Lüneburger Grüne nominieren Überraschungs-Kandidatin Claudia Schmidt für OB-Wahl

Lüneburg, 18.02.2014 - Claudia Schmidt heißt die Kandidatin der Lüneburger Grünen für die Oberbürgermeister-Wahl am 25. Mai dieses Jahres. Mit 33 zu 25 Stimmen bei einer Enthaltung erzielte sie bereits im ersten Wahlgang die erforderliche absolute Mehrheit der insgesamt 59 anwesenden Wahlberechtigten und setzte sich damit gegen den ebenfalls angetretenen Andreas Meihsies durch. "Ich habe mir auch schon Gedanken gemacht, wie man den Wahlkampf organisieren kann", sagte sie nach ihrer Nominierung am Abend.

Andreas Meihsies, der die Parteibasis mit seinen Vorstellungen einer grünen Oberbürgermeister-Politik offenbar nicht überzeugen konnte, zeigte sich enttäuscht, vermied es aber, eine Bewertung des Ergebnisses abzugeben. "Meine Freundin, die mir für heute Abend den Daumen gedrückt hat, wird sich freuen, mit mir im Mai in den Urlaub nach Griechenland fahren zu können", sagte Meihsies, der nicht nur Bürgermeister der Hansestadt, sondern auch Vorsitzender der Fraktion der Grünen im Rat der Stadt ist.

Dem Wahlgang war eine rund einstündige Vorbesprechung unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorausgegangen, in der, wie Teilnehmer berichteten, eine befürchtete "innerparteiliche Schlammschlacht" ausgeblieben war. Anschließend präsentierten beide Kandidaten ihre Konzepte, mit denen sie sich vor allem gegen den bisherigen Amtsinhaber und SPD-Kandidaten Ulrich Mädge durchsetzen wollen.

Claudia Schmidt bediente mit einer breiten, aber nur wenig konkreten Themenpalette wie Förderung kleiner Handwerksbetriebe, Einsatz für den Klimaschutz und die Klimafolgenanpassung - "es reicht nicht, sich mit einem Spaten in der Hand ablichten zu lassen" - kurzen Versorgungswegen und Rückbau zu breiter Straßen die grüne Basis-Seele. Sie möchte Zugang zu freien Wasserstellen in der Stadt schaffen, statt Vio-Wasser kaufen zu müssen, setzt auf Car-Sharing-Systeme statt auf Autos, die 23 Stunden pro Tag nutzlos in der Gegend stehen und meint, beim Thema Schule und Soziales den nötigen Hintergrund durch ihre persönliche Vita mitzubringen.

Andreas Meihsies war es gleich zu Beginn wichtig deutlich zu machen, dass nicht er sich um die Kandidatur beworben, sondern dass der Ortsvorstand - mit zehn von zwölf Stimmen - die Kandidatur an ihn herangetragen habe. Er stehe für einen professionellen Wahlkampf, in dem er - das gehöre zu seinen Stärken - "Klartext" reden werde. "Ich traue mir zu, den Amtsinhaber mit grünen Ideen herauszufordern", sagte Meihsies und zählte auf, dass er ein tolerantes, offenes und soziales Rathaus schaffen wolle und versprach "ein Bürgermeister für alle und kein Politik-Apparatschik mit Befehl und Gehorsam zu werden". Mehr Verantwortung für die Dezernenten durch flachere Hierarchien, eine stärkere Beteiligungskultur durch Einbeziehung der Umweltverbände und eine bessere Einbindung des Stadtrats in die Interessen der Stadt - das waren die drei Schwerpunktthemen, die Meihsies hervorhob. Und: "Ich biete Euch meine Professionalität und meine spitze Zunge an."

Doch weder Professionalität noch Scharfzüngigkeit ihres derzeitigen Spitzen-Grünen kamen bei der Mehrheit der anwesenden Ortsverbandsmitglieder gut an. Welche Konsequenzen Meihsies persönlich aus der Abstimmungsniederlage - nach dem äußerst knappen Wahlsieg gegen Detlev Schulz-Hendel bei der Nominierung zum Kandidaten für die Landtagswahl 2013 und der für ihn enttäuschenden Platzierung auf einen hinteren Listenplatz - ziehen wird, bleibt abzuwarten. Welche Konsequenzen sich für die Grünen in Lüneburg insgesamt daraus ergeben, ebenfalls.

 

 

Kommentare  

# Redaktion LGheute 2014-02-19 00:11
Schnelle Informationen sind gut, Fehler oder Unklarheiten nicht. In der Berichterstattu ng sind leider einige davon aufgetaucht, die hier korrigiert werden sollen:
1. Andreas Meihsies hatte, nachdem er nicht für einen aussichtsreiche n Listenplatz bei der Landtagswahl nominiert worden war, seine Kandidatur zurückgezogen.
2. Nicht der Ortsvorstand hatte ihn gebeten zu kandidieren, sondern die Stadtratsfrakti on. Bei dem Tagesordnungspu nkt sollen aber nur sechs der insgesamt zwölf Fraktionsmitgli eder anwesend gewesen sein.

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