11.04.2019 - Wie war das jetzt noch? Helfen Sie mir doch mal bitte. Wenn ich mich für etwas einsetze, aber gegen etwas bin, dann bin ich doch Aktivist, richtig? Oder Aktivistin, so wie Greta, die ja auch für den Klimaschutz, aber gegen 2038 ist, obwohl sie ja Schwedin ist und Schweden kein Problem mit 2038 hat. Da sollen in Deutschland ja die Braunkohlekraftwerke abgeschaltet werden. Zu spät, wie Greta sagt, weil ihre Zukunft dann auf dem Spiel steht. Und die aller anderen natürlich auch. Es gilt, etwas zu retten, was bedroht ist. Soweit habe ich das verstanden. Aber was ist, wenn ich mich für Europa, aber gegen ungehemmte Einwanderung ausspreche? Bin ich dann auch ein Aktivist? Und was ist mit Trump?

Was ist, wenn ich gegen Trump, aber für Orban bin, was dann? Oder für Orban und gegen Trump? Oder für Annalena, aber gegen Robert? Und was, wenn ich für den Güterverkehr auf der Schiene kämpfe, um die Umwelt zu retten, mich dafür ans Gleis kette und den Verkehr auf der hiesigen Autobahn am Freitagnachmittag mit einer waghalsigen Brückenkletteraktion zum Erliegen bringe, zugleich aber keinen Bock auf noch mehr Lärm vorbeidonnernder Güterzüge habe und deshalb jede Petition unterschreibe, die mir verspricht, künftig in Ruhe schlafen zu können? Was bin ich dann? Helfen Sie mir!!

Ich hab's: Wenn ich nicht sage, wer ich bin, und auch nicht sage, was ich denke, dafür aber so tue, als sei ich der, für den mich alle gern halten, wenn ich sage, was sie denken, ohne zu tun, was sie wollen, dann könnte ich Aktivist sein, ohne es zu sein oder sein zu müssen. Alles klar? Okay, früher ging es mal einfacher: Man konnte seine Meinung sagen, ohne in eine Schublade gesteckt oder des gesellschaftlichen Hochverrats angeklagt zu werden. Aber das ist schon eine Weile her. Und davon wollen inzwischen selbst die nichts mehr wissen, die dafür damals auf die Straße gegangen sind. Die Zeiten ändern sich. Zum Glück auch jetzt.

Ein Kommentar vom Aufklärungs-Aktivisten Ulf Stüwe