02.06.2019 - Zugegeben, das Ergebnis zwischen Norbert Meyer von der SPD und der Grünen Erika Romberg bei der Landratswahl am vergangenen Sonntag fiel knapp aus. Doch es war Norbert Meyer, der letztlich das Rennen machte und nun in einer Stichwahl gegen den Fast-Wahlsieger Jens Böther von der CDU antreten muss. Erika Romberg wurde erfolglose Dritte. Die Grünen wären aber nicht die Grünen, wenn sie nicht auch daraus noch politischen Gewinn zu erzielen hofften. Denn sie sehen sich als "Königsmacher" und fordern Unterwürfigkeit der beiden Spitzen-Bewerber.

Mit sogenannten "Wahlprüfsteinen" sollen Böther und Meyer nun darlegen, wie sie es mit grünen Themen halten. So sollen sie sich etwa dazu äußern, ob sie es toll finden, dass der Landkreis kein Geld mehr für Kohle- und Atomstrom ausgeben soll oder jedermann eine Niedrigwasserfähre über die Elbe kostenlos nutzen kann oder Häuser und Wohnungen nur noch entlang von Verkehrsachsen gebaut werden sollen. Oder noch schöner: Dass der Landkreis ein "sicherer Hafen" für Mittelmeerflüchtlinge werden soll.

Es ist der Frust der Verlierer, mit dem hier versucht wird, auch noch nach der Wahlniederlage politische Ziele durchzusetzen. Frei nach dem Motto: Was interessiert es uns, wenn unsere Grüne Landratskandidatin die Wähler mit ihren Themen nicht überzeugen konnte? Wir entscheiden, wer ins Amt kommt.

Nun kann natürlich jeder Wahlprüfsteine aufstapeln, so viel er will. Doch sollte man dabei auch im Blick haben, wie viele der Wähler dieses Landkreises die Grüne Politik tatsächlich goutieren. Denn bei einem Wahlergebnis von nicht einmal 27 Prozent für die Grüne Kandidatin und einer Wahlbeteiligung von rund 65 Prozent wollen dies gerade einmal 17,5 Prozent der Wahlberechtigten. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass auch die den Grünen sehr nahe stehenden Jugendlichen wählen durften – bei der Landratswahl durfte bereits mit 16 Jahren gewählt werden, Menschen also, denen man die Befähigung für das Führen eines Autos abspricht –, wird schnell deutlich, welchen Stellenwert die grünen Wahlklötzchen tatsächlich haben.

Ein Kommentar von Ulf Stüwe
zum Beitrag "Landratswahl: Keine Empfehlung der Grünen"