Herbstfest im Waldkindergarten von Gellersen

Kirchgellersen, 01.10.2012 - Eigentlich war das Wetter viel zu schön an diesem Früh-Herbsttag, doch wenn die "Allwetterfrösche" Herbstfest feiern, hat bislang immer die Sonne gelacht, berichtet Gabriele Volkmann. Zusammen mit drei anderen Familien hat sie vor zehn Jahren den Waldkindergarten in der Samtgemeinde Gellersen ins Leben gerufen. Am Sonntag feierte der Verein sein zehnjähriges Jubiläum, natürlich draußen, im Walddreieck zwischen Südergellersen, Kirchgellersen und Westergellersen.

 

"Allwetterfrösche" nennt sich der Waldkindergarten, den täglich 15 Kinder und zwei Erzieher besuchen. Von 8 bis 13 Uhr sind sie draußen, bei Wind und Wetter, von Januar bis Dezember. "Naja, in den Wintermonaten kann es schon mal zu kalt werden, dann bleiben die Kinder auch mal drinnen", sagt Saskia Druskeit, die inzwischen ihr zweites Kind bei den Allwetterfröschen untergebracht hat. Drinnen, das sind Räume im Jugendzentrum von Kirchgellersen, die den Kindern von der Gemeinde zur Verfügung gestellt werden, wenn draußen nichts mehr geht.

Doch das ist die Ausnahme. Gespielt wird draußen, wobei der Begriff eigentlich nicht ganz passt. Denn die Kinder nehmen ihren "Kindergarten" ebenso als Raum wahr wie es die Kinder in den "normalen" Kindergärten auch tun. Der Raum vom Waldkindergarten aber ist offen, erstreckt sich über ein nicht klar umrissenes Gebiet, das die Kinder dennoch genau kennen. Gemeinsam streifen sie tagsüber durch ihr Revier, suchen feste Bezugsorte wie die Burg auf - eine Hütte irgendwo im Wald, dessen Ort sie genau kennen - und lernen nebenbei Vieles über Wald und Natur und sich selbst. "Sie erfahren sich in ihrem Umfeld und lernen, aufeinander aufzupassen und für einander verantwortlich zu sein", sagt Frauke Zachmann vom Vorstand des Vereins.

Das ist nicht ganz unwichtig, denn die freie Natur birgt neben vielen Abenteuern auch Risiken. Die Kinder aber lernen sehr früh, damit umzugehen. Sie klettern auf Bäume und kommen wieder herunter, ohne sich die Knochen gebrochen zu haben, und selbst die Kleinen schnitzen ebenso wie die Großen an Ästen und eingesammelten Holzstämmen und basteln sich das, was sie zum Spielen brauchen, einfach selbst. "Natürlich passen die Erzieher mit auf, doch die Kinder lernen sehr schnell, ihre eigenen Fähigkeiten und Kräfte selber einzuschätzen", weiß Saskia Druskeit.

Eine feste Unterkunft gibt es dennoch. Es ist ein ehemaliger Bauwagen, der hellblau und mit bunten Tiermotiven bemalt am Stammplatz der Allwetterfrösche leuchtet. Er bietet Platz für die Fünfzehn plus Zwei, einen Ofen für die kalten Monate sowie für Fächer und Schapps für Bücher und Material, das man zum Basteln und Spielen braucht. "Alles, was wir dazu brauchen, sammeln wir draußen", sagt Klaus Christmann. Er ist seit neun Jahren Erzieher im Waldkindergarten und, wie eine Mutter nebenbei bemerkt, "zum Glück ein Mann!". So haben nicht nur die Jungs in der Gruppe die für sie wichtige männliche Bezugsperson, Klaus - so rufen ihn die Kinder - wird auch gebraucht, wenn es gilt, mal einen Baumstamm zur Seite zu schieben oder zu zeigen, wie man die Säge für die großen Stämme richtig ansetzt. Er selbst genießt die Zeit mit den Kindern draußen im Wald und kann sich im Moment nichts Schöneres vorstellen, wie er selber sagt.

Waldkindergärten sind für viele Familien die bessere Alternative zu den herkömmlichen Kindergärten. "Wir haben stets mehr Anmeldungen als freie Plätze", sagt Frauke Zachmann. Doch mehr als 15 Kinder können nicht aufgenommen werden, der begrenzte Platz im Bauwagen lässt einfach nicht mehr zu. Insgesamt gibt es ein gutes Dutzend dieser Einrichtungen im Landkreis, die allesamt als Verein auf Privatinitiative ins Leben gerufen worden sind. "Wir bekommen aber auch Unterstützung aus der Gemeinde", sagt Zachmann. So wird der Raum im Kirchgellerser Jugendzentrum, den die Kinder in harten Wintermonaten aufsuchen, dem Verein kostenlos zur Verfügung gestellt.  "Und wenn es mal ein Defizit in der Vereinskasse am Jahresende gibt, wird auch das von der Samtgemeinde ausgeglichen", erläutert sie. Ganz uneigennützig handelt die Gemeinde indes nicht, schließlich freut sie sich über jeden Kindergartenplatz, der ohne teures festes Dach über dem Kopf auskommt.