vielleicht schon bald sogar bis 70, zudem bereit, für ein nicht allzu spätes arbeitsfreies Leben im Alter auf die Straße zu gehen. Dass sie es ernst meinen, haben sie mit ihren gelben Westen bewiesen.

Wie Brüssel mit den sich daraus abzeichnenden weiteren Staatsdefiziten in ihren Mitgliedstaaten umgehen will, weiß kein Mensch. Das Anleihekaufprogramm, mit dem die EZB die hochverschuldeten südeuropäischen Länder bislang stützte und sich so verbotener Weise zum Akteur des Geschehens machte, läuft jetzt aus, eine Wiederauflage ist vorerst nicht in Sicht. Schon gar nicht bei der jetzt eingesetzten Inflation, die die EZB komplett verschlafen hat. 

Eine EU, deren Bürokraten es lediglich schaffen, Ladestecker für Smartphones zu harmonisieren, wird auf Dauer nicht funktionieren, wenn nicht auch das Rentenalter in den Mitgliedstaaten einheitlich ist. Selbst die Deutschen werden sich sonst fragen, warum nur sie so lange arbeiten sollen. Rente mit 50 wäre ja auch was Schönes.

Es gibt aber noch einen anderen Weg: den Weg zurück. Und zwar dahin, wo die EU entstanden ist, in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Denn das ist ja ohnehin der Motor, der das Ganze zusammenhält.

 

 

Kommentare  

# Hartmut 2022-06-21 09:16
EU ist sehr bürokratisch - keine/r wird darüber streiten. Aber auch wir in diesem Land - oder im Landkreis, in der Stadt - sind nicht besser. Deutschland kann mit keiner Lösung europaweit trumpfen und werben. Wir schaffen es nicht einmal, daß 16 Schulsysteme harmonisiert/ve reinheitlicht werden. Zurückdrehen? Warten wir ab. Grate Britain ist gerade dabei, es auszuprobieren. Aber vor allem Ideen entwickeln, wie es für uns, lokal Lösungen schaffen. Dann dürfen wir andere, auch EU damit begeistern. Also, mit gutem Beispiel voran.
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