Handel und Gastronomie fordern mehr Engagement für mehr Ordnung und Sicherheit in Innenstädten
Lüneburg, 11.07.2026 - Penner, Alkis und andere Tunichtgute sind keine Erscheinung unserer Zeit. Es gab sie schon immer, auch in Lüneburg. Doch anders als heute reichte bis in die Siebziger Jahre hinein meist ein Streifenpolizist, seinen Abschnitt in der Stadt in Ordnung zu halten. Wer meinte, sich darüber und damit über gesellschaftliche Regeln und Gepflogenheiten hinwegsetzen zu können, wurde schnell eines Besseren belehrt. Damit ist es inzwischen vorbei. Rüpelhaftes Benehmen und aggressives Auftreten scheinen wie gottgegeben hingenommen werden zu müssen. Die Folge: Immer mehr Menschen fühlen sich in der Innenstadt nicht mehr wohl. Das will die hiesige Wirtschaft nicht mehr akzeptieren.
Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit sind zentrale Voraussetzungen für lebendige und wirtschaftlich erfolgreiche Innenstädte. Darauf weisen die IHK Niedersachsen (IHKN) und der Deutsche Hotel- und Gaststättenverabnd (Dehoga) Niedersachsen in ihrem Impulspapier "Zentren-SOS" hin. Untertitel: Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit als Standortfaktor für lebendige Innenstädte in Niedersachsen.
"Das Impulspapier beschreibt keine abstrakten Probleme", sagt Jan Weckenbrock, Berater für Raumordnung und Stadtentwicklung der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW), und verweist auf die Situation in Lüneburg: "Hier erleben Unternehmen, Beschäftigte, Kundinnen und Kunden sehr konkret, wie sich Konflikte im öffentlichen Raum auf das Sicherheitsgefühl und die Attraktivität der Innenstadt auswirken. Entscheidend ist deshalb, die Situation gemeinsam mit Handel, Gastronomie, Stadt, Polizei und sozialen Einrichtungen zu betrachten und passende Maßnahmen zu entwickeln."
Die IHKLW hatte im Januar gemeinsam mit der Stadt Lüneburg, dem Lüneburger City Management und dem Verein Lüneburger Gastronomen zu einem Dialog über die Situation in der Innenstadt eingeladen. Gewerbetreibende berichteten dabei unter anderem von öffentlichem Alkohol- und Drogenkonsum, aggressiv auftretenden Gruppen sowie einer zunehmenden Verunsicherung von Beschäftigten, Kundschaft und Gästen. Die Stadt reagierte unter anderem mit einem Kommunalen Ordnungsdienst und mit einer seit dem 1. Mai befristeten Alkoholverbotszone am Sande.
◼︎ Mehr sichtbare Präsenz gefordert
Das Impulspapier empfiehlt unter anderem eine sichtbare Präsenz von Polizei und kommunalen Ordnungsdiensten, die konsequente Durchsetzung bestehender Regeln, die Beseitigung von Angsträumen und eine enge Zusammenarbeit von Verwaltung, Wirtschaft, Sicherheitsbehörden und sozialen Einrichtungen. Auch Bahnhöfe, Parkhäuser und die Wege in die Zentren müssten berücksichtigt werden, heißt es in dem Papier. Zugleich gehe es darum, öffentliche Räume zu pflegen, unterschiedliche Nutzungen zu verbinden und Innenstädte über den gesamten Tagesverlauf zu beleben.
"Gute Geschäfte und gastronomische Angebote allein reichen nicht aus. Menschen müssen die Innenstadt sicher erreichen, sich dort wohlfühlen und gerne bleiben. Dafür braucht es klare Konzepte, verlässliche Zuständigkeiten und eine dauerhafte Zusammenarbeit mit der örtlichen Wirtschaft", sagt Weckenbrock.
Ob die eingeleiteten Maßnahmen auch greifen, soll im Austausch der Beteiligten überprüft werden. Helfen soll dabei der zwischen den Betrieben und den verantwortlichen Institutionen entstandene Dialog helfen. "Die Erfahrungen der Unternehmen gehören zu einem realistischen Lagebild, weil sie die Situation in der Innenstadt täglich unmittelbar erleben", sagt Weckenbrock.
Das Impulspapier "Zentren-SOS – Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit als Standortfaktor für lebendige Innenstädte in Niedersachsen" ist unter www.ihk-n.de/Zentren-SOS abrufbar.
◼︎ Dazu bisher auf LGheute:
- 24.04.2026: Alkoholverbot soll kommen
- 29.01.2026: Sorge ums Lüneburger Stadtbild
- 11.09.2025: "Es ist fünf nach Zwölf"
- 06.06.2025: Verantwortung oder Panikmache?
- 04.06.2025: Kampfplatz Sande
- 31.05.2025: Trinker, Penner, Pöbler, Junkies
- 18.05.2025: Attraktivität von Lüneburg sackt weiter ab

